Dammriss – Muss das denn sein?

Was du vorbeugend und heilend tun kannst

14.Nov 2019
Deutsch

Der Dammriss zählt zu den häufigsten Verletzungen im Zuge einer Geburt – viele Schwangere beschäftigt daher zurecht die Frage, ob man schon im Lauf der Schwangerschaft etwas tun kann, um ihn zu verhindern. Und was, wenn es schon so weit gekommen ist? Wie kann man die Heilung unterstützen? Wir geben dir einen Überblick und einige Antworten auf die wichtigsten Fragen:


Foto: freestocks.org on Unsplash

Was ist der Dammriss?
Der Kopf des Babys dehnt während der Entbindung nicht nur den Geburtskanal im Körper der Mutter, sondern beim Austritt des Köpfchens auch die Haut zwischen Scheidenausgang und After – den sogenannten „Damm“. Durch diese Dehnung kann es zum Reißen des Gewebes kommen. Eine wichtige Aufgabe der Hebamme während der Geburt ist darum auch der Schutz des empfindlichen Bereiches. Und ein Grund dafür, warum der Kopf des Babys möglichst langsam und kontrolliert das Licht der Welt erblicken sollte.

Je nachdem wie groß die Verletzung ist, spricht man vom Dammriss ersten bis vierten Grades.*

  1. Grad: Einriss der hinteren Scheiden- und Dammhaut
  2. Grad: + Verletzung der Dammmuskulatur
  3. Grad: + Riss des Schließmuskels
  4. Grad: + Riss der Darmschleimhaut

Wie wird der Dammriss behandelt?
Bei einem Grad I Riss handelt es sich oft um eine leichte, oberflächliche Verletzung die in lokaler Betäubung versorgt wird. Ein Grad II Riss wird meistens auch nur unter Lokalanästhesie genäht. Bei Grad III und IV kann das verletzte Gewebe oft nur in Vollnarkose behandelt werden.

Besonders wichtig ist in jedem Fall die Wundversorgung danach. Das kann je nach Geburtsverlauf, dem Wohlbefinden der Mutter und der ungewohnten Situation mit dem Neugeborenen durchaus eine Herausforderung sein. Lasst euch dabei helfen und mutet euch nicht zu viel zu. Eine regelmäßige Nachbetreuung durch eine Hebamme ist garantiert empfehlenswert.

Was hilft bei der Heilung?
Jedenfalls: viel liegen! Sitzen, stehen und gehen ist eine Belastung für das geschädigte Gewebe und den strapazierten Beckenboden: sei nicht unnötig tapfer, sondern lass dich im Bett bedienen. Wenn es deine Brüste zulassen, liege auch auf dem Bauch – das entlastet den verletzten Bereich. Auch ein kleines Kissen unter dem Po kann beim Liegen auf dem Rücken helfen. Scheue dich nicht, auch möglichst schonend und schmerzfrei ins Bett zu kommen: das kann bedeuten, dass du am besten auf allen Vieren hineinkrabbelst…

Tipp: Schuhe mit etwas Absatz können Schmerzen beim Gehen durch das gekippte Becken reduzieren (du sollst natürlich keine High Heels tragen …)

Bist du ein Fan von natürlichen Heilmethoden? Dann probiere Muttermilch – sie ist ein wahres Wundermittel! Wenn du viel Milch hast, sammle sie und mach dir ein kleines Intimbad daraus. Aber selbst mit wenigen Tropfen lassen sich aus Muttermilch und ausgekochten Stoffwindeln eigene Kompressen zaubern. Ansonsten lasse möglichst viel Luft an die Verletzung – das geht auch mit Wochenfluss, wenn du kochfeste Handtücher oder Wegwerf-Wickelunterlagen verwendest.
Anfangs ist es wahrscheinlich angenehmer für dich, die Stellen zu kühlen. Später finden viele Frauen aber Sitzbäder sehr wohltuend – vertraue deinem Gefühl, was dir hilft!
Sehr beliebt sind die Badezusätze von Hebamme Ingeborg Stadelmann. Die Bäder sollen anfangs noch eher kühl bis handwarm sein, können dann aber nach Wohlbefinden auf maximal Körpertemperatur gesteigert werden.
Empfehlenswert sind außerdem Salben bzw. Tinkturen aus Arnika, Beinwell oder Ringelblume – frage am besten in deiner Apotheke nach Details zu Anwendungsmöglichkeiten.
Achte auch auf deine Ernährung: iss keine Nahrungsmittel, die für zu festen Stuhl sorgen. Trinke auf alle Fälle viel!
Sehr wichtig ist auch, dass der Intimbereich nach dem Toilettengang absolut sauber ist. Verzichte aber auf scharfe Reinigungsmittel und Tücher – klares Wasser ist absolut ausreichend.
Natürlich gibt es auch schulmedizinisch erprobte Mittel, die das Infektionsrisiko reduzieren und die Wundheilung fördern. Dein Arzt bzw. deine Ärztin wird dir für deinen konkreten Fall Medikamente verschreiben, sofern sie nötig sind. Auch Schmerzmittel können angebracht sein.

Was begünstigt einen Dammriss?

  • ein Baby mit großem Kopfumfang und/oder hohem Geburtsgewicht
  • eine sehr schnelle Geburt
  • zu frühes und/oder zu starkes Pressen
  • Hilfsmittel wie Saugglocke oder Zange
  • mangelnder Dammschutz während der Geburt
  • bestimmte Lagen des Kopfes bei der Geburt

Was kann man vorbeugend gegen einen Dammriss tun?
Ziel ist es, den Damm möglichst gut auf die kommende Dehnung vorzubereiten. Selbst wenn es zu kleineren Rissen kommt, heilen diese besser als chirurgische Schnitte. Generell werden Dammmassagen empfohlen. Etwa 6 Wochen vor der Geburt ist dein Körper auf Grund der veränderten Hormone zunehmend bereit für die Geburt. Das Gewebe verändert sich, Gelenke werden lockerer, um die Geburt zu erleichtern. Ein guter Zeitpunkt, etwas nachzuhelfen.

Die Dammmassage
Nimm etwas Öl (es gibt eigene Dammmassageöle, du kannst aber auch Weizenkeimöl aus der Apotheke nehmen) und führe anfangs einen, später bis zu drei Finger in die Scheide ein. Massiere das Gewebe der hinteren Scheidenwand zum After hin in U-förmigen Bewegungen. Die Scheide sollte auch immer wieder 20-30 Sekunden auseinandergezogen werden, damit das Gewebe wirklich wirksam gedehnt und nicht nur eingeölt wird. Ein leichter Dehnungsschmerz ist normal. Die Dammmassage kann auch von deinem Partner übernommen werden. Es ist außerdem sinnvoll, die Schamlippen in die Massage mit einzubeziehen, denn sie sind manchmal ebenfalls von Rissen oder Abschürfungen betroffen. Hier findest du ein Erklärungsvideo zur Dammmassage.

Hilfsmittel bei der Dammmassage
Mach dir keine Sorgen, wenn du mit der Dammmassage nicht so gut klarkommst: du bist nicht die einzige! Für alle, die – aus welchen Gründen auch immer – die Dammmassage nicht machen wollen oder können, gibt es auch ein technisches Hilfsmittel namens EPI-NO®.
Dabei handelt es sich um einen kleinen Ballon, der in die Scheide eingeführt wird. Danach wird er vorsichtig ganz wenig aufgepumpt und kontrolliert aus der Scheide gedrückt. Mit der Zeit wird der Durchmesser durch das Aufpumpen gesteigert und das Gewebe auf diese Art gedehnt. Auch wenn dabei quasi der Geburtsvorgang simuliert wird, ist es nicht nötig, bis zum Kopfumfang eines Babys zu dehnen! Die Hormone während der Geburt helfen nämlich bei der weiteren Dehnung – es ist nicht sinnvoll, das vorher schon zu Hause zu probieren. Das Gerät wird von manchen kritisch gesehen, andere schwören darauf. Neben dem Verletzungsrisiko muss natürlich – wie bei der manuellen Dammmassage – auf die Hygiene geachtet werden. Das lässt sich mit dem Epi-No relativ einfach durch ein Kondom lösen, das man über den Ballon zieht.
Wie immer gilt: Vorlieben sind verschieden, ebenso wie körperliche Voraussetzungen und Vorgeschichten. Hol dir im Zweifel ärztlichen Rat oder kontaktiere (d)eine Hebamme!
Buchtipp: Die Hebammensprechstunde von Ingeborg Stadelmann

*Quelle: https://www.netdoktor.at/familie/geburt/dammriss-5658

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