Karenz: Erziehungszeit und Elterngeld in der Schweiz

Die 4 wichtigsten Fragen zum Thema

16.Jun 2017

In der Schweiz ist der Mutterschaftsurlaub wie in Deutschland und Österreich gesetzlich verankert. Er ist als Schutzzeit für erwerbstätige Mütter zu verstehen und beläuft sich auf insgesamt 14 Wochen (98 Kalendertage). Erwerbstätige Frauen erhalten 80 % ihres bisherigen Lohns in Form von Taggeldern. Höchstens aber CHF 196 pro Tag. Allerdings beginnt der Mutterschaftsurlaub in der Schweiz erst ab der Geburt des Kindes. Darüber hinaus sind die jeweiligen kantonalen Bestimmungen zu berücksichtigen.

Nach Ablauf dieser Zeit beginnt die Elternkarenz. Nun beginnt der Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung. Sie ist als unabhängige Versicherungsleistung aus der ALV-, Kranken-, Unfallversicherung oder einer anderen Sozialeinrichtung zu verstehen. Die Elterngeldzahlung geht also über die Zeit des Mutterschutzes hinaus. 

 

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Was ist das Elterngeld in der Schweiz?

Für das Elterngeld erfüllen alle Frauen die Voraussetzung, die in der Schweiz ihren Wohnsitz haben oder in der Schweiz arbeiten. Als Anspruchsberechtigte musst du vor der Geburt 9 Monate im Sinne des AHV-Gesetzes versichert gewesen sein. 5 Monate davon musst du erwerbstätig gewesen sein, unabhängig von der Höhe des Arbeitspensums. Aufgrund aktueller Abkommen der Schweiz mit der EU und der EFTA, werden dort zurückgelegte Versicherungszeiten ebenfalls angerechnet. 

Wo stelle ich einen Antrag für das Elterngeld?

Als Angestellte kannst du diese Leistung direkt über den Arbeitgeber beantragen. Oder du stellst den Antrag schriftlich, über das Internet oder direkt bei einer Elterngeldstelle. Zur Vorsprache an der AHV-Ausgleichskasse unbedingt mitzubringen sind dein Personalausweis und die Nachweise zum Einkommen der letzten 12 Monate der Eltern. Die Höhe des Elterngeldes kommt aber auf weitere Faktoren an. Die Anzahl aller Kinder, sowie deren Alter ist ein weiterer Faktor für die Höhe des Elterngeldes. Außerdem ist anzugeben, ob du alleinerziehend bist. Falls du nach der Geburt der Kinder arbeiten möchtest, muss auch dieses Einkommen angegeben werden. Der ungefähre Gesamtbetrag kann mithilfe eines Elterngeldrechners online berechnet werden. 

Wie lange kann in der Schweiz die Elternzeit dauern?

In der Schweiz richtet sich die Dauer der Elternzeit nach der Mutterschaftsversicherung und nach den jeweiligen Arbeitsplätzen. Erst 2010 kam es zu einem Bericht von der Eidgenössische Koordinationskommission für Familienfragen (EKFF) über die mangelnden Möglichkeiten für die Kinderbetreuung beider Elternteile. Um bei ihren Kindern zu sein, bleiben nämlich viele Mütter in der Schweiz nach der Geburt ihres Kindes länger und ohne Einkommen zu Hause.  Oder aber, sie reduzieren langfristig ihre Arbeitszeit. Sie verzichten dadurch natürlich auch auf ihre Karrieremöglichkeiten. In manchen Fällen sogar auf die gesetzlich verankerte Arbeitsplatzgarantie. 

Gibt es Vaterzeit in der Schweiz?

Väter, die gern mehr sein wollen als Freizeitväter haben es in der Schweiz nicht leicht. Sie verzichten meist auf die Betreuung ihrer Kinder, denn es gibt noch keine gesetzlichen Regelungen zum Thema Vaterschaftsurlaub. Viele Väter arbeiten sogar nach der Geburt ihrer Kinder mehr, um Einkommensverluste auszugleichen. Für beide Partner kann das zu einer belastenden Situation werden. Ein Betreuungs-Modell über 24 Monate, das auch Vätern entgegenkommt, wurde deshalb aktuell von der EKFF vorgeschlagen. Im schweizerischen Parlament wird aktuell über einen nach Erwerbsersatzordnung bezahlten Vaterschaftsurlaub beraten.

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