Beikost ist doch erst der Anfang

Blog-Gastartikel Von Guten Eltern

21.Jul 2016
Deutsch

Gastautorin und Hebamme Anja vom Blog Von Guten Eltern widmet sich in ihrer heutigen Kolumne dem  viel diskutierten aber stets interessanten Thema "Beikost". 

Beikost ist doch erst der Anfang

Foto: © Von Guten Eltern 

Auch wenn das Kind noch gar nicht „beikostreif“ ist, beginnt für viele Eltern schon früh der Stress mit dem Essen. Die Beikostphase ist jener Zeitraum, in dem das Baby nach und nach von der reinen Ernährung mit Muttermilch oder Prenahrung dazu übergeht, mehr und mehr andere Lebensmittel vom Familientisch kennenzulernen. Ganz egal, ob nun zu Brei püriert oder in weich gegarter Fingerfood-Form. Wie alle Entwicklungsphasen im Babyleben beginnen diese bei jedem Kind unterschiedlich früh und dauern auch unterschiedlich lang. Genau wie beim Laufen lernen bringen Vergleiche hier wenig. Manche Kinder machen bereits mit zehn Monaten erste Schritte. Andere brauchen noch ein halbes Jahr länger dazu. Und: Die Eltern müssen ihrem Kind die Schritte nicht beibringen, sondern ihm nur den nötigen Raum dafür geben und es dabei begleiten.

Bei der Beikost sollte es ähnlich sein. Ungefähr mit einem halben Jahr weist ein Großteil der Babys die klassischen Beikostreifezeichen wie stabile Kopfkontrolle, Sitzen mit nur wenig Unterstützung im unteren Rücken oder auch die Fähigkeit sich umzudrehen auf. Auch der so genannte Zungenstreckreflex, mit dem ein Baby festere Nahrung oder einen Löffel wieder aus dem Mund schiebt, sollte nicht mehr vorhanden sein. Aufgabe der Eltern ist es nun „einfach", dem Baby gutes und gesundes Essen in entsprechender Form anzubieten. Das kann das Füttern mit Brei sein, bei dem auch das Baby das Tempo vorgibt und nicht die fütternde Person. Oder das Baby bedient sich selbst am gesunden Fingerfood, das die Eltern zubereitet haben. Die Eltern sollten selbst ein gutes Vorbild sein und ihr Baby natürlich beim Essen niemals alleine lassen. Was und wie viel ein Kind von dem angebotenen Essen zu sich nimmt, das bleibt ihm überlassen. Damit es weiterhin gut versorgt ist, darf es natürlich weiterhin nach Bedarf stillen bzw. seine Prenahrung aus dem Fläschen erhalten.

Breipläne mit genauen Mengenangaben suggerieren gerne, dass eine bestimmte Menge Essen zu einem bestimmten Zeitpunkt ins Kind hinein muss. Dem ist aber nicht so und alle Pläne und Vorgaben sollten maximal als Orientierung dienen – mehr nicht. Das tatsächliche Tempo dieser Esslernphase gibt das Baby vor. Und es ist gut, wenn Eltern nicht schon alle Energie in diese Phase legen und alle Entspannung auf dem Weg verlieren. Denn der Zeitraum, in dem wir unsere Kinder dabei unterstützen, ein gesundes Essverhalten zu entwickeln, dauert danach noch relativ lang. Ein gesundes Angebot auf den Tisch bringen und Vertrauen ins Kind haben, müssen Eltern immer wieder schaffen. Denn Beikost ist erst der Anfang. Wenn sich doch Fragen oder Sorgen ergeben, kann gerne noch mal die Hebamme kontaktiert werden. Die Beratung zu Still- und oder Ernährungsfragen ist sogar eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. In diesem Sinne wünsche ich Euch guten Appetit und viele schöne und entspannte Mahlzeiten am Familientisch.

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