Das dritte Kind läuft mit?

Blog-Gastartikel: Von guten Eltern

19.März 2016
Deutsch

Gastautorin Anja von vonguteneltern.de über ein altbekanntes Vorurteil in Sachen Drittkind. 

Das dritte Kind läuft mit?

Foto: © Vonguteneltern.de

Als unser drittes Kind unterwegs war, gab es immer wieder nicht erbetene Kommentare und „kluge“ Lebensweisheiten, die uns zum Teil sogar von fremden Leuten an den Kopf geworfen wurden. Häufiger bekamen wir auch zu hören: „Ihr habt ja schon zwei Kinder. Da läuft das dritte dann doch einfach mit“.

Diese Logik erschloss sich mir schon vor der Geburt nicht. Aber spätestens danach war klar, dass jedes Kind mehr eine - wenn auch wunderschöne - Herausforderung für die ganze Familie bedeutet. Dieser neue kleine Mensch, der in unsere Familie hineingeboren wurde, ließ sich natürlich auch als Drittkind weder irgendwo einfach mal eben ablegen, noch lief er irgendwo mit. Auch dieser kleine Mensch brachte seine im Babayalter nun mal sehr hohen Bedürfnisse mit, ganz so wie unsere anderen beiden Kinder, die aber gleichzeitig natürlich auch noch kleine Kinder bleiben und damit auf unsere Nähe und Fürsorge angewiesen sind. Vieles fällt einem als Eltern sicherlich leichter, wenn man das zweite, dritte oder vierte Kind bekommt. Man hat in der Regel mittlerweile einen zu hohen Perfektionsdruck abgelegt und ist in vielem entspannter. Aber man hat gleichzeitig auch wesentlich mehr zu tun und die Zeit für einen selbst wird – zumindest anfangs – noch einmal deutlich eingeschränkt. Doch die kleinen Erholungspausen werden auch gleichzeitig umso wichtiger, damit man seine Energietanks immer gut genug gefüllt hat, um den Alltag mit mehreren Kindern gut zu bewältigen.

Die Theorie von dem mitlaufenden Kind scheint aber weit verbreitet zu sein, denn die nach der Geburt aus dem Umfeld von Freunden und Familie angebotene Hilfe fällt mit jedem weiteren Kind geringer aus. So erlebe ich das auch oft als Hebamme in der Wochenbettbetreuung. Während man beim ersten Kind den Besucheransturm oft ein bisschen reglementieren muss, damit die Wöchnerin genug Ruhe bekommt, kommt bei weiteren Kindern eher selten jemand, der mal spontan kocht oder sich mit dem älteren Geschwisterkind beschäftigt. Dabei ist es doch irgendwie so logisch: Je mehr ich zu tun habe, umso mehr Unterstützung kann ich gebrauchen. Das gilt gerade in so sensiblen Zeiten, wie es die ersten Wochen nach der Geburt eines Babys nun mal sind.

Uns haben in den ersten Wochen nach der Geburt vor allem die Freunde unterstützt, die selbst schon vier Kinder haben. Nicht nur, dass meine Freundin mitten in der Nacht kam und erst für mich und dann für unsere großen Töchter da war, als der Sohn zu Hause vor dem Sofa geboren wurde. Sie brachten uns außerdem noch gekochtes Essen vorbei und nahmen unsere Mädchen mit auf den Spielplatz und ließen sie bei sich übernachten. Das war eine wunderbare Unterstützung damals. Dabei sind sie mit vier eigenen Kindern ja auch nicht gerade von Langerweile geplagt gewesen. Aber sie wussten halt auch genau, wie das ist, wenn manche Menschen denken, dass das dritte Kind einfach so mitläuft.

Sende diese Seite an einen Freund