Das Comeback der Doula

Individuelle Begleitung für die Schwangerschaft, die Geburt und das Leben danach

05.Jul 2019
Deutsch

Während das seit den 1970iger Jahren wiederbelebte Konzept der Schwangerschafts-, Geburts-, und Wochenbettbegleiterin in den U.S.A längst etabliert ist, erfährt die Doula im deutschsprachigen Raum erst seit etwa 10 Jahren ein Comeback.

Schwangere Frau und Doula

Foto: Shutterstock

Woher kommt die steigende Nachfrage nach Doulas?

Geburten wurden in den letzten Jahrzehnten zunehmend in die Kreißsäle von Spitälern verlagert. Dadurch hat sich auch das Berufsbild der Geburtshelferin stark verändert. Ebenso die Bedürfnisse werdender Mamas.
Besonders am Beginn einer Schwangerschaft wünschen sich viele werdenden Mütter persönliche Unterstützung, die über die medizinische Betreuung durch Ärzte oder Hebammen hinausgeht. Genau das zählt zu den Hauptaufgaben von Doulas, die nicht für die medizinische Versorgung, sondern für die emotionale Wegbegleitung und tatkräftigen Beistand der Mama in spe und des Partners zuständig sind. 
 

Renaissance eines typischen Frauenberufes?

Die emotionale und körperliche Begleitung der Schwangeren hat eine Jahrtausende alte Tradition. Lange war dies reine Frauensache, denn als Voraussetzung galt die Geburt von zumindest einem Kind. Erst seit kurzem steht die Ausbildung zur Doula auch Frauen und Männern ohne Geburtserfahrung offen. Männliche Hebammen und Doulas sind allerdings bis heute noch eine Seltenheit. Die Ausbildung wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz über Vereine angeboten. Sie ist nicht staatlich organisiert und muss privat bezahlt werden. Der U.S. amerikanische Verein DONA International ist mit 12.000 Doulas in 50 Ländern die größte und älteste Doula-Vereinigung weltweit. Allerdings deutet diese Zahl im Vergleich mit der Anzahl von Geburten pro Jahr (im Jahr 2018 wurden in Österreich 85.535 Babys geboren, in Deutschland 787.541 Kinder und in der Schweiz gab es 85.253 Neugeborene) stark auf einen internationalen Mangel hin.
Durch den zunehmenden Wunsch nach einer langfristigen und ganzheitlichen Schwangerschaftsbegleitung, ist nun aber die Doula als Vertraute der werdenden Mutter vermehrt im Gespräch.
 

Warum eine Doula?

1. Als Erstgebärende macht sich Angst vor der Geburt in dir breit. Dies wird geschürt durch dein Umfeld und/oder dem üblichen Medienrummel, welcher in dir Unsicherheit erzeugt.

2. Du hast bereits eine schwierige oder traumatische Entbindung hinter dir.

3. Eine kontinuierliche Betreuung und Beratung während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett ist dir wichtig. Neben der 24/7 Möglichkeit einer Ansprache (Rufbereitschaft), möchtest du die diversen Zusatzqualifikationen aus dem Angebot einer Doula für dich und dein Baby nutzen.

4. Du spürst, dass du deinen Partner entlasten musst. Die Beziehung soll nicht unter dem Druck der Umstände leiden.

5. Weil du eine alleinstehende Schwangere bist, ist es dir eine Herzensangelegenheit, durchgehend eine Vertrauensperson an deiner Seite zu haben.

6. Es ist eine komplizierte oder stille Geburt zu erwarten. Krankheit oder Behinderung des Ungeborenen wurde festgestellt.

7. Durch einen geplanten Kaiserschnitt, z.B. wegen einer Mehrlingsgeburt, benötigst du besonders nach der Geburt eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung.

8. Du willst über die Art und Weise deiner Versorgung alleine entscheiden. Über Möglichkeiten was die Schmerzbehandlung betrifft, möchtest du besonders umfangreich informiert sein.
 

Die Aufgabe der Doula ist es, unabdingbar deine Bedürfnisse als werdende und frischgebackene Mama zu respektieren und speziell während der Geburt zu vertreten. Zu einer Konfliktsituation im Kreißsaal – beispielsweise mit der Hebamme - soll es dabei keinesfalls kommen! Die Doula kann gegebenenfalls Stresssituationen entschärfen.

Derzeit werden in Deutschland etwa 100 Doulas pro Jahr ausgebildet, die im Schnitt weniger als je 10 Geburten jährlich begleiten können. Das Etablieren von Doula-Zentren wie in den U.S.A wäre eine Möglichkeit, die Dienstleistung der Doula als Ergänzung zur Hebamme effizienter und leistbarer zu machen.

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