Alles angeboren – Mädchen und Jungen ticken anders

Blog Gastartikel: Mama Rocks

12.Feb 2019
Deutsch

Lange konnte sie sich nicht vorstellen, dass es angeboren sei, dass sich ein Baby für Autos interessieren könne. Bis ihr Sohn zielgerichtet zum Bobbycar krabbelte: Gastbloggerin Deborah vom Blog Mama Rocks erzählt, wie sie mit ihrer geschlechtsneutralen Erziehung grandios gescheitert ist.

Alles angeboren – Mädchen und Jungen ticken anders

Foto: mama rocks

Bevor wir Kinder hatten, wussten wir, dass wir unsere Kinder nach ihren Fähigkeiten und Interessen fördern wollten, statt sie in ein Geschlechterklischee reinzupressen. Autos und Dinosaurier für Buben? Puppen und Prinzessinnen für Mädchen? Das kann doch nicht wirklich sein, oder?

Und so kauften wir farbneutrale Kleidung und geschlechtsneutrales Spielzeug. Schon bei meinem ersten Kind, einem Mädchen, merkte ich, dass neutrale Kleidung nur beschränkt Spaß macht. Ich vermisste nicht unbedingt das Rosa, doch aber die Rüschen, Spitzenkragen und Schleifen. Und so beschloss ich, unsere Tochter feminin zu kleiden, ohne sie jedoch gleich wie eine explodierte Zuckerwatte ausschauen zu lassen. Experiment Kleidung ist also schon beim ersten Kind gescheitert.

Die Idee des geschlechtsneutralen Spielzeuges verfolgten wir jedoch noch lange. Bei uns zu Hause war viel Holz zu finden, oft bunt, manchmal monochrom, manchmal pastellfärbig. Ganz viel Plüsch natürlich auch. Und unsere Tochter mochte ihren Spielbogen, ihre Rasseln, ihre Tierbücher. Bis sie in der Kita Puppen entdeckte. Es war der Beginn einer ganz grossen Liebe.

Nach ersten Trenn-Dramen in der Kita wurde uns schnell klar, dass wir auch zu Hause nicht mehr auf Puppen verzichten konnten. Zuerst brachte sie unsere Tochter zu Bett. Danach fuhr sie sie im Puppenbuggy herum. Inzwischen spielt unsere nun Dreijährige ihr komplettes Leben mit Puppen nach – sie füttert sie, kleidet sie, wickelte sie, badet sie und spielt das Morgenritual der Kita nach.

Und ihr Bruder? Ja, der stellte uns nochmal vor ganz andere Herausforderungen. Beim Kleiderkauf störte ich mich ab der vielen Auto- und Traktorenmotive. Das passte so überhaupt nicht zu unserer Familie. Zu uns, die wir sogar autofrei leben. Wer um alles in dieser Welt kam nur auf die Idee, dass Jungs ausschließlich Traktorenbodys und Autohosen tragen müssen?

Offenbar jemand, der Jungs gut kennt. Lange Zeit war das einzige Auto in unserem Haus ein Bobbycar, für das sich unsere Tochter übrigens nie interessierte. Ganz anders der kleine Bruder: Kaum war er mobil, krabbelte er zum roten Auto, zog sich daran hoch und schob es herum. Auch wenn wir auswärts unterwegs waren, zogen Rollen den Kleinen magisch an. Er quietscht vor Freude, wenn er Züge sieht und stiehlt anderen Jungs jeweils die Spielzeugautos.

Und so mussten wir lernen, dass gewisse Dinge wohl doch nicht unbedingt an der Erziehung liegen. Ganz zum Schluss muss aber noch erwähnt werden, dass unsere Kinder auch gemeinsame Interessen haben: Tiere und Baustellen finden beide super.

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