Das späte Wochenbett

Blog Gastartikel: Von guten Eltern

07.Dez 2018
Deutsch

Gastbloggerin Anja vom Blog Von Guten Eltern schreibt über die späteren Wochen nach der Geburt. Denn das Wochenbett ist manchmal eben nicht schon nach zwei Wochen vorbei.

Das späte Wochenbett

Immer wenn ich als Hebamme werdende Eltern im Geburtsvorbereitungskurs frage, wie lange das Wochenbett wohl dauert, gibt es ähnliche Antworten. Meist wird gar nicht erst von Wochen, sondern eher von Tagen nach der Geburt gesprochen. Mal sind es vierzehn, mal auch nur zehn oder sieben Tage. Nur ganz selten äußern Kursteilnehmer vorsichtig fragend, dass es vielleicht auch drei oder vier Wochen dauern könnte. Wenn ich dann erzähle, dass die Wochenbettzeit mindestens sechs bis acht Wochen dauert, gibt es oft erstaunte Blicke und Rückmeldungen.
 

Zeit zum Ankommen, Erholen und Heilen

Die Mutter soll sich im Wochenbett in erster Linie von den körperlichen Veränderungen und Belastungen erholen. Mögliche Geburtsverletzungen oder auch eine Kaiserschnittnarbe müssen heilen. Die Gebärmutter bildet sich zurück und der Wochenfluss setzt ein. Darüber hinaus finden noch zahlreiche weitere körperliche Veränderungen statt. Viele davon brauchen auch weitaus länger als die achtwöchige Wochenbettzeit. Und für die Regeneration und Kräftigung des Beckenbodens und der Körpermitte muss man überhaupt wesentlich mehr Zeit einkalkulieren.

Im Wochenbett spielt sich außerdem das Stillen ein und auch dafür brauchen Mutter und Kind ausreichend Zeit, Ruhe und bei Schwierigkeiten sinnvolle Unterstützung. Das Stillverhalten des Babys verändert sich genau wie die Milchbildung selbst immer wieder in dieser Zeit. Der Körper arbeitet auf Hochtouren, um Muttermilch zu produzieren und das Kind damit zu versorgen.

Das Wochenbett ich auch die Zeit des Ankommens. Ankommen im Familienleben und in einem ganz neuen Alltag für alle Mitglieder. Eltern müssen ihr Kind kennenlernen. Es ist durchaus normal, dass vielleicht auch die Nächte unruhiger und schlafloser werden. Man lernt in dieser Zeit sich auf den Rhythmus des Kindes einzulassen und den Tag so gut es geht danach zu gestalten. 

Das heißt, dass auch die Mutter am Tage schläft. Mit jedem Kind mehr in der Familie wird diese Herausforderung größer. In diesem Fall ist es wichtig, sich zu verdeutlichen, dass das Wochenbett eben nicht nach zwei oder drei Wochen schon vorbei ist. Oft ist aber leider der Urlaub des Partners dann vorbei. So stehen viele Mütter kurze Zeit nach der Geburt schon einen großen Teil des Tages alleine mit den Herausforderungen des Babyalltags da. 

Deshalb ist es sinnvoll, schon vor der Geburt die Wochenbettzeit und auch wirklich die nächsten Wochen, nicht nur ein paar Tage nach der Geburt, so zu planen, dass sich die Wöchnerin auch angemessen erholen kann. Haushalt, Einkaufen und Essen kochen sollte in dieser Zeit idealerweise von anderen übernommen werden. Und auch Ausflüge oder Besuche sollten wochenbettgemäß geplant oder bei Bedarf auch ganz abgesagt werden. 

Es ist natürlich immer individuell, wie sich Mütter nach der Geburt fühlen. In den meisten Fällen profitieren aber alle Frauen von einer guten Unterstützung nach der Geburt. 

Im späteren Wochenbett wird der Wunsch dann meist größer, auch mal rauszukommen. Der moderate Spaziergang mit Zwischenstopp im Café ist aber sicherlich die schonendere Version als zum Beispiel der Samstagsausflug ins Shoppingcenter. 

Auch das Verarbeiten der Geburt findet oft erst später statt, wenn sich alles schon etwas im Babyalltag eingespielt hat. Vielleicht gibt es hier noch Bedarf, über das Erlebte zu sprechen und manchmal ist auch externe Unterstützung bei der Verarbeitung hilfreich. Manche Frauen brauchen einfach etwas Zeit, um sich von der Schwangerschaft zu verabschieden. Der Bauch fühlt sich immerhin recht plötzlich leer und anders an. Und auch die Babys zeigen ihr Gebärmutterheimweh oft durch ein hohes Nähebedürfnis oder ausgedehntere Schreiphasen.

Generell sollten Eltern also nicht zu schnell zum Alltag übergehen und die Entschleunigung des Wochenbettes noch etwas beibehalten. 

Sende diese Seite an einen Freund