Babyschlaf

Blog-Gastartikel Mini and Me

09.Aug 2016

Gestern haben wir euch unsere neue Gastbloggerin Jeannine von Mini and Me  bereits vorgestellt, heute folgt ihre erste Kolumne. Das Thema: Babyschlaf. 

Mini Me Babyschlaf

Foto: © Jeannine Mik, Mini and Me

Eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis ich auf die Frage "Schläft sie schon durch?" zum ersten Mal die für mich richtige Antwort gab: "Dem Alter entsprechend.“ Ich lächle. Das fühlt sich gut an.

Das Phänomen „Babyschlaf“

Die Frage danach, wie und ob das Baby denn schlafe, kommt prompt mit der Geburt auf. Wann geht das Kind ins Bett? Wie oft wacht es auf? Wie früh morgens beginnt euer Tag? Babyschlaf ist ein zentrales Thema in den ersten Wochen, Monaten und Jahren mit dem neuen Erdenbewohner. Ich erwische mich selbst immer noch dabei, andere Mamas neugierig auszuquetschen. Vermutlich suche ich insgeheim ja "Leidensgenossinnen".

Wieso „klappt“ es anscheinend bei allen anderen?

Ich persönlich fand die Fragen nach unserem Schlafen (oder eben Nichtschlafen) nicht als störend. Was mich hingegen oft unter Druck setzte, waren die Reaktionen der anderen Mütter. Ich beschrieb unsere durchwachten Nächte immer ehrlich, was oft für groß aufgerissene Augen oder ein „Ohje!“ beim Gegenüber sorgte. Von anderen Müttern zu hören, wie unglaublich „brav“ ihr Baby schlafe und dass das „eigentlich nie ein Problem gewesen sei“, oder es „seit dem vierten Monat prima klappte“, war unglaublich frustrierend für mich. Irgendwie tat ich solche Aussagen mit einem Lächeln ab, aber an Tagen, an denen ich vor Übermüdung beinah vom Stuhl kippte, nagten sie an mir. War mein Baby das einzige, das so wenig schlief?

Mehr Schlaf für Mama nach knapp zwei Jahren

Meine Tochter gehörte knapp zwei Jahre lang zu den nicht mal ansatzweiße Durchschlafenden: Sie wachte jede Nacht mehrmals auf. Immer schon. In manchen Nächten brauchte sie meine Nähe drei Mal, in anderen verlangte sie zehn oder zwölf Mal nach mir.

Mittlerweile darf ich mich immer öfter über Nächte freuen, in denen sie nur ein oder zwei Mal aufwacht oder sogar ganz durchschläft. Damit meine ich von etwa zehn oder elf Uhr abends bis sechs Uhr früh. Regelmäßig durchgeschlafen wird in unserem Haus aber auf keinen Fall. Das mag am Familienbett liegen oder am Stillen oder seine Gründe auch ganz woanders haben – wir suchen nicht mehr danach.

Mein Baby muss nicht mehr oder anders schlafen. Ich muss umdenken!

Nicht selten war ich nach einer 12-mal-wach-sein-Nacht kurz davor, gänzlich zu verzweifeln. Der Druck von außen, die scheinbare „Erwartungshaltung“ meines Umfeldes und die Tatsache, dass gefühlt alle anderen Kinder problemlos schliefen, verschlimmerte vieles für mich. Angefangen hat das „Leichter werden“ mit einer Studie, die länderübergreifende Unterschiede der elterlichen Erwartungen deutlich zeigte. Das war mein Startschuss für mehr Gelassenheit im Umgang mit meinem permanenten Schlafmangel und der Dauerübermüdung. Hätte ich das womöglich eher schaffen können? Damit ihr es vielleicht ein wenig leichter habt, die Nächte durchzumachen, teile ich mit euch zwei der Gedanken, die mir dabei geholfen haben, die Dinge anzunehmen, wie sie sind:

1. Ich darf mein Kind in den Schlaf begleiten. Es ist an mir, für mein Baby einen geschützten, geborgenen Rahmen zu schaffen, in dem es Ruhe finden kann. Danach geht es nicht ums Müdemachen oder darum, das Einschlafen durch irgendwelche Aktionen zu beschleunigen. Es geht ums liebevolle, aufmerksame Begleiten des Babys. Wie so oft im Leben mit Kindern.

2. Alles eine Frage der Erwartung. Nur in Österreich und Deutschland erwarten Eltern, dass ihre Kinder mit etwa sechs Monaten mindestens 8 Stunden am Stück schlafen. In anderen Ländern – hier können wir uns vor allem von südlicheren Gegenden dieser Welt ein Stück abschneiden – wird es als vollkommen normal erachtet, wenn Kinder auch mit drei oder gar vier Jahren nachts aufwachen. Je naturverbundener und ursprünglicher eine Kultur anmutet, desto gelassener scheint ihr Umgang mit dem Babyschlaf.

Ich denke, sich das vor Augen zu führen, kann dabei helfen, achtsamer mit unserem wertvollen Jetzt umzugehen. Wir sollten daran denken: Die Tage, in denen wir mit unseren Kindern nachts wachen dürfen, sind begrenzt.

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