Brei -ei, -ei!

Blog Gastartikel: Familianistas

15.Jun 2018
Deutsch

Gastbloggerin Nicole vom Blog Familianistas über die Sache mit dem liebevoll zubereiteten Brei aus bestem Bio-Gemüse. Und warum sie seit Baby Nr.2 keinen Nerv mehr hat stundenlang Pastinaken zu dünsten. 

Brei -ei, -ei!

Foto: Shutterstock

Bei meinem Erstgeborenen habe ich noch stundenlang Pastinaken, Mohrrüben und Kartoffeln gedünstet und zu Brei verarbeitet. Das Gemüse dafür habe ich selbstverständlich auf dem Wochenmarkt beim lokalen Bauern erstanden. Alles super Bio, alles super frisch! Das macht man schließlich so. Zumindest gab es in meinem Bekanntenkreis niemanden, der es gewagt hätte seinem Kind ein Gläschen Brei aus dem Supermarkt aufzutischen. Schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Zu groß ist die Angst auf dem Spielplatz mit einem „Du-Rabenmutter!“-Blick quittiert zu werden. Nö, dann schon lieber stundenlang abmühen, den Brei schön säuberlich portionieren und stolz in hübsch beschrifteten Gläschen zum Spielplatz transportieren. Auch wenn man seit Wochen unter akutem Schlafmangel leidet, weil das Baby gerne die Nacht zum Tag werden lässt und man die ruhigen Stunden tagsüber wohl besser dazu genutzt hätte eine Siesta einzulegen. Aber: Die Macht der Mommy-Community ist eben groß. 
 

Würgen auf beiden Seiten

Bei Baby Nr.1 bin ich sogar so weit gegangen, mich ans Fleischpürieren zu wagen - und dies wohlgemerkt als bekennende Vegetarierin. Ich hatte nämlich irgendwo gelesen, dass tierische Lebensmittel in der Beikost sich besonders gut dafür eigenen würden Babys mit der notwendigen Portion Eisen zu versorgen. Deshalb hieß es: Augen zu und durch! Ich bin also brav zum Fleischer gelaufen, habe mir bestes Weidelandrind aushändigen lassen und bin mit einem Pürierstab bewaffnet tapfer zur Tat geschritten. Begleitet von anhaltenden Würgereiz-Attacken. Aber Babys Wohl geht schließlich über alles. Nach überstandener Tortur setzte ich meinem Kleinen stolz den gräulich-braun gefärbten Mantsch vor die Nase. Und eigentlich hätte ich an seinem empörten Gesichtchen gleich erkennen müssen, dass die Sache kein gutes Ende nehmen würde: Kaum hatte der kleine Wicht nämlich den ersten Löffel im Mund, landete er auch schon unter großem Geschrei mitten in meinem Gesicht. Na, besten Dank auch!
 

Mütterliches Engagement hat Grenzen

Nach diesem ernüchternden Erlebnis wurde Baby Nr.1 ziemlich schnell an „normales“ Essen herangeführt. Schließlich hat auch mütterliches Engagement seine Grenzen. Bei Baby Nr.2 gestaltete sich die Breikocherei dann von Anfang an kompliziert. Denn alles, was nur schon mit einem Hauch an Kartoffeln versehen war, wurde umgehend wieder ausgespuckt. Aber auch Pastinaken, Erbsen und Kürbis konnte die Kleine nicht wirklich in ihr Herz schließen. Beziehungsweise in ihrem Mund behalten. Unser Küchentisch mutierte in jener Zeit langsam zu einer zementartigen Skulptur aus Breiüberresten. Schließich gab ich die Suche nach der Ideal-Mixtur auf und setzte der Kleinen fortan nur noch Beikost aus Mohrrüben vor - die sie liebte. 
 

Fall erledigt 

Baby Nr.3 hat Brei nie zu Gesicht bekommen. Denn kaum konnte er greifen, wollte er am Familientisch sowieso nur das haben, was die Großen kriegen. Das Menü wurde für den Wicht also jeweils kurzerhand zermatscht. Nix dünsten, nix pürieren. Was die Mommy-Mafia wohl dazu sagen würde? Breifreie Mütter seien faul? Oder sogar grobfahrlässig und riskierten damit späteres Schulversagen ihrer Kinder? - Wisst ihr was? Darauf pfeif ich!

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