Im Gespräch mit einer Hebamme – Teil 1

„Eine Geburt ist immer beeindruckend“

09.Okt 2017

Jasmin Fotouri ist seit 2001 Hebamme und ausgebildet im Family Counseling bei Jesper Juul. Sie arbeitet im Kreissaal, bietet Vor- und Nachbetreuung an, und hält Vorträge im Wiener Hebammenzentrum. Ihre Vorträge sind Dialoge mit der Familie. Sie sagt: „Geburt ist für mich ein natürliches Geschehen. Ich bin davon überzeugt, dass der Körper jeder Frau optimal darauf vorbereitet ist und dass jede Frau die Fähigkeit besitzt, dieses Ereignis zu bewältigen. Meine Aufgabe sehe ich darin, das Vertrauen der Frauen und Familien in ihre eigene Kraft zu stärken.“ Uns hat sie Fragen rund um die Geburt beantwortet – die ersten 4 Antworten gibt es hier.

Neugeborenes Krankenhaus

Foto: Shutterstock 

1. Was war Ihr schönstes oder erstaunlichstes Erlebnis im Kreissaal? Gibt es eine besondere Erinnerung, die Sie sicher niemals vergessen werden?

JF: Eine Geburt im Kreissaal unterscheidet sich sehr von einer Hausgeburt. Als Hebamme ist da eine durchgehende Präsenz nicht immer möglich, denn es sind  auch laufend Untersuchungen mit dem CTG (Wehenschreiber) notwendig. Befunde müssen erhoben werden. Außerdem ergibt es sich meist so, dass ich im Krankenhaus mehrere Frauen parallel zu betreuen habe. Erstaunlich ist für mich immer wieder der Moment, in dem während des „Ringens“ in der Austreibungsphase eine sehr spezielle, beglückende Kraft den Raum erfüllt. Optimal ist, wenn die Frau sich dabei nicht zurückhält.

Eine besondere und unvergessliche Erinnerung habe ich an eine Hausgeburt, wo die gebärende Frau über mehrere Stunden immer wieder in ihrer kleinen Wanne war. Diese Geburt verlief sehr ungestört. Die Frau war sehr in sich ruhend, und ich konnte sie mit nur wenigen Untersuchungen begleiten. Das Schöne daran war, dass ich auf ihre momentanen Bedürfnisse „hören“ konnte. 

2. Was ist Ihrer Ansicht nach die wichtigste Aufgabe als Hebamme?

JF:  Ich sehe meine Arbeit als Führung während des Geburtsvorgangs. Hebammen üben eigentlich eine didaktische Tätigkeit aus. Ich glaube das Wichtigste ist, die Frau einfach zu lassen und zu beobachten, was sie im Moment braucht. Das bedeutet zum Beispiel, sie zu stärken, sobald Ängste auftauchen. Natürlich ist auch das medizinische Wissen sehr wichtig. 

3. Wie können sich Mütter auf die Geburt vorbereiten? Was gehört zu den absoluten Must Do’s?

JF: „Lass´ es dir gutgehen!“ Das würde ich jeder Frau empfehlen. Und das ist ganz einfach für jede Mama in spe unterschiedlich. Es ist schön , dass es viele Möglichkeiten gibt. Aber während die Einen gerne viele Angebote zur Geburtsvorbereitung in Anspruch nehmen, kann das  für die Anderen eher belastend sein. Und sogar zu einer Überforderung führen. Deshalb ist mein Tipp: „Schau´ was du brauchst.“ Das ändert sich im Lauf der Schwangerschaft und ist sehr vielfältig. Wichtig ist die persönliche Beratung. Selbst wenn es tolle Blogs und Infos online zu lesen gibt. Dieses Wissen ersetzt keinesfalls ein persönliches Gespräch. Man kann eigentlich nur die Rahmenbedingungen für eine Geburt schaffen. Die Geburt selbst, kann man nicht beschreiben, oder etwas vorwegnehmen. Da bin ich vielleicht mit meiner Herangehensweise nicht gerade „trendy“. 

4. Mit welchen speziellen Fragen wenden sich werdende Mütter an Sie?

JF: Schwanger sein ist heute fast wie ein „Full-Time-Job“. Frauen sollten demnach schon sehr früh wissen, was in jeder Phase der Schwangerschaft zu tun ist. Dadurch entsteht ein gewisser Druck und viele werdende Mütter sind verunsichert. Die häufigsten Fragen sind:

  • Die Frage nach dem Geburtsort, also: Wo kann ich mein Kind zur Welt bringen? Wann muss ich mich dafür anmelden?
  • Was ist während der unterschiedlichen Phasen der Schwangerschaft zu tun?
  • Welche Methoden der Pränatal Diagnostik gibt es? Welche davon sind notwendig?
  • Wie kann ich mich auf die Geburt vorbereiten? Wie kann ich mit den Schmerzen bei der Geburt umgehen? Oder auch als Beispiel: Wie kann ich einem Dammriss vorbeugen?

 

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