Das Leben mit drei Kindern: eine Achterbahnfahrt

Blog Gastartikel: Juli von Doppelkinder

30.März 2020
Deutsch

„Ich bin mit dem dritten Kind noch entspannter geworden“, dachte Juli vom Blog Doppelkinder sich kürzlich noch. Nur um im nächsten Moment mal wieder festzustellen, dass Mamaglück und fließende Tränen oftmals Hand in Hand gehen. Wie das Ganze erst beim Leben mit drei Kindern ist, beschreibt sie in ihrem Gastartikel.

Juli vom Blog Doppelkinder

Foto: Doppelkinder

Wir sind zu fünft

Wenn ich erzähle, dass ich Mama von drei Kindern bin, entfährt den Leuten oft ein „Wow!“. Und wenn ich uns hier Zuhause allesamt durchzähle, kann ich selbst es manchmal kaum glauben: Wir sind fünf. Fünf Menschen, die gemeinsam leben. Ich weiß, es gibt Familien, mit wesentlich mehr Kindern. Doch das Leben mit drei Kindern schneit für viele schon ganz schön viel. Aber fühlt es sich danach an?

Offen gestanden ist das extrem von der Tagesform abhängig. Als ich mir gestern Notizen zu diesem Artikel gemacht habe, gingen sie in die Richtung, dass ich mit dem weiteren Kind, das dazu gekommen ist, enorm an Tiefenentspanntheit dazugewonnen habe. Heute habe ich bereits einmal schluchzend im Flur gestanden, weil ich das Gefühl hatte, nichts läuft nach Plan, niemand hört auf meine Bitten und ich bin selbst zum Schlafen zu müde.
 

Machen wir etwas verkehrt?

Und genauso ist es mit drei Kindern: Eine Achterbahnfahrt. In der einen Kurve will ich vor Spaß und wundervollem Bauchkribbeln jubeln und schreien, in der nächsten habe ich das dringende Bedürfnis sofort anzuhalten und auszusteigen, weil es dann doch irgendwie zu viel ist. Manchmal reicht ein Looping des Elternlebens, um aus „himmelhochjauchzend“ ein von Tränen benetztes Taschentuch zu machen. Bedeutet das, dass wir etwas verkehrt machen?

Nein, es bedeutet einfach nur, dass wir leben – und zwar sehr intensiv. Dass wir jeden Tag Bedürfnisse austarieren und To-dos jonglieren. Dass wir Dinge versuchen, daran scheitern, hinfallen, wieder aufstehen und dann im Hopserlauf weitermachen. Also das Leben leben. Und Kinder machen es nun mal intensiver, da genügt auch schon eines.

Hier leben nun drei. Und aller Anstrengung zum Trotz stelle ich unheimlich oft fest, dass ich tatsächlich gelassener geworden bin. Situationen, die ich früher mit den Zwillingen anstrengend fand, werden jetzt zumeist erst nervig, wenn drei von drei Kindern schreien. Sicherlich, die Herausforderungen werden sich ändern, das tun sie ja nahezu täglich. Noch trage ich das Baby meist mit mir herum, stille es, wo wir gehen und stehen, unterhalte es zwischendurch mit Schnalz- und Pupsgeräuschen und wenn ich vormittags mal ins Café gehen möchte, liegt es auf der Bank neben mir und beglückt die Menschen um uns herum mit seiner bloßen Anwesenheit.

Aber aus dem Baby wird ein Krabbler, aus den Kita-Zwillingen Schulkinder. Und wir Mamas und Papas? Wir wachsen mit. Strecken uns in Lebenssituationen, für die wir uns zu klein fühlen, noch ein Stückchen und wachsen einmal mehr über uns hinaus. Geht das immer schmerzfrei vonstatten? Nein, denn so ist es mit Wachstum und Veränderung zumeist. Aber danach sind wir ein Stückchen größer oder ein bisschen weiter. Wie man dabei insbesondere im Familienalltag mit Söhnen gelassen bleiben kann, darüber habe ich ein Buch geschrieben, das jetzt im Handel erhältlich ist: Starke Jungs brauchen entspannte Eltern.
 

Wir alle brauchen Unterstützung

Umso wichtiger ist für Familien – also auch für uns – dass wir nicht alleine sind. Dass wir Menschen haben, denen wir mal eben eine Sprachnachricht schicken können, in der wir uns mit sämtlichen ungehobelten Schimpfwörtern schnell etwas Luft machen können. Menschen, die kommen und uns ihre Arme zur Verfügung stellen, wenn unsere nicht reichen oder müde geworden sind. Ich habe nicht unbedingt Massen um mich herum beim Managen unserer Familie. Doch ich möchte in Zeiten, in denen es holprig wird, wissen, dass ich um Unterstützung bitten kann. Deshalb feile ich gerade daran, jetzt, da es mir gut geht. Und ich lasse los: Verpflichtungen, die gar keine sind, Maßstäbe, in die wir nicht mehr hineinpassen, und Kram, den wir nicht mehr brauchen. Manchmal benötige ich dafür Mut. Doch zum Glück ist der Mut als Mama recht erprobt.

Das habe ich selbst spätestens dann bewiesen als ich hochschwanger auf Urlaub gefahren bin. Aber mehr dazu in diesem Artikel.

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