Beckenbodentraining

Vor und nach der Geburt

28.Feb 2020
Deutsch

Dass Beckenbodentraining wichtig ist, dürfte sich herumgesprochen haben. Wer will nach der Geburt schon an Inkontinenz leiden? Aber was ist der Beckenboden überhaupt?  Und verschont der Kaiserschnitt Frauen vor späteren Problemen? Und wie kann ein Beckenboden-Training vor der Geburt und danach aussehen?


Foto: Shutterstock

Der Beckenboden

Beim Beckenboden handelt es sich um eine Muskelgruppe, Bänder und Bindegewebe, das im wahrsten Sinne den „Boden“ der Beckenhöhle bildet. Er liegt um Vagina, Harnröhre, Blase und Anus. Der Beckenboden hat Aufgaben, die er durch Anspannen, Entspannen und Halten erfüllt. Ein schwacher Beckenboden macht zum Beispiel Probleme, weil der Harn bei Belastung (Springen oder Niesen) nicht mehr gehalten werden kann. Ein trainierter Beckenboden kann auch den Orgasmus von Frauen beeinflussen. Er verbindet Knochen im Unterleib wie Schambein und Steißbein und arbeitet außerdem eng mit der Bauch- und Rückenmuskulatur zusammen. Der Beckenboden hat dadurch Einfluss auf die Haltung und Atmung.

 

Kann ein Kaiserschnitt Probleme mit dem Beckenboden vollständig verhindern?

Nein. Der Beckenboden wird schon durch die Schwangerschaft bzw. das Gewicht des Kindes extrem strapaziert. Die Hormone in der Schwangerschaft lockern das Gewebe, d.h. Probleme mit dem Beckenboden können auch schon vor der Geburt auftreten.

Eine vaginale Geburt erhöht allerdings das Risiko einer weiteren Verletzung des Beckenbodens durch Überdehnung und Risse.

Beckenbodentraining ist darum nach jeder Art von Geburt – auch einem Kaiserschnitt – absolut ratsam. Bei einem Kaiserschnitt muss auf Grund der Verletzung bzw. OP-Wunde eventuell länger mit dem Start gewartet werden. Wann genau ist individuell unterschiedlich und sollte ärztlich abgeklärt werden.

 

Beckenbodentraining vor der Geburt

Während der Schwangerschaft muss der Beckenboden stark sein – während der Geburt aber möglichst flexibel. Eine zu stark trainierte und „harte“ Beckenbodenmuskulatur kann also leider kontraproduktiv sein. Bei vielen Geburtsvorbereitungskursen oder Yoga-Klassen ist darum das vorrangige Ziel, ein gutes Gespür für den Beckenboden zu entwickeln und das bewusste Ansteuern des Bereiches zu üben. Das Rückbildungstraining wird dadurch später erleichtert.

Das Beckenbodentraining vor der Geburt kann zum Beispiel auch daraus bestehen, den Beckenboden im Alltag immer wieder bewusst anzuspannen – und ihn damit unter anderem zu schonen. Das gilt vor allem dann, wenn schon Geschwisterkinder da sind, die getragen werden wollen. Ideal wäre es (zumindest aus Sicht des Beckenbodens), wenn überhaupt keine schweren Lasten mehr getragen würden. Das ist allerdings oft nicht sonderlich alltagstauglich. Wenn man also etwas (oder jemanden) hebt, bewusst anspannen und größere Kinder bitten, irgendwo hochzusteigen, um sie nicht von ganz unten hinauf heben zu müssen.

Übungen während der Schwangerschaft findest du zum Beispiel hier oder hier.

 

Beckenbodentraining nach der Geburt

Ganz wichtig ist, nicht zu bald nach der Geburt mit intensiven Übungen für den Beckenboden zu starten. Hier gilt der Grundsatz: das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Das Wochenbett sollte anfangs eine absolute Ruhe- und Erholungsphase sein. Zu langes Gehen, Stehen oder gar Trainieren kann dem Beckenboden in dieser Zeit schaden! Wie vor der Geburt sollten höchstens leichte Atemübungen oder sanftes An- und Entspannen im Liegen auf dem Programm stehen – am besten besprichst du dich mit einer Hebamme, einem Arzt oder einer Ärztin, was in deinem Fall wann sinnvoll ist.

Da es viele Frauen schwer finden, den Beckenboden überhaupt anzusteuern, gibt es zahlreiche „Trainingsutensilien“, die dabei helfen sollen. Zum einen gibt es eigene Geräte, zum anderen auch einfache Gewichts-Kegel, die in der Scheide gehalten werden sollen.

Am besten ist es allerdings, mit professioneller Betreuung durch Physiotherapeuten, Hebammen oder andere Fachkräfte einen Rückbildungskurs zu machen. Die betreuenden Spezialisten können nämlich auch erkennen, ob die Bauchmuskulatur überhaupt für ein Training bereit ist. Bist du dir grundsätzlich nicht sicher, ob du schon eine Rückbildung machen darfst, sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin bei einem Nachsorgetermin.

Keine gute Übung ist übrigens die alte Empfehlung, während des Urinierens den Harnstrahl immer wieder anzuhalten. Das stört das System, das zum Wasserlassen nötig ist, d.h. die Kommunikation zwischen Blase und dem vegetativen Nervensystem (dieses kann nicht willentlich gesteuert werden). Bleibt zudem Restharn in der Blase, steigt damit das Risiko für Blasenentzündungen. Einfach laufen lassen (ohne Druck!) ist also die gesündeste Methode.

 

Das könnte dich auch noch interessieren:

Babyaugen: wann steht die endgültige Farbe fest?

Wie sich Sex nach der Geburt verändert

 

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Beckenboden
https://www.gesundheitsinformation.de/beckenbodentraining.2288.de.html

Sende diese Seite an einen Freund