Adoptivkinder stillen

Geht das?

19.März 2020
Deutsch

Eltern von Adoptivkindern wollen natürlich alles tun, damit es dem Superwunschkind gut geht – und stillen ist eindeutig das Beste für ein Baby. Aber geht das ohne vorangegangene Schwangerschaft?


Foto: Shutterstock
 

Die Vorteile des Stillens von Adoptivkindern

Dass sich die Mühe lohnt „aus dem Nichts“ eine Stillbeziehung zu einem adoptierten Kind aufzubauen, zeigen die vielen Vorteile des Stillens:

  • Unterstützung des Immunsystems
  • Senkung des Allergierisikos
  • Bindungsförderung durch Hautkontakt
  • Formung des Gaumens und Kiefers
  • Weniger Kosten für Flaschennahrung

 

Stillen ohne Schwangerschaft: Die induzierte Laktation

Wird die Milchbildung (=Laktation) ohne vorangegangene Schwangerschaft gestartet, spricht man von der „induzierten Laktation“. Es gibt wenig Literatur dazu und auch wenige gut dokumentierte Fälle, möglich ist es aber. Auch hier regelt die Nachfrage die Produktion, d.h.: durch Saugen und/oder Pumpen wird der Milchfluss angeregt bzw. gesteigert.

Auf alle Fälle ist eine gute Stillberatung und -begleitung von Fachleuten sinnvoll. Wende dich dazu an eine Stillberatung in deiner Nähe. Ein Verein mit viel Erfahrung ist die La Leche Liga, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Netzwerk von Beraterinnen hat.

 

Voraussetzungen für das Stillen eines Adoptivkindes:

  • das Kind sollte möglichst jung sein – jedenfalls unter 5-6 Monaten
  • viel Geduld
  • anfangs Kombination aus Milchersatzpulver und Stillen
  • ev. mit spezieller Ausrüstung wie einem Brusternährungsset

Sei jedenfalls nicht enttäuscht, wenn es bei euch nicht gelingt, eine volle Milchproduktion zu erreichen. Das ist ohne Schwangerschaft einfach wirklich schwer möglich. Eine liebevolle „Teilzeit-Stillbeziehung“ ist aber machbar und genau so ein wundervolles Erlebnis für Mutter und Kind.

 

So kann es gelingen:

  • Je öfter gesaugt oder gepumpt wird, desto mehr Milch wird gebildet (die Häufigkeit ist dabei wichtiger als die Dauer!*)
  • Sollte der Zeitpunkt der Ankunft des Kindes bekannt sein, kann schon vorher mit der Pumpe begonnen werden, die Milchproduktion anzuregen. Dazu mehrmals täglich 3-5 Minuten pumpen. Dauer und Häufigkeit sollten langsam gesteigert werden. Wichtig ist die Regelmäßigkeit – es kann 2 bis 6 Wochen dauern, bis die Brust mit der Milchproduktion startet.
  • Es kann sein, dass das Kind erst langsam an das Stillen gewöhnt werden muss, wenn es bisher die Flasche bekam – auch hier ist eine professionelle Beratung absolut empfehlenswert.
  • Zuerst stillen, dann zusätzliche Nahrung geben
  • Am besten mit einem Brusternährungsset Pre-Milch anbieten
  • Führe Buch über die Menge der Zusatznahrung
  • Die Phase sollte unbedingt unter ärztlicher Aufsicht mit regelmäßigen Gewichtskontrollen stattfinden. Beobachte, auf wie viele nasse Windeln ihr an einem Tag kommt und besprich die Menge mit Arzt bzw. Ärztin oder der Stillberaterin.
  • Manchmal wird eine Unterstützung mit Medikamenten empfohlen – sprich über Möglichkeiten und Risiken mit deinem Arzt oder deiner Ärztin.

Eine weitere, etwas einfachere Möglichkeit um Adoptivkinder zu stillen ist die „Relaktation“: hier wird nach einer Stillpause der Milchfluss wieder zum Laufen gebracht. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn ein (Adoptiv-)Geschwisterchen vorher gestillt wurde. Die Vorgehensweise ist aber grundsätzlich gleich wie oben beschrieben.

Bei dieser besonderen Art von Stillbeziehung kommt es übrigens weniger darauf an, wirklich möglichst voll zu stillen – viel wichtiger sind schöne Stillmomente für Mutter und (Adoptiv-)Kind. Genießt sie!

 

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Quellen:
https://www.mabuse-verlag.de/chameleon/public/fd865213-06ef-b6a2-b80b-92a65de5097b/196_Herrmann_Adoptivkinder-stillen.pdf
https://www.kinderwunschzentrum.at/wp-content/uploads/sites/15/2016/02/Adoptivstillen.pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/Induzierte_Laktation

*Das Handbuch für stillende Mütter, S. 271, La Leche League Schweiz, Zürich, 3. Ausgabe 2008

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