Bereit zum Stillen?

How to: Brüste vorbereiten

07.Jan 2020
Deutsch

Dass Stillen das Beste für das Baby ist, braucht heute wohl kaum mehr diskutiert zu werden. Wenn man sich allerdings bei Müttern mit Stillerfahrung umhört, bekommt man mit großer Wahrscheinlichkeit auch Anekdoten erzählt, in denen es der Mutter mit dem Stillen nicht ganz so wundervoll ging. Neben Schwierigkeiten beim Milcheinschuss und Schmerzen durch einen Milchstau sind besonders wunde Brustwarzen ein großes Thema. Wir gehen darum der Frage nach, ob eine Vorbereitung der Brüste während der Schwangerschaft sinnvoll ist und wenn ja, wie.


Foto: Shutterstock

 

Ein Thema, viele Meinungen

Die Empfehlungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung unterliegen nicht nur laufend Änderungen auf Grund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern auch gewissen gesellschaftlichen Trends. Auch beim Stillen und beim speziellen Thema der Vorbereitung auf die Stillzeit haben sich die Meinungen im Lauf der Zeit gewandelt. Früher ging man davon aus, dass wunde Brustwarzen von zu wenig „Abhärtung“ stammen. Heute nimmt man allerdings an, dass viel mehr eine falsche Technik beim Anlegen Grund für die kleinen Verletzungen sind. Es wird von bekannten Stillverbänden* und -beraterinnen nicht empfohlen, die Brust bzw. Brustwarzen irgendwelchen fragwürdigen, abhärtenden und gar schmerzenden Behandlungen zu unterziehen. Ganz im Gegenteil.

 

Liebevolle Pflege statt Abhärtung

Ganz unabhängig vom Stillen zählt bei der Haut eine Grundregel: trockene Haut reißt leichter und ist anfälliger für Verletzungen oder Wunden. Das gilt auch für die Haut in der Brustwarzengegend. Sinnvoll ist demnach, diesen Bereich auch in die Pflege einzubeziehen, um die Haut möglichst geschmeidig zu halten. Das ist denkbar einfach:

  • Möglichst nur mit Wasser waschen.
  • Möglichst wenig bis keine austrocknenden Seifen oder Duschgels verwenden.
  • Eincremen ist gut, dazu kann aber auch die gewohnte Körpercreme benutzt werden.
  • Bei sehr sensibler Haut eignet sich für die Pflege spezielles hypoallergenes Lanolin (auch Wollfett genannt, es gibt allerdings diverse Markenprodukte mit diesem Inhaltsstoff und unterschiedlichen Namen). Dieses kann später auch beim Stillen verwendet werden.
  • Brüste nicht desinfizieren! Die Drüsen rund um die Brustwarzen sondern ein besonderes Sekret ab, welches die Haut zum einen pflegt und zum anderen auch Bakterien hemmt. Aggressive Desinfektionsmittel stören die Selbstreinigungskraft und natürliche Gesundheit der Haut.
  • Öfter einmal oben ohne bleiben und frische Luft an die Haut lassen.

Manche Stillberaterinnen empfehlen auch, hin und wieder auf das Tragen eines BHs zu verzichten, damit die Kleidung sanft (!) über die Brustwarze reiben kann.

 

Spezialfall Flach- und Hohlwarzen

Stehen die Brustwarzen nicht hervor, sondern liegen sie flach auf der Brust oder sind sie sogar etwas eingezogen, spricht man von Flach- oder Hohlwarzen. Letztere werden oft auch als Schlupfwarzen bezeichnet.

Flachwarzen treten mit etwas Stimulation und/oder Druck hervor. Hohlwarzen bleiben dauerhaft wie eingedrückt oder ziehen sich etwas zurück, ganz gleich, was versucht wird. Neben dem ästhetischen Problem, das viele Frauen mit Flach- oder Hohlwarzen haben, kann es auch zu Stillproblemen kommen.

Allerdings sind nicht alle Stillexpertinnen der Meinung, dass Hohlwarzen tatsächlich eine Still-Schwierigkeit darstellen. Sie gehen vielmehr davon aus, dass ein richtig angelegtes Baby (es hat den Großteil des Warzenhofs im Mund) auch bei Hohlwarzen ohne weiteres gestillt werden kann.

Andere empfehlen wiederum vor der Geburt das Tragen von Brustwarzenformern. Diese werden über einen längeren Zeitraum möglichst durchgehend getragen und sollen dazu führen, dass die Brustwarze dauerhaft aufgerichtet bleibt. Meistens handelt es sich um kleine Hütchen oder Trichter, die Druck auf die entsprechende Stelle ausüben und so die Warze in Form halten.

Stillhütchen haben mit dieser Art von Behandlung übrigens nichts zu tun. Stillhütchen können viel mehr später während des Stillens helfen, sind aber nicht für das Tragen in der Schwangerschaft ausgelegt.

Sorgen Schlupf- bzw. Hohlwarzen für größere Probleme, die mit einer konservativen Methode wie z.B. Brustwarzenformern nicht behandelt werden kann, ist auch ein chirurgischer Eingriff möglich. Lass dich dazu am besten von deinem Arzt bzw. deiner Ärztin beraten und/oder hole dir Rat bei einer Stillberatung. Es gibt nämlich zahlreiche Fälle in der Praxis, die beweisen, dass das Stillen zumindest leichte Fälle von Flach- und Hohlwarzen von ganz alleine verschwinden lässt.

 

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Quelle:

*La Leche Liga

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