Das Baby kommt! Aber wie?

Gibt’s die perfekte Gebärposition?

17.Dez 2019
Deutsch

Endlich ist es so weit! Nach schier endlosem Warten gehen die Wehen los oder die Fruchtblase ist geplatzt – jedenfalls ist eines klar: das Baby kommt. Ganz gleich ob du eine Hausgeburt vorbereitet hast, im Geburtshaus bist oder dich im Krankenhaus sicher fühlst, ist eine Frage immer die gleiche: In welcher Position kommt das Baby am besten hinaus in die Welt?


Foto: Shutterstock

So einfach lässt sich das auf Grund diverser individueller Faktoren zwar nicht beantworten, allerdings gibt es eine wesentliche Voraussetzung dafür, die beste Gebärposition für sich selbst und sein Kind zu finden. Sie ist eigentlich ganz naheliegend und doch nicht so leicht umzusetzen: die Möglichkeit, sich frei zu bewegen.

Viele Frauen nehmen instinktiv die beste Position ein – vorausgesetzt, man lässt sie. In der Praxis liegen immer noch viele Frauen auf dem Rücken in einem Bett. Das ist für die Begleitperson und das medizinische Personal natürlich praktisch, für Mutter und Kind aber nicht immer von Vorteil. Hinderlich können auch technische Mittel zur Überwachung der Frau oder des Babys sein – zum Beispiel um ein CTG zu machen. Dazu sind Saugelektroden und Kabel erforderlich, die aber teilweise hinderlich für die Mobilität der Frau sein können. Besprich am besten schon bei einer Besichtigung vor der Geburt, ob eine dauerhafte CTG-Überwachung üblich ist und überlege, ob du das möchtest oder nicht.

Zum Glück nehmen viele Krankenhäuser mittlerweile Rücksicht auf die Bedürfnisse der Schwangeren und bieten zahlreiche Möglichkeiten für eine selbstbestimmte Geburt an.

Tatsache ist nämlich: aufrechte Positionen unterstützen den Fortschritt der Geburt am besten, da sie

  • die Schwerkraft nützen,
  • die Atmung erleichtern und
  • die Beweglichkeit des Beckens gewährleisten.

 

Empfehlenswerte Positionen am Beginn der Geburt.

  • Stehend z.B. an einer Sprossenwand oder an der Fensterbank
    In der Eröffnungsphase kann das vorgebeugte, abgestützte Stehen angenehm sein. Auch hier bleibt das Becken beweglich, was wiederum die Geburt unterstützt. Außerdem kann die Begleitperson den Rücken massieren.
  • Hängend am Seil
    In vielen Kreißsälen und Geburtshäusern finden sich von der Decke hängende Seile oder Tücher mit Knoten und Schleifen, an denen man sich festhalten kann. Der Sinn davon ist es, sich während der Wehe im wahrsten Sinne des Wortes hängen zu lassen. Die Gebärende spart sich das kraftraubende Stehen, nutzt die Schwerkraft und hat auch hier den Vorteil der Beweglichkeit. Manche Frauen kombinieren auch etwas Auf-und-ab-Gehen mit dem Anhängen am Seil. Schließlich ist auch das Hängen anstrengend: zwar nicht für die Beine, aber für Hände und Arme.
  • In der Badewanne
    Manche Frauen finden es sehr angenehm, im Verlauf der Geburt in der Wanne zu liegen oder zur Geburt in die Wanne zu gehen. Hier kann die Gebärende liegen oder sich am Beckenrand abstützen.

 

Empfehlenswerte Positionen in der Endphase

  • Der Vierfüßler
    Wie der Name schon verrät, befindet sich die Frau auf allen Vieren am Boden oder aber auch am Bett. Geburtsbetten in Kreißsälen lassen sich auf viele Arten verstellen – nutze das aus und sag deiner Hebamme, wie du dich am wohlsten fühlst!
  • Variante: Auf dem Gymnastikball
    Der Ball ist schon in der Geburtsvorbereitung angenehm und auch eine tolle Sitzgelegenheit in den letzten Wochen der Schwangerschaft, da er die Bewegung des Beckens fördert und bei Kreuzschmerzen lindernd sein kann. Hat der Ball die richtige Größe (wenn du darauf sitzt, sollten Oberschenkel und Unterschenkel einen rechten Winkel bilden), ist auch das Sitzen während der Eröffnungsphase der Geburt angenehm und nützt die Schwerkraft. Die Gebärende kann sich bewegen, aber ohne Gewicht auf den Beinen tragen zu müssen. Der Ball ermöglicht aber auch im Vierfüßler das Abstützen des Oberkörpers während der Wehen. Vorteil: das Becken bleibt locker und beweglich, das leichte Rollen mit dem Oberkörper kann auch sehr angenehm sein. [Quelle und Buchtipp: Die Alchemie der Geburt]
  • Die Hocke/der Geburtshocker
    Du kannst zum einen den Fersensitz mit relativ aufrechtem Oberkörper ausprobieren oder auch leicht vorgebeugt bleiben und dich mit den Armen auf dem Boden (oder Bett) abstützen. Beide Varianten der Hocke haben den Vorteil, dass sie die Schwerkraft voll nutzen und durch leichte Beckenbewegungen das Tieferkommen des Babys unterstützt wird. Außerdem ist durch die Hocke das Becken weiter – das Baby kommt leichter durch. Bei allen Vorteilen ist sie für viele Frauen aber dauerhaft anstrengend. In diesem Fall gibt es einen guten Kompromiss: den Geburtshocker. Hier kann die Frau sitzen und der Partner kann sie von hinten abstützen. Der Hocker ist so speziell geformt, dass Hebamme und anderes medizinisches Personal gut mithelfen können.
  • Die Seitenlage
    Viele Frauen finden diese Position angenehm, weil sie sich so in den Wehenpausen gut ausruhen können. Auch wenn die Gebärende am CTG hängt oder die PDA auf die Beine wirkt, ist diese Haltung vorteilhaft.
  • Die Rückenlage
    Sie ist theoretisch zwar nicht die beste Position, sollte aber trotzdem nicht grundsätzlich verteufelt werden. Sie kann im Verlauf der Geburt bei speziellen Umständen durchaus ihre Berechtigung haben, um dem Kind den Durchtritt im Becken zu erleichtern. Für viele Frauen ist die Rückenlage unter anderem deswegen so unangenehm, weil das Kind auf die große Hohlvene drückt und damit die Versorgung des Babys verschlechtert wird. Am besten hörst du aber auf die Anweisungen der Hebamme, die die Position des Kindes und Köpfchens am besten beurteilen kann.

Versuche, dir, deinen Körpersignalen und denen deines Babys zu vertrauen. Mach das, was sich für dich angenehm anfühlt. Wie auch immer dein Kind am Ende das Licht der Welt erblickt: wir wünschen euch viel Kraft und Freude!

 

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