Behalte den Namen am besten für dich!

Blog Gastartikel: Familianistas

10.Jan 2019
Deutsch

Warum Gastbloggerin Andrea von den Familianistas findet, dass sich bei der Namensfindung für ein Kind einfach viel zu viele Leute einmischen und man den Namen erst gar nicht erwähnen sollte.

Behalte den Namen am besten für dich!

Foto: Shutterstock

Gerade läuft in den Kinos ein Film mit dem Titel „Der Vorname“. Im deutschen Remake des französischen Originals geht es darum, dass die werdenden Eltern ihren versammelten Freunden während eines Abendessens den Namen des ungeborenen Sohnes verraten: Adolf. Der Wirbel, der danach entsteht mag im Film etwas gar klamaukig rüberkommen. Dennoch habe ich im echten Leben ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn es um die Wahl des Babynamens geht. Und das auch bei viel weniger provokanten.
 

Ein paar Überlegungen, die also gemacht sein wollen

Ich kann mich gut erinnern, wie mein Mann und ich abends auf dem Sofa fläzten und uns überlegten, wie wir unseren Sohn nennen wollen. Wir besorgten uns – zumindest noch beim ersten Kind – einen Stapel Namens-Bücher und googelten Websites mit alphabetisch geordneten Verzeichnissen. Zwischendurch mussten wir immer laut lachen und uns wundern, was es da alles gibt. Auf der Recherche haben wir so einiges erfahren.

So sind etwa die Mädchennamen Jütte, Cinderella-Melodie, Schaklyn oder Klodwig tatsächlich genehmigt und schon mal vergeben worden. Und es gibt wirklich Jungs, die Matt-Eagle, Alkmund, Sultan oder Brain heißen. Mir ist schon klar, dass man als Mutter und Vater die Einzigartigkeit seines Kindes mit einem speziellen Namen unterstreichen möchte – aber es lohnt sich trotzdem, kurz zu testen, wie es sich anhört, wenn man das Kind laut beim Namen ruft (so wie man es später auf dem Spielplatz tun müssen wird), auf welche Art ihn seine Klassenkameraden später verhunzen werden, oder wie es für das Kind ist, den Namen im Erwachsenenalter zu tragen. Sich als 45-jährige Frau als „Chanelle“ vorstellen zu müssen, oder als 70-jähriger Mann als „Legolas“ könnte unter Umständen belastend sein.
 

Das ist Privatsache

Aber egal, wie exotisch die Namensliste werdender Eltern auch ausfällt, bin ich der Meinung: Sie ist einzig und allein Sache der Eltern: Privatsache. Erstaunlicherweise habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass sich, wenn es um die Namenswahl für ungeborene Babys geht, plötzlich jedermann berechtigt fühlt, seinen Senf dazuzugeben. Teilweise sogar ungefragt. In mir verkrampfte sich deshalb immer kurz etwas, wenn mir die Frage gestellt wurde „Und, habt ihr schon einen Namen?“ Das war irgendwie so, als ob man mich aus heiterem Himmel gefragt hätte: „Hast Du eigentlich starke Regelblutungen?“ oder „Wann hattet Ihr das letzte Mal Sex?“ Weil, so eine Namensfindung hat – bis zum Zeitpunkt der Geburt – doch auch etwas sehr intimes.

Wenn aber die Namens-Diskussion dann mal losgetreten ist, kann man sie kaum mehr stoppen. Weil ja jeder seine Meinung darüber kundtun muss. Der eine findet ihn ganz schlimm, weil er mal einen mit diesem Namen in der Klasse hatte, „und der war mega doof!“ Auch beliebt: „Chloé, das hört sich doch wie „Klo“ an?“ oder „Bist Du dir sicher mit Jesus, könnte das nicht ein wenig Druck auf den Kleinen ausüben?“ und so weiter. Und flugs findet man sich mitten in einer emotional geladenen Diskussion wieder, und ertappt sich dabei, wie man anfängt, den Namen gegen die Widrigkeiten zu verteidigen. Und fühlt sich persönlich angegriffen.

Darum, nochmals: Namen am besten für sich behalten, und dann alle bei der Geburt damit überraschen. Und ich kann Euch versichern: Sobald das Kindchen auf der Welt ist, wird ohnehin nicht mehr über seinen Namen diskutiert, weil das Kind diesen mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit ausfüllen wird.

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