Blutungen in der Schwangerschaft

Ursachen und wann man ins Spital muss.

04.Feb 2020
Deutsch

Es ist der Horror jeder Schwangeren: plötzliche Blutungen. Doch muss das wirklich immer das Schlimmste bedeuten? Wann kann man bei Blutungen in der Schwangerschaft abwarten und wann muss man sofort ins Krankenhaus? Hier sind einige Antworten:


 

Blutungen in der Frühschwangerschaft

Wesentlich für die Beurteilung des Risikos ist, wann im Verlauf der Schwangerschaft die Blutung auftritt. Ganz zu Beginn kann eine Blutung zum Beispiel noch ganz normal sein – sie kommen sogar bei einer von 5 Frauen vor. Oft handelt es sich dabei um sogenannte „Einnistungsblutungen“. Das befruchtete Ei verbindet sich mit der Gebärmutterschleimhaut. Auf Grund der Veränderungen im Gewebe und im Hormonhaushalt der Frau kann es darum zu leichten (Schmier-)Blutungen kommen. Sie sind meistens ganz leicht und schmerzlos. Harmlose Blutungen können außerdem nach gynäkologischen Untersuchungen mit einem Abstrich und nach dem Geschlechtsverkehr auftreten.

Verletzungen der Gebärmutterschleimhaut oder geplatzte Äderchen können ebenso für leichtes, helles Bluten sorgen. Solche schmerzlosen Hämatome sind in der Regel im Ultraschall erkennbar und grundsätzlich kein Grund zur Sorge.

Eine drohende Fehlgeburt ist dagegen oft von Menstruations-artigen Krämpfen begleitet.

Manche Frauen haben eine Blutung im Rhythmus ihres Zyklus und erkennen darum eine Schwangerschaft erst spät. Oft ist diese „Pseudomenstruation“ aber viel schwächer als eine normale Regelblutung.

Ebenso für Schmerzen und Blutungen sorgen extrauterine Schwangerschaften. Das befruchtete Ei setzt sich dabei nicht in der Gebärmutter, sondern zum Beispiel im Eileiter fest. Man spricht in diesem Fall von einer Eileiterschwangerschaft. Es besteht die Gefahr, dass der Eileiter reißt – Schmerzen sind also in jedem Fall ernst zu nehmen!

Auch Polypen in der Gebärmutter und Infektionen können Blutungen verursachen. Sie sind oft harmlos, sollten aber behandelt werden.

Bei einem Windei und der seltenen Blasenmole ist die Entwicklung des Embryos gestört. Der Embryo entwickelt sich entweder gar nicht (Windei) oder die Zellen, die z.B. die Plazenta bilden sollten, wuchern unkontrolliert, ohne dass es zu einer normalen Entwicklung des Embryos kommt. Ursache ist hier eine fehlerhafte genetische Anlage, die nicht lebensfähig ist. Bei einem Windei ist im Ultraschall nur eine leere Fruchtblase zu sehen. Wucherungen und Fruchtreste in der Gebärmutter werden in der Regel mittels Kürettage (Ausschabung) entfernt.

 

Wann zum Arzt/zur Ärztin?

Wichtig: Blutungen müssen immer ärztlich abgeklärt werden!

  • Helles Blut und/oder starke Blutung, Schmerzen: sofort in die Klinik
     
  • Blutungen und Fieber: sofort in die Klinik
  • Dunkles Blut, Schmierblutung, wenig helles Blut, eventuell nur Schlieren in Vaginalsekret, keine Schmerzen: kontaktiere sobald wie möglich deinen Gynäkologen/deine Gynäkologin

 

Was kann bei einer Untersuchung gemacht werden?

Ungefähr ab der 6. Schwangerschaftswoche kann bei einer Ultraschalluntersuchung der Dottersack und teilweise auch schon der Herzschlag des Embryos festgestellt werden. Auch das Hormon HCG steigt in dieser Phase der Schwangerschaft stark an, sofern sie intakt ist. Es handelt sich dabei um das Hormon, das auch bei einem Schwangerschaftstest im Urin festgestellt werden kann. Es sorgt dafür, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt. Zur Sicherheit kann auch regelmäßig Blut abgenommen, und der HCG-Wert bestimmt werden. Einen kleinen Hinweis können unter Umständen auch Schwangerschaftstest mit Wochenbestimmung geben. Zeigen sie ein falsches Ergebnis an (konkret: zu wenige Schwangerschaftswochen) kann das ein Zeichen dafür sein, dass sich der Embryo nicht richtig entwickelt und das HCG-Level nicht ansteigt. Wirklich sicher und darum empfehlenswert ist aber nur eine Ultraschalluntersuchung beim Arzt bzw. bei der Ärztin. Gerade in den ersten Schwangerschaftswochen hilft es leider oft nur, einfach abzuwarten und zu sehen, was passiert. Manchmal wird bei Blutungen zur Unterstützung der Früh-Schwangerschaft das Hormon Progesteron verschrieben. Es wird dann in Tablettenform täglich oral eingenommen. Progesteron ist unter anderem dafür zuständig, dass die Gebärmutterschleimhaut gut aufgebaut bleibt.

 

Kleiner Exkurs: Fehlgeburt – das frühe Ende vom Glück

Sollte das Glück unerwartet früh enden, ist das sehr schmerzhaft doch Kopf hoch. Fehlgeburten im frühen Schwangerschaftsstadium kommen relativ oft vor. Leider handelt es sich dabei nach wie vor um ein Tabuthema, über das viele Frauen nicht sprechen. Die Häufigkeit ist darum den wenigsten bewusst und wird erst klar, wenn man sich nach einer Fehlgeburt im Bekanntenkreis umhört. Der Trost: bei den meisten klappt es später mit einer Schwangerschaft ganz normal. Eine Fehlgeburt bedeutet also nicht, dass ein Problem vorliegen muss oder beim nächsten Mal wieder damit zu rechnen ist.

 

Blutungen ab der 20. Schwangerschaftswoche

Kommt es im späteren Verlauf der Schwangerschaft zu Blutungen, steigt das Risiko für ernsthafte Komplikationen. Aber auch jetzt gilt: sie können ganz harmlos sein.

  • Kontaktblutungen: auch in der 2. Hälfte der Schwangerschaft können nach Untersuchungen oder Geschlechtsverkehr schmerzfreie Blutungen auftreten, die kein Grund zur Sorge sind.
  • Bei der Placenta praevia (Vorderwandplazenta) sitzt die Plazenta zu nahe am Muttermund, was zu plötzlichen, auch schmerzlosen Blutungen führen kann.
  • Gefährlich ist eine Plazentaablösung – diese kann z.B. durch einen Sturz ausgelöst werden und geht meist mit starken Schmerzen einher.
  • Möglich ist auch eine Plazentarandblutung, die oft gar keine Schmerzen verursacht und meist problemlos ist.
  • Bei einer Uterusruptur reißt die Gebärmutterwand. Oft sehr schmerzhaft. Es besteht Lebensgefahr für Mutter und Kind – sofort ins Krankenhaus!
  • Krampfadern: rund um Vagina und Gebärmutter können Krampfadern auftreten und reißen. Der Blutverlust kann hoch und lebensbedrohlich sein.
  • Blutung mit Schleim und Wehen-artigen Schmerzen und/oder Kreuzschmerzen: drohender Spät-Abort (späte Fehlgeburt) oder Frühgeburt.
    Eine „Zeichnungsblutung“ nach der 35. Schwangerschaftswoche kann den Beginn der Geburt andeuten und ist ab diesem Zeitpunkt kein Grund zur Panik – das Baby kann sich auch früher auf den Weg machen. Die Entwicklung ist nun so weit fortgeschritten, dass eine Geburt problemlos stattfinden kann.

 

Es gilt das gleiche wie in der Frühschwangerschaft:

  • Blutungen müssen immer ärztlich abgeklärt werden.
  • Bei Schmerzen und/oder Fieber sofort ins Krankenhaus!
  • Da bei manchen Komplikationen Gefahr für das Leben von Mutter und Kind besteht, zögere auch nicht, die Rettung zu rufen, um liegend transportiert werden zu können.

 

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Quellen:
https://www.netdoktor.at/familie/schwangerschaft/blutungen-in-der-frueschwangerschaft-5657
https://www.netdoktor.de/schwangerschaft/blutungen-in-der-schwangerschaft/
https://de.wikipedia.org/wiki/Blasenmole
Foto: Shutterstock

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