Alles rund ums Wochenbett

Die aufregende Zeit nach der Geburt

06.Feb 2020
Deutsch

Endlich ist das Baby da! Und alles ist anders. Die ersten 6-8 Wochen werden darum nicht umsonst selbst in unserem Wortschatz als besondere Zeit abgegrenzt: mit dem Ende der Geburt beginnt das Wochenbett. In dieser Zeit ist die Mutter in vielen Ländern rechtlich speziell geschützt. Früher bezeichnete man Frauen in diesem Zeitraum als „Wöchnerin“. Warum diese Phase so besonders ist, was sich körperlich verändert, worauf bei der Hygiene zu achten ist und einiges mehr zeigt dir unser Wochenbett-Überblick.

Körperliche Veränderungen im Wochenbett

Die Brust stellt von der Produktion des Kolostrums (Vormilch) auf das „normale“ Stillen um. Der sogenannte Milcheinschuss beginnt – und damit jede Menge Veränderungen. Die Brust wird größer, voller und kann schmerzen. Das Anlegen des Säuglings signalisiert dem Körper der Mutter aber nicht nur, dass die Milchproduktion gestartet werden soll. Es sorgt auch dafür, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht. Stillen fördert also die Rückbildung nach der Geburt und kann helfen, die Blutungen zu reduzieren. Nachwehen können anfangs vor allem beim Anlegen stärker auftreten. Auch sie sind ein Zeichen für die Rückbildung und das Zusammenziehen der Gebärmutter. Frauen, die bereits Kinder geboren haben, spüren die Nachwehen manchmal stärker als Erstgebärende.

Der Wochenfluss (Lochien) nach der Geburt begleitet die Heilung der Gebärmutter: mit dem Abgang der Plazenta und der Nachgeburt ist eine große Wunde entstanden, die im Verlauf des Wochenbetts geschlossen wird.

Der Hormonhaushalt stellt sich wieder komplett um. Das kann bei manchen Frauen zu starken Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen führen. Nicht umsonst wird diese Zeit auch manchmal als „Babyblues“ beschrieben. Bis zu einem gewissen Grad ist die labile Gemütslage völlig normal. Zeigen sich aber deutliche Zeichen einer depressiven Verstimmung, sollte ärztlicher Rat eingeholt und/oder eine Hebamme kontaktiert werden. Das gilt besonders dann, wenn sich die Mutter nicht in der Lage sieht, sich um das Baby zu kümmern. Die wechselnden Hormone können außerdem zu Haarausfall und Schweißausbrüchen führen. Das ist unangenehm, gibt sich aber im Lauf der Zeit meist wieder.

Wer das neue Glück genießen kann, erlebt die schöne Zeit des ersten Kennenlernens, das langsame Einpendeln eines Rhythmus von Stillen und Schlafen sowie das Bonding zwischen Eltern und Kind.

Manche Frauen leiden nach der Geburt übrigens an Wassereinlagerungen. Diese bilden sich schon während der Schwangerschaft, können nach der Geburt allerdings mehr werden und sich speziell in den Beinen zeigen. Sie vergehen in der Regel von selbst wieder, frage bei Unsicherheiten aber jedenfalls Arzt, Ärztin oder Hebamme. Nimm keinesfalls auf eigene Faust entwässernde Mittel – diese können den empfindlichen Elektrolythaushalt stören, was in dieser körperlich ohnehin schon belastenden Zeit nicht hilfreich ist.

Geburtsverletzungen können unterschiedlich stark ausfallen – oder gar nicht auftreten. Je nachdem ob es zu Scheidenriss, Dammriss oder Abschürfungen der Schamlippen gekommen ist, können Schmerzen auftreten. Musste ein Riss genäht werden, kann die Narbe ziehen. Dagegen gibt es verschiedene Mittel und Methoden zur Linderung – sprich am besten mit einer Hebamme, Ärztin oder einem Arzt darüber.

Ein Tabuthema aber häufig auftretendes Phänomen im Wochenbett sind Hämorrhoiden und Analvenenthrombosen nach der Geburt. Durch den starken Druck auf den Beckenboden, das lange und heftige Pressen sowie eine generell schlechtere Durchblutung des Gewebes in der Schwangerschaft neigen viele Frauen zu diesen Problemen. Hämorrhoiden sind kleine Ausstülpungen aus dem After die oft unangenehm jucken. Analvenenthrombosen zeigen sich als schmerzhafte Knubbel rund um den Anus. Auch hier gilt: quäle dich nicht unnötig, sondern hole dir Rat von medizinischem Fachpersonal und Hebammen.

Der Beckenboden ist durch Schwangerschaft und Geburt stark belastet worden – umso mehr Ruhe und Schonung braucht er nun anfangs. Hebe keinesfalls schwer und liege viel. Nach einiger Zeit kannst du mit leichten Übungen anfangen, die Rückbildung und den Wiederaufbau der wichtigen Muskulatur zu fördern. Viele Krankenhäuser bieten Rückbildungskurse an. Nach etwa einem Monat sind viele Mütter bereit, daran teilzunehmen. Bist du dir unsicher, ob du körperlich schon fit genug bist, hole dir ein ärztliches OK bei einer Nachsorgeuntersuchung. Auch Hebammen können dir weiterhelfen.

 

Hygiene im Wochenbett und beim Wochenfluss

In den ersten Wochen nach der Geburt sind Frauen besonders anfällig für Infektionen – schließlich ist durch die Geburt eine offene Wunde im Körper entstanden. So sieht die richtige Hygiene im Wochenbett aus:

  • Keine Tampons verwenden.
  • Binden bzw. Vorlagen häufig wechseln, da sich schnell Keime bilden.
  • Tolerantere Empfehlungen lauten: Geschlechtsverkehr erst nach frühestens 2-3 Wochen und solange der Wochenfluss anhält nur mit Kondom, um keine Keime in die Gebärmutter zu bringen. Konservativer Weise wird sogar empfohlen, für die Dauer des Wochenbetts völlig auf Geschlechtsverkehr zu verzichten.
  • Duschen statt in der Wanne baden.
  • Häufiger mit purem Wasser waschen.
  • Keine reizenden Seifen oder Duschgels verwenden.
  • Um Narben im Intimbereich beim Abtrocknen nicht zu reizen und dennoch schön trocken zu halten, kann man diese nach dem Duschen auch vorsichtig lauwarm föhnen.
  • Manche Hebammen empfehlen spezielle Sitzbäder, um die Heilung zu fördern und das Gewebe zu pflegen.
  • Handtücher, vor allem für den Intimbereich und die Hände, öfter wechseln.

 

Rechtliches rund um das Wochenbett

In Deutschland und Österreich regelt das Mutterschutzgesetz die Zeit nach der Geburt. Es herrscht ein absolutes Beschäftigungsverbot für 8 Wochen. Die Mutter erhält meist Geld von der Krankenkasse. In der Schweiz ist ein 8-wöchiges Beschäftigungsverbot sowie eine Lohnfortzahlungspflicht im Arbeitsgesetz festgehalten.

Details zu Mutterschutz, Wochengeld und mehr bieten die österreichische Arbeiterkammer und das deutsche Familienministerium.

 

Hebammenbetreuung im Wochenbett

Hebammenhilfe ist im Wochenbett für viele Frauen eine enorme Hilfe – physisch wie psychisch. Die Erfahrung von Hebammen ist übrigens nicht nur für die Mutter, sondern oft auch für den Vater immens wertvoll, schließlich begleitet sie die frisch gebackenen Eltern emotional mit Rat und Tat auf der spannenden Reise in einen neuen Lebensabschnitt. Die Hebamme kann außerdem einige Untersuchungen beim Neugeborenen bei ihren Hausbesuchen durchführen, was umständliche Arztbesuche vermeidet. In Deutschland und Österreich haben Frauen übrigens Anspruch auf Hebammenbetreuung. Die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Für Österreich findest du eine tolle Übersicht über die mögliche Hebammenbetreuung auf dieser Seite.

Die aktuellen Regelungen (Stand 12/2019) für Deutschland findest du hier.

 

Wochenbett nach einem Kaiserschnitt

Im Grunde gelten dieselben Dinge wie nach einer Spontangeburt. Wochenfluss, Milcheinschuss und Co. laufen genauso ab. Es kann nach einem Kaiserschnitt zu Verzögerungen beim Milcheinschuss kommen. Einziger sicherer Unterschied ist, dass die Kaiserschnittnarbe ebenfalls berücksichtigt werden muss. Wie die Pflege aussieht, erfährst du bereits im Krankenhaus bzw. lass dich dazu sofort im Spital beraten. Achte bei Slips darauf, dass sie nicht auf die Narbe drücken oder reiben um die Heilung nicht zu stören. Die Kaiserschnittnarbe kann mehrere Wochen schmerzen. Solltest du Schmerzmittel benötigen, lass dich ärztlich beraten, welche Still-verträglichen Möglichkeiten es gibt.

Mit der Rückbildungsgymnastik muss nach einem Kaiserschnitt meistens etwas länger gewartet werden. Der Kaiserschnitt ist zwar ein Standard-Eingriff, aber mit einer großen OP vergleichbar, bei der Haut und Muskulatur des Unterbauches durchtrennt werden – entsprechend lange dauert die vollständige Heilung und Belastbarkeit.

 

Nach dem Wochenbett

Die Umstellungen des Körpers sind auch nach dem Wochenbett nicht abgeschlossen. Der Körper hat sich im Lauf von 9 Monaten Schritt für Schritt umgestellt. Mindestens genauso lange dauert es, bis er sich wieder umgestellt hat. Gib dir und deinem Körper Zeit dafür und sei nicht verwundert oder enttäuscht, wenn dir anfangs noch öfter die Puste ausgeht – deine Power kommt garantiert wieder!

 

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Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wochenbett
https://www.hebammenverband.de/familie/hebammenhilfe/#c11721
https://www.netdoktor.at/familie/geburt/wochenbett-6688207
https://www.hebammen.at/eltern/wochenbett/
Foto: Shutterstock

 

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