Das erste Trimester ist ein Hund

Blog Gastartikel: Little Paper Plane

30.Okt 2018
Deutsch

Vor dem Glow im zweiten und der Unbeweglichkeit im dritten Trimester kommt erstmal die bleierne Müdigkeit gepaart mit Übelkeit vom ersten Trimester. Gastautorin Evelyn vom Blog Little Paper Plane findet, dass diese ersten drei Monate einer Schwangerschaft definitiv die undankbarsten sind.

Das erste Trimester ist ein Hund

Zwei Striche am Schwangerschaftstest. Endlich. Angst, Freude, Zuversicht und Übelkeit. Die Gefühle überschwappen mich mit einer Wucht, die undenkbar erscheint. Und für einen ganz kurzen Augenblick ist das mein Geheimnis. Unser Geheimnis. Nur ich weiß, dass es dich gibt. Ein kleines Pünktchen Hoffnung in dieser großen Welt. Mein Pünktchen.

Mit einer Schwangerschaft beginnt eine Reise, die wir Frauen alleine bestreiten müssen. Auch wenn der Partner hinter uns steht und für uns Bäume ausreißen würde, wir stecken da irgendwie alleine drinnen. Das ist zumindest mein Gefühl.

Ich bin jetzt zum zweiten Mal schwanger und habe das erste Trimester zum zweiten Mal hinter mir. Naja, genau genommen zum dritten. Denn vor meiner Tochter hatte ich eine Fehlgeburt in der neunten Schwangerschaftswoche. Gerade deshalb weiß ich, dass diese ersten drei Schwangerschaftsmonate eine Zeit sind, die wirklich nicht einfach für uns Frauen ist.

Da wäre zum einen diese permanente Angst, denn man kann das Baby ja noch nicht spüren. Jedes Ziepen, jedes Ziehen wird auf die Waagschale gelegt, jeder kleinste Krampf löst Panik aus, denn die ersten zwölf Wochen sind nun mal entscheidend.

Und mit all dem muss man fertig werden, während man von Übelkeit, Schwindel und dieser bleiernen Müdigkeit geplagt wird, die man sich nicht vorstellen kann, wenn man sie nicht durchlebt hat. Ohne, dass man den Platz in der U-Bahn angeboten bekommt, ohne, dass Rücksicht auf einen genommen wird, ohne, dass es sichtbar ist.

Für mich war das erste Trimester immer unterschiedlich mit einem gemeinsamen Nenner: Es ist die undankbarste und zähste Zeit einer Schwangerschaft. Bei meiner Tochter war mir schrecklich übel und nach der Fehlgeburt war die Angst ein ständiger Begleiter. Ich musste morgens auf dem Weg in die Arbeit oft von der U-Bahn aussteigen, weil mir vom Geruch anderer Leute so schlecht wurde und das Einzige, das mir durch die drei Monate der Übelkeit half, war Ingwertee – den ich jetzt dafür nicht mehr sehen oder riechen kann.

Als ich dieses Jahr schwanger wurde hatte ich wieder vor dem flauen Gefühl im Magen Angst, doch dieses Mal hielt es sich in Grenzen. Vielmehr war ich so müde, dass ich kaum morgens vom Bett aufstehen konnte – was sich mit einem Kleinkind als recht schwierig erweist.

Nach zwei Schwangerschaften und insgesamt über einem halben Jahr im ersten Trimester kann ich nun definitiv sagen: Das erste Trimester ist ein Hund.

Es ist vor allem auch deshalb eine seltsame Zeit, weil das Umfeld noch nicht ahnt, dass wir ein kleines Wunder unter unserem Herzen tragen. Wir müssen nämlich - trotz all der Wehwehchen - einfach so tun, als sei alles in bester Ordnung. Wohl wissend, dass in wenigen Monaten unsere ganze Welt Kopf stehen und sich alles verändern wird.

Klar, jede Schwangerschaft und jede werdende Mama ist anders. Jeder reagiert auf verschiedene Art und Weise auf die ersten drei Monate mit dem Zwucki im Bauch. Doch egal wie man es dreht und wendet, es ist eine besondere Zeit. Eine Zeit der Erwartungen, Hoffnungen, Ängste, des Geheimhaltens und der Überraschungen.

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