Das 1x1 des Wickelns

Tipps und Tricks für das richtige Windelwechseln.

19.Dez 2019
Deutsch

Viele frischgebackene Eltern haben erst einmal einen Heidenrespekt davor, das zarte kleine Etwas, das neu auf der Welt ist, zu wickeln. Sollte es dir auch so gehen: keine Sorge, du bist mit deinen Ängsten nicht alleine! Aber auch ganz ohne Ängste tauchen hin und wieder Fragen auf: welche Unterschiede gibt es bei Mädchen und Jungen? Darf ich das Kind am Bein hochziehen? Brauche ich einen Wickeltisch? So viele Fragen – hier sind die Antworten!


Foto: The Honest Company on Unsplash

Der Wickelplatz

Wickeltische und -aufsätze sind beliebt und durchaus praktisch. Vorteilhaft finden viele den bei den meisten Modellen eingebauten Rand, so dass auch mobilere Babys nicht so leicht vom Tisch kullern können. Zu beachten ist aber eventuell auch, dass genau dieser Rand gern dazu verleitet, das Kind kurz alleine zu lassen – und das sollte man unter gar keinen Umständen tun! Es ist erstaunlich, wie schnell sich scheinbar unbewegliche Babys umdrehen und mit Schwung über Hindernisse bewegen können. Etwas unbequemer für Eltern, aber ebenso praktisch und sehr sicher ist darum das Wickeln auf dem Boden. Wenn du es doch lieber etwas erhöht hast: Auch das Bett, ein Tisch oder die Waschmaschine reichen völlig. Mit einem kuschligen Wickelpolster oder einer anderen Unterlage verwandeln sie sich im Handumdrehen in einen super Wickelplatz.

 

Die richtige Windelgröße

Die Größen- und Kilo-Angaben auf den Packungen der diversen Windelhersteller können ganz schön verwirrend sein und überschneiden sich manchmal auch. Daher taugen sie oft nur zur Orientierung, denn je nach Körperbau des Kindes, Verdauung und Einsatzzeitpunkt können durchaus verschiedene Windelgrößen sinnvoll sein. Nachts ist zum Beispiel wegen des längeren Wickelintervalls eine höhere Saugkraft gefragt. Sofern eine größere Windelgrößenicht zu locker ist, und zum Auslaufen neigt, kann hier der Griff zu einer höheren Gewichtsklasse trotzdem empfehlenswert sein.

 

Das An- und Ausziehen

Ein Thema, das bei vielen schon vor der Geburt relevant ist, denn Baby-Kleidung legen sich die meisten Eltern bereits während der Schwangerschaft zu. Sehr beliebt und praktisch sind Wickelbodys, die, wie der Name schon verrät, um das Baby gewickelt und meistens geknöpft werden. Der große Vorteil: das Kleidungsstück muss nicht über den Kopf gezogen werden. Ein kleiner Nachteil in der kalten Jahreszeit ist vielleicht, dass der Halsausschnitt etwas weiter offenbleibt als bei normalen Bodys. Hier hilft aber natürlich auch ein Jäckchen darüber. Auch gewöhnliche Bodys lassen sich im Schritt knöpfen. Solange die Windel nicht ausgeronnen oder übergegangen ist, reicht das fürs Wickeln zwischendurch auch meistens.

Besonders in den Übergangszeiten ist eine Wärmelampe über dem Wickelplatz eine durchaus sinnvolle Investition, um sich und dem Baby Stress zu ersparen. Vor allem Neugeborene kühlen sehr schnell aus und eine angenehme Wickeltemperatur liegt meistens doch einige Grad über der normalen Raumtemperatur - selbst in geheizten Räumen. Ein weiterer Vorteil: ihr könnt euch beim Wickeln Zeit lassen. Fingerspiele am nackten Bauch, Zehenlutschen und mehr machen in der wohligen Wärme besonders viel Spaß und bringen euch einander näher.

 

Die richtige, Hüftgelenk-schonende Technik

Die Hüftgelenke sind bei Babys noch nicht ausgereift und müssen deswegen besonders geschont werden. Das breite Wickeln, wie es bei Stoffkindern automatisch passiert, ist für die gute Hüftentwicklung zum Beispiel sehr förderlich. Egal wie ihr wickelt, solltet ihr aber jedenfalls darauf achten, wie ihr euren Schatz hochhebt, um die Windel unter den Po bzw. von dort wegzubekommen. „Hochheben“ ist dabei eigentlich auch schon das falsche Wort: idealerweise rollt ihr den Po nur etwas in die Höhe und nach hinten, statt ihn am Bein hochzuziehen. Wichtig ist also, Hüfte und Beine in einer aufrollenden Bewegung zum Kopf des Kindes zu bekommen – probiert am besten aus, wie ihr dazu am besten greift – es bietet sich an, einen Oberschenkel zu greifen und mit dem Unterarm die Kniegelenke zu stützen. Eine andere Möglichkeit ist auch, das Kind auf die Seite zu rollen.

Tipp: auch das Heben über die Seite ist besonders für Neugeborene, die den Kopf noch nicht halten können, empfehlenswert. Das Kind wird dabei nicht aus dem Liegen gerade hochgezogen, sondern erst auf die Seite gerollt und dann nach oben gehoben. So kann der Kopf nicht unangenehm nach hinten fallen.

 

Unterschiede Jungs und Mädchen

Bei beiden ist das vorsichtige Saubermachen wichtig: alle Falten auf Schmutzreste kontrollieren. Bei Jungs keinesfalls die Vorhaut zurückschieben! Bei Mädchen wird die Scheide nur gereinigt, wenn sich dort Stuhlreste befinden und immer nur von vorne nach hinten wischen. Mehr zur Intimpflege bei Babys gibt es in diesem Artikel. Bei Buben darauf achten, dass der Penis nach unten liegt, bevor die Windel geschlossen wird.

 

Wickeln Schritt-für-Schritt:

1. Alle Utensilien (Feuchttücher und/oder Wasser und Lappen sowie frische Windel) griffbereit herrichten, ev. Wärmelampe einschalten

2. Hände waschen

3. Das Baby ausziehen bzw. Body unten öffnen und hochkrempeln

4. Windel öffnen und die Klebestreifen zukleben, damit sie nicht am Kind kleben bleiben und wehtun.

5. Den Po hochrollen

6. Schmutzige Windel zusammenklappen (Profis wischen dabei mit den sauberen Stellen der Windel gleich mal den ersten groben Schmutz weg)

7. Intimbereich mit Feuchttüchern oder feuchten Lappen reinigen

8. Alte Windel weg – neue Windel (mit den Klebestreifen unter dem Rücken) unter den Po legen

Windel schließen und danach kontrollieren, dass die Rüschen der Windel am Oberschenkel auch ordentlich nach außen zeigen – die Windel läuft sonst leicht aus!
Ist der Nabel noch nicht verheilt, kann man die Windel auch umklappen und dann schließen, so dass sie nicht darauf liegt. Zwischen Bauch und Windel sollte etwas Spielraum sein – Genauere Angaben erübrigen sich leider, denn hier hilft, wie so oft, nur eure Erfahrung mit eurem Kind, was die richtige Weite ist, ohne dass etwas ausläuft.

Anziehen, Baby an einem sicheren Ort ablegen und erst danach Hände waschen.

 

(!) Niemals, wirklich unter keinen Umständen, auch nicht ganz kurz, das Kind alleine auf dem Wickeltisch lassen!

 

Übung macht beim Wickeln definitiv den Meister und die Meisterin. Und probieren geht über studieren. In diesem Sinne: einfach ran an die Windel und los geht’s!

   

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