Bin ich mit Ü30 schon Spätgebärende und eine Risikoschwangerschaft?!

Mythen, Wahrheiten und echte Risiken.

25.Okt 2019
Deutsch

Wer „Spätgebärende“ googelt und auf den Wikipedia-Eintrag stößt, erfährt eine mitunter schockierende Tatsache: Frauen jenseits des „normalen“ Gebäralters zwischen 18 und 30 zählen zu den „späten Mamas“. Wie, du fühltest dich eigentlich noch gar nicht so alt? Damit bist du auch in bester Gesellschaft, denn nicht nur bei Promis ist die „Last-Minute-Mutterschaft“ beliebt: Das Alter, in dem Frauen Kinder bekommen, schiebt sich immer weiter nach hinten, deshalb gelten heute erstgebärende (!) Frauen über 35 als Spätgebärende. Was ist nun aber wirklich dran, jenseits der 35 oder 40 ein Kind zu bekommen? Ist man automatisch eine Risikoschwangerschaft? Und wenn ja, warum überhaupt?


Foto: Shutterstock

Echte Risiken - eine Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Fakt ist: Je älter die Frau, desto schwieriger ist es nicht nur, schwanger zu werden, sondern desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Chromosomenstörungen oder Gen-Defekte. Diese können Auswirkungen auf den körperlichen und/oder geistigen Zustand des Kindes haben. Grund dafür ist, dass die Eizellen bereits bei der Geburt der Frau angelegt sind und nicht „frisch“ gebildet werden – damit steigt die Gefahr von „Schäden“.

Pränataldiagnostik - eine echte Hilfe?

Die neuesten Verfahren in der Medizin können schon sehr früh diverse Veränderungen beim Ungeborenen feststellen. Das löst aber nicht die Frage, wie man reagiert, wenn man erfährt, dass das Ungeborene möglicherweise eine körperliche oder geistige Beeinträchtigung haben könnte. Natürlich sollten sich auch junge Mütter mit diesem Thema beschäftigen – da mit steigendem Alter aber die Wahrscheinlichkeit steigt, betroffen zu sein, ist es für Frauen über 35 noch empfehlenswerter, sich so gut wie möglich mit persönlichen Kapazitäten und ethischen Fragen auseinanderzusetzen. Ein konkretes Ergebnis kann natürlich hilfreich sein, um sich besser auf das Kommende einzustellen und für die Ankunft des Babys eventuell spezielle Vorbereitungen zu treffen. Auch die professionelle Unterstützung, Beratung oder psychologische Betreuung kann damit frühzeitig in Anspruch genommen werden und eine plötzliche Krise vermeiden.

Untersuchungen auf Kassa.

Je nach Land und Krankenkasse werden für Frauen ab einem gewissen Alter auch mehrere oder andere Untersuchungen während der Schwangerschaft bezahlt. Frage am besten bei deinem Arzt bzw. deiner Ärztin oder deiner Krankenversicherung nach.

Einige Untersuchungen können privat bezahlt werden und ermöglichen noch früher noch genauere Ergebnisse. Neben der klassischen Furchtwasseruntersuchung, bei der mit einer Nadel aus der Fruchtblase eine Probe genommen wird, gibt es auch neue Bluttests, mit denen zum Beispiel das Down-Syndrom festgestellt werden kann.

Beschwerden in der Schwangerschaft Ü35

Du fühlst dich fit wie ein Turnschuh und trotzdem bist du eine Risikopatientin? Fakt ist: Über 35 können Komplikationen in der Schwangerschaft, die auch bei jüngeren Frauen vorkommen können, andere Auswirkungen haben. Das Bindegewebe ist schwächer, was sich in vermehrten Krampfadern, Hämorrhoiden oder allgemein überstrapazierten Bändern äußern kann – vorzeitige Wehen können die Folge sein. Auch Rückenbeschwerden sind wahrscheinlicher. Bei älteren Frauen sind Verwachsungen in der Gebärmutter häufiger, was zu Blutungen, Frühgeburten oder einem Kaiserschnitt führen kann. Statistisch gesehen kommt es öfter zu Placenta praevia, Präeklampsie, Thrombosen und Schwangerschaftsdiabetes.

Vorteile von Müttern Ü35

Die moderne Medizin ist so gut, dass bei diversen Schwierigkeiten früh und gut geholfen werden kann. Und auch junge Mütter sind vor Diabetes und Frühgeburten nicht gefeit. Viele „späte Mamas“ sind dafür um einiges entspannter, beruflich etabliert und können eine Auszeit mit dem Kind so richtig genießen. Mit jeder Menge Lebenserfahrung begegnen sie allem, was auf Mutter und Baby zukommen mag. Frauen über 30 legen oft auch besonderen Wert auf einen gesunden Lebensstil: ein Gesundheitsvorteil für Mutter und Kind, das dadurch bestens mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Oft ist außerdem die finanzielle Situation gesicherter – auch das erleichtert das Leben als junge – egal wie alte – Familie.

Fazit:

Nehmt die Risiken ernst, macht die verpflichtenden Untersuchungen (mehr kann, muss aber nicht sein) und überbewertet das Alter trotzdem nicht. Viele grelle Warnhinweise sind wie so oft eine Absicherung für das medizinische Personal und Einrichtungen – das hat zum Teil gesetzliche und versicherungsrechtliche Gründe. Lasst euch davon nicht irremachen und genießt eure einmalige Kugelzeit!

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