Brauchtum - vom Zuckerschub bis Plastikschrott

Blog Gastartikel: Familianistas

19.Dez 2017
Deutsch

Brauchtum: Von Halloween, Nikolaus und dem Christkind - die Gastbloggerinnen Andrea und Nicole von dem Blog Familianistas erzählen, wie sie es so mit vorweihnachtlichen Bräuchen halten.

Blog Gastartikel: Familianistas

Foto: Shutterstock

Neulich habe ich auf Facebook folgenden Post eines Freundes gelesen:

„Was für ein elend bescheuerter Anlass dieses Halloween doch ist! Nur überzuckerte, rotzfreche Gören, die allesamt im roten Bereich laufen! Ich werde diesen amerikanischen Brauch – der überhaupt nichts mit unserer Kultur zu tun hat und ohnehin nur zu Konsumzwecken eingeführt wurde – künftig boykottieren. Basta!“

Wird er nicht. So viel kann ich schon mal sagen. Denn, wie bei vielen Sachen, die aus der Kinderwelt plötzlich in unser Erwachsenengärtchen überschwappen, braucht es primär einfach Zeit, um sich daran zu gewöhnen. Am besten gelingt es, wenn man sich der Sache voll und ganz hingibt. Sozusagen in die Offensive geht.

Halloween zum Beispiel habe ich kurzerhand zu meiner eigenen Partyveranstaltung auserkoren. Ich schnitze mit viel Hingabe gruselige Kürbisse, die unseren Garten zieren, entfache ein riesiges Hexenfeuer und lade Freunde und Nachbarn dazu ein mit uns die Nacht der Geister, Vampire und Werwölfe zu feiern. Wir lassen es uns bei Kürbissuppe und allerlei mitgebrachten Leckereien gutgehen. Und ist erst einmal der Glühwein-Kessel in Umlauf gebracht, stört sich die Erwachsenenwelt auch kein bisschen mehr an den rotzfrechen, überzuckerten Kinderchen.

 

Kaum ist Halloween vorüber, steht auch schon der nächste Brauch vor der Tür. Allen voran der Nikolausabend. Eine Veranstaltung aus unseren Breitengraden, die man durchaus auch mit kritischen Augen betrachten könnte. Denn sind wir ehrlich: Der „Samichlaus“, wie man ihn bei uns in der Schweiz nennt, sorgt in der Kinderwelt zuweilen für gemischte Gefühle. So habe ich es nicht selten erlebt, dass ein Knirps beim Anblick des großen, bärtigen Mannes im roten Gewand von einer Panikattacke heimgesucht wurde, kreidebleich und kreischend von Dannen stürmte und so gar keine Lust mehr dazu verspürte das einstudierte Sprüchlein aufzusagen. Knecht Ruprecht mit der schwarzen Kapuze und der Rute in der Hand macht das ganze Spektakel auch nicht gerade vertrauenswürdiger.

Nicht weiter erstaunlich also, dass der eine oder andere Zwerg lieber auf die mitgebrachten Leckereien aus dem großen Sack verzichtet. Schließlich stecken gerade Kids zwischen zwei und sechs Jahren, also diejenigen, die in der Regel noch an den Nikolaus glauben, entwicklungsmäßig gerade in einer äußerst heiklen Phase, in der sich Realität und Phantasie ohnehin andauernd vermischen. Und Beim Anblick des „Samichlauses“ ist einfach nicht klar ersichtlich ist, ob es sich bei diesem Gesellen nun um einen Good oder Bad Guy handelt.

 

Ganz anders beim Christkind. Das „Himmlische Kind“ gehört definitiv zu den Guten. So wird es gerne als engelhaftes Wesen dargestellt, das an Heiligabend durchs Fenster hereingeflogen kommt und bergeweise Geschenke unter die Tanne türmt. Natürlich kriegen es die Kinder nie zu Gesicht. Höchstens ein Löckchen, dass sich in den Nadeln des Baumes verfangen hat. Das war`s dann aber auch schon.

Aber Hey: Letztlich ist es den kleinen Menschen schnurzpiepegal, wie das Christkind ausschaut. Hauptsache es hat alles mitgebracht, was sie sich gewünscht haben. Alles, was sie sich in den vergangenen Wochen in den Geschenk-Katalogen der Versandhäuser akribisch zusammengesucht haben. Lastwagenladungen voll Plastikschrott, um genau zu sein. Weist man die Kinderlein vorsichtig darauf hin, dass auch dem Christkind gewisse Grenzen gesetzt sind, hört man etwa Sätze, wie diese: „Warum denn Mami? Das Christkind muss doch für meine Geschenke nicht bezahlen!“ Na dann: Willkommen in der besinnlichen Konsumwelt! 

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