Bettruhe in der Schwangerschaft ist nichts für schwache Nerven

Blog Gastartikel: Little Paper Plane

02.Okt 2018
Deutsch

Zu Anbeginn einer Schwangerschaft hat man keine Ahnung, was in den nächsten Monaten passieren wird, das war bei Gastautorin Evelyn von Little Paper Plane nicht anders. Dennoch hat sie jetzt mit Baby Nummer zwei eine Sache von Anfang an mit dabei, die bei Baby Nummer eins fehlte: Geduld nämlich.

Bettruhe in der Schwangerschaft ist nichts für schwache Nerven

„Das ist ein Witz oder?“ fragte ich die Ärztin, die gerade an mir herum ultraschallte. Nope, es war keiner. Mein Gebärmutterhals schien verkürzt zu sein. Sehr kurz, viel zu kurz für die 27. Schwangerschaftswoche. Ein Gemisch aus Hitzewallungen und eiskalter Schauer durchfuhr mich und ich wusste nicht, was nun auf mich zukommen würde.

Wenig Zeit später lag ich in der Klinik am CTG. Gebärmutterhalsverkürzung. Klingt ja eigentlich nicht dramatisch, vielleicht war es das ja auch nicht? Als dann der gefühlt siebte Arzt meinen Muttermund abtastete hatte ich die Schnauze voll. „Na, was ist jetzt? Darf ich nach Hause?“ kläffte ich. Die Antwort war natürlich nein, durfte ich nicht und ich schickte den Gatten los, um mir mein Nachthemd und eine Zahnbürste ins Krankenhaus zu bringen.

Acht Tage lang lag ich auf der Station. Der längste Weg, den ich zurücklegen durfte, war vom Zimmer in den Kreißsaal zum CTG, also zwei Mal ungefähr 65 Schritte. Und wie das mit der Bettruhe in der Schwangerschaft nun mal so ist, macht man sich einfach viel zu viele Gedanken, wenn man nur liegen und vor sich hinstarren darf.

Gedanken über Frühchen, die Geburt, wie man denn als Mama so ist, wieso der eigene Körper „versagt“. Schuldgefühle, Vorwürfe, Zweifel und all die anderen Emotionen, die wohl jede andere Mutter nur allzu gut kennt, jagten mich in den langen Tagen, die ich in der Klinik lag. Gefolgt von Hoffnung und Zuversicht und ja, auch Langeweile.

Bevor man sich auf eine Schwangerschaft einlässt, hat man einfach keine Ahnung, was auf einen zukommt. Ob es nun Wassereinlagerungen oder frühzeitige Wehen, Sodbrennen oder eben eine Gebärmutterhalsverkürzung ist. Vielleicht wird die Schwangerschaft auch problemlos und sorgenfrei, nur weiß man das vorher eben nicht. Man verleiht seinem eigenen Körper für zehn Monate dem Schicksal, dem Zufall oder wen auch immer, und es nimmt einfach seinen Lauf. Machtlos und erstaunt sieht man zu, wie der eigene Bauch wächst, spürt, wie der Zwerg darin sich anfängt zu bewegen und zu drehen und ist einfach fasziniert von alldem, was man als Frau so kann.

Dass damit ein Kontrollverlust einhergeht, war mir bei meiner ersten Schwangerschaft nicht bewusst und ich hatte sehr damit zu kämpfen, dass meine Knöchel und Knie gegen Ende hin gleich breit waren – Wassereinlagerungen sei Dank. Ich fühlte mich schrecklich ausgeliefert und wollte einfach nicht mehr. Ja, die Schwangerschaft meiner Tochter war kein schönes Erlebnis für mich, aber ein lehrreiches.

Denn jetzt, bei Baby Nummer zwei, habe ich den Kontrollverlust über meinen Körper viel leichter akzeptieren können, weil ich immerhin bereits weiß, dass es nur vorübergehend ist. Weil mir klar ist, dass am Ende ein wohlig duftendes Menschlein in meinen Armen liegen wird und dass das alles einen Sinn macht.

Deshalb ist es mir vielleicht dieses Mal leichter gefallen zu akzeptieren, dass es nun einmal so ist, dass ich einfach liegen muss bis ich über die 36. Schwangerschaftswoche bin und, dass das nicht optimal aber in Ordnung ist.

Und ja, das führe ich mir jetzt auch täglich vor Augen, wenn ich mit „Schonung auf Anordnung der Ärztin“ daheim die Füße hochlagere. Obwohl es mir nach wie vor schwerfällt nichts zu tun und stillzuhalten. Es ist nicht für immer und es wird alles gut. Daran glaube ich ganz fest während ich auf der Couch liege, mir über den Bauch streichle und der Zwerg im Bauch fleißig gegen meine Hand drückt. Der kleine, wohlig duftende Zwerg, den ich bald (aber hoffentlich nicht allzu früh) auf meinen Armen tragen werde.

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