Beckenboden stärken: Warum es so wichtig ist

Blog Gastartikel Mini and Me

02.Jul 2017
Deutsch

Gastbloggerin Jeannine von Mini and Me widmet sich in diesem Artikel dem Thema Beckenboden. Und schildert uns, warum wir Frauen das Training dieses Körperteils keinesfalls vernachlässigen sollten. 

Beckenboden stärken: Warum es so wichtig ist

Foto: © Mini and Me

Unser Beckenboden ist etwas ganz Tolles. Er „hält alles zusammen“ – im wahrsten Sinne des Wortes. Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass der Beckenboden nur während und nach der Schwangerschaft eine Rolle spielt bzw. gestärkt werden sollte. Es stimmt, dass es in dieser Zeit besonders wichtig ist, sich um diese Muskelgruppe zu kümmern. Ein starker Beckenboden beugt aber in jeder Lebensphase Inkontinenz oder einer Gebärmuttersenkung vor. Kann man ihn bewusst kontrollieren, also auf Wunsch an- und entspannen, hat das auch beim Sex seine Vorteile. Angeblich haben Frauen mit einem starken Beckenboden häufigere und intensivere Orgasmen. Eigentlich wäre das ja schon Grund genug, ihm die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die er verdient. 

In der Schwangerschaft soll der Beckenboden einerseits stark genug sein, um die Gedärme und die in der Schwangerschaft wachsende Gebärmutter zu stützten. Andererseits soll er während der Geburt elastisch genug sein, um „nachzugeben“ und so Babys Weg zu bereiten. Grundsätzlich lässt sich der Beckenboden zum Glück ganz unauffällig und jederzeit trainieren. Ihn anzuspannen, um nach kurzem Halten wieder zu entspannen, ist schon ein guter Anfang. Als würde man den Urinstrahl unterbrechen wollen. Legt man sich mit angewinkelten Beinen auf den Rücken und stellt sich dann vor, man möchte das Steiß- mit dem Schambein zusammenbringen, spannt man die richtigen Muskeln an. Fünf Sekunden halten, dann langsam lösen. Möchte man das gezielter machen, eignet sich die „Fahrstuhlübung“. Man stellt sich dafür vor, dass der Fahrstuhl im Erdgeschoß ist. Durchs Anspannen des Beckenbodens möchte man ihn in den ersten Stock heben. Die Spannung wird also stärker und tiefer. Man verweilt kurz, lässt den Fahrstuhl durchs langsame Entspannen dann wieder ins Erdgeschoß hinab und löst die Spannung schließlich ganz.

Während meiner Schwangerschaft empfahl meine Hebamme das Training mit dem Epi-No Delphine: ein kleiner Ballon, der im Inneren der Scheide „aufgepumpt“ wird. Die Muskulatur wird dadurch sanft gedehnt und elastischer. Führt man den Ballon nur ein, ohne ihn aufzupumpen, kann der Beckenboden durch Anspannen und Loslassen trainiert werden. Die Beckenbodenmuskulatur wird so gestärkt und Dammrisse während der Geburt seltener. Das Training war eine spannende Erfahrung für mich. Mit dem Epi-No hat man die Möglichkeit, den ausgeübten Druck zu messen und auch festzuhalten, wie weit gedehnt werden konnte. So sieht man, wie viel auf Babys Köpfchen noch fehlen würde. Den aufgeblasenen Ballon hinausgleiten zu lassen ähnelt angeblich jenem Gefühl, das man bei der Geburt des Köpfchens hat.

Nach der Geburt ist es wichtig, den Beckenboden zu schonen. Dabei ist es egal, ob vaginal oder per Kaiserschnitt entbunden wurde. Hebammen können zeigen, wie man beckenbodenschonend aufsteht, das Baby hält und auf die Toilette geht. Fühlt man sich fit genug, kann man bereits kurz nach der Geburt mit einfachen Atemübungen den Beckenboden sanft kräftigen. Ich weiß noch, wie ich im Wöchnerinnenbett am Rücken lag und nur durchs Strecken und zu mir Ziehen der Zehen schon langsam trainierte. In Rückbildungskursen lernte ich dann noch weitere Übungen kennen, die für mich und meine gesundheitliche Situation nach der Geburt passten. 

Unser Beckenboden tut sehr viel für uns. Geben wir ihm etwas davon zurück – es kann nur gut sein!

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