Alleine spielen? Na sicher!

Ab wann sich Babys selbst beschäftigen – und wie

10.Nov 2019
Deutsch

Die gute Nachricht für erschöpfte Eltern: Babys können auch alleine spielen. Die eventuell nicht ganz so erfreuliche: meistens nicht auf die Art und Weise und so lange, wie man sich das vielleicht wünscht. Länger als einige Minuten ist das auch bei einem mehrere Monate alten Baby nämlich eher selten der Fall. Und was „spielen“ eigentlich bedeutet, sehen die Kleinen und die Großen mitunter sehr unterschiedlich: Was ein Kind als wundervolle Beschäftigung erachtet, verbucht der Erwachsene womöglich eher unter „Unfug machen“. Aber woher soll man als Baby wissen, dass das Ausräumen der Bücher aus dem Regal nicht „spielen“ ist?


Foto: Shitota on Unsplash
 

Warum Spielen wichtig ist.
Tatsache ist: das selbstständige Spielen ist wichtig für die kindliche Entwicklung und sollte gefördert werden. Für Kinder ist Spielen schließlich gleichzusetzen mit Lernen. Außerdem erleichtert es natürlich den Betreuungspersonen langfristig das Leben. Spielen hat anfangs nur einen Zweck: die Welt, ihre Funktionsweisen und Gesetzmäßigkeiten zu erkunden. Dinge, die für uns eine Selbstverständlichkeit sind, gilt es für das Baby erst zu entdecken. Wie zum Beispiel die Schwerkraft. Oder was passiert mit einem Stück Stoff, das man in den Mund nimmt? Wie fühlen sich Papier, Metall und Holz an? Was macht der Löffel, den man fallen lässt? Die größte Schwierigkeit beim Spielen besteht demnach anfangs eher darin, dass es ein Missverständnis darüber gibt, was spielen bedeutet. Du singst beim Wickeln ein Lied, wanderst mit den Fingern über den Bauch oder kitzelst die Füße? Das perfekte Babyspiel! Du darfst die Erwartungshaltung an dich und die Spielzeugindustrie in den ersten Wochen und Monaten also ruhig ganz weit zurückschrauben. Dein Kind wird dich dafür lieben – ihm reicht erst einmal deine Stimme, dein Gesicht und deine Zuwendung.

Worauf ist beim Alleine-Spielen zu achten?

Babys brauchen Nähe. 
Das heißt am Anfang mit Köperkontakt, aber je besser das Sehvermögen wird, desto weiter kann die Bezugsperson auch weg sein: sie sollte anfangs nur im gleichen Raum sein. Babys brauchen die Anwesenheit „ihrer“ Personen, sonst kommt es zur Trennungsangst. Ab dem 4. Monat kannst du anfangen, den Raum kurz zu verlassen um deinem Kind beizubringen, dass es keine Angst haben muss und es sich darauf verlassen kann, dass du immer wieder zurückkommst. Protestiert dein Kind, kannst du auch aus dem anderen Zimmer mit ihm sprechen und ihm so die Sicherheit geben, dass „Aus den Augen“ nicht bedeutet, dass es ganz alleine ist. Spätestens wenn du beginnst, dein Kleinkind wirklich kurz unbeobachtet zu lassen, ist eine sichere Umgebung besonders wichtig. Begib dich auf den Boden und scanne das Zimmer nach möglichen Gefahrenquellen wie Kabel, Schnüre, Steckdosen, ungesicherte Regale, schwere Gegenstände, die kippen können etc. Vor allem offene Fenster sind immer noch eine große Gefahrenquelle – auch für Krabbelkinder, die sich plötzlich wo hochziehen können.

Die Welt aus Babys Augen sehen.
Wie schon erwähnt, suchen sich Kleinkinder in unseren Augen oft seltsames „Spielzeug“ aus. Haushaltsgegenstände, mit denen auch die Großen hantieren, sind nun einmal viel spannender als alles, was die Spielzeugabteilung hergibt – zumindest in den ersten Monaten. Genieße es und teile deinen Kochlöffel, Schneebesen und Co. lächelnd mit deinem Kind! So schnell geht nichts kaputt. Du hast alte Töpfe oder Tupper-Geschirr mit verschiedenen Deckeln? Perfekt! Achte einfach darauf, dass das Material nicht zerbrechlich ist, sauber ist und keine scharfen Kanten hat, denn Babys nehmen wirklich alles in den Mund.

Weniger ist mehr.
Dein Baby braucht anfangs nicht viel, um zu spielen. Es reichen 2-3 Gegenstände. Zu viel Angebot führt eher zur Überforderung. Außerdem bringt die kleine Auswahl eine größere Abwechslung. Die Sachen werden nach dem Spiel wieder weggeräumt und das nächste Mal kommt ein neues Ding zum Erkunden dran – auf diese Art gibt es nicht jeden Tag alles zur Auswahl, aber gefühlt öfter etwas Neues.

Einfach mal machen lassen.
Passend zum oberen Punkt: lass dein Kind einfach in Ruhe tun, wenn es sich selbst beschäftigt. Auch wenn die Beschäftigung nur ist, einen Deckenzipfel zu erkunden. Ungestörte Momente für sich und die Möglichkeit, sich voll und ganz einer Sache zu widmen, ist jede Menge wert. Dein Kind lernt so auch, sich auf eine Sache zu konzentrieren – spätestens in der Schule wird es davon profitieren. Es gibt aber durchaus Kinder, die sich erst einmal schwertun, alleine zu spielen. Auch hier kannst du helfen: fangt gemeinsam zu spielen an. Sobald sich dein Baby alleine mit etwas beschäftigt, bleib in der Nähe, mach aber etwas Anderes. Du musst auch nicht bei jedem Mucks zur Hilfe eilen - Babys haben noch keine „Gefühlsfilter“ sie lachen in einer Sekunde und weinen in der nächsten. Und umgekehrt. Gib deinem Kind also erst einmal die Chance, mit einer Situation alleine zurecht zu kommen. Zum Beispiel, wenn ein Lieblingsspielzeug davonkullert. Solche kleinen Herausforderungen sind es nämlich oft auch, die zu neuen Entwicklungssprüngen führen und die nötige Motivation sind, sich zum Beispiel umzudrehen, zu robben oder zu krabbeln.

Nicht zu viel erwarten.
Unter einem Jahr ist es völlig normal, dass Kinder „nur“ 5-10 Minuten alleine spielen. Das steigert sich bis zum Alter von 3 Jahren auf eine halbe Stunde. Mach einfach das Beste draus: leg die Beine hoch und genieße die Zeit – 10 Minuten in aller Ruhe zu entspannen kann manchmal wahre Wunder bewirken …

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