Das verfluchte Handy

Blog Gastartikel: Micky von Salonpapa

30.Dez 2019
Deutsch

Das Handy ist immer mit dabei und im Alltag unser ständiger Begleiter. Doch was ist an diesem kleinen leuchtenden Ding eigentlich so besonders, dass wir es andauernd vor unsere Nasen halten und dem persönlichen Gespräch – auch mit Kindern – vorziehen? Die Frage stellen sich unbewusst nicht nur unsere Kinder, sondern auch Micky von Salon Papa. Er versucht sich im richtigen Umgang mit dem Smartphone und merkt dabei, dass es nicht mehr möglich ist, das Handy aus unserem Alltag komplett wegzulassen.

Papa mit Baby

Foto: Salon Papa

Wir lieben und wir hassen es, wir wollen es nicht permanent dabei haben, aber trotzdem ist es immer präsent. Die Rede ist vom Handy, das allgegenwärtig in unserem Alltag integriert ist und das wir - auch wenn wir es uns so sehr vornehmen – nur schwer weglassen können.

Jeder kennt das Szenario: Wir sitzen mit Freunden zusammen und plaudern, dann wird das Handy herausgeholt und nebenbei eine Nachricht geschrieben oder gelesen. Dennoch können wir es bei Freunden ansprechen oder ein handyfreies Dinner vorab mit ihnen planen.

Aber wie fühlen sich die Kleinen, wenn Mama und Papa das Handy dem Gespräch mit dem Kind vorziehen. Wenn noch schnell ein Blick aufs Handy geworfen, eine Nachricht geschrieben oder ein Anruf getätigt wird. Und dabei bleibt es ja dann meist nicht mal. Es wird die Uhrzeit geprüft, nachgeschaut, wann der nächste Termin ist, die Mails geöffnet – und vielleicht kurz geantwortet – und auf Instagram durch die letzten Bilder gescrollt.
 

Aber sind wir uns bewusst, was das für unsere Kinder bedeutet, wenn wir der Verlockung des brummenden Smartphones nicht wiederstehen können?

Dass die Smartphone Nutzung Auswirkungen auf die Eltern-Kind Beziehung hat ist klar, in wie weit wird momentan von Psychologen, Soziologen und Pädagogen untersucht. Fakt ist, dass das Bild überall gleich aussieht und dass Eltern weniger mit dem Kind im Kinderwagen reden als in das Smartphone am Ohr.

Meiner Frau und mir ist das in unserem letzten Urlaub in Bad Gastein aufgefallen, als wir täglich den Kinderwagen über die Promenade geschoben haben und es hat uns zum Nachdenken gebracht.
Wie oft verwenden wir unser Telefon, wenn unsere Tochter Rosa dabei ist und wie reagiert sie, wenn wir das Handy in der Hand haben und unsere Aufmerksamkeit nicht ganz bei ihr liegt? Wir sind um Nichts besser als alle anderen, war unser Conclusio. Das Handy kann man heute nicht mehr aus dem Alltag weglassen. Es wäre eine Illusion zu sagen, dass wir es nie dabei haben. Auch wir entscheiden uns nicht für Rosa oder für das Handy. Aber der nachhaltige Umgang ist das was wir in unserer gemeinsamen Zeit und in der Zeit mit unserer Tochter leben wollen.
 

Bei vielen Gesprächen durch die Gasteiner Berge haben wir uns auf folgende Family-Handy-Rules geeinigt:
 

Handyfreie Zonen

Wir müssen beide mehr darauf achten, dass es handyfreie Zonen gibt und diese auch eingehalten werden. Seit ein paar Monaten isst Rosa bei uns am Tisch. Also gibt es da kein Handy. Frühstück, Mittagessen oder Abendessen ist eine Zeit, in der wir zusammenkommen und uns austauschen. Da wollen wir keine anderen Personen über das Telefon an den Tisch holen. Telefonate waren immer schon tabu, aber jetzt vermeiden wir es auch „schnell etwas nachzuschauen!“
 

Dringlichkeit

Meine Mutter ist das beste Beispiel dafür, mehrmals hintereinander anzurufen und von ihrem Tag zu erzählen. Ich will zwar gerne für sie da sein, aber in der Rosa-Papa Zeit gilt es abzuwägen wie wichtig ein Anruf ist und ob er sofort beantwortet werden muss. Deshalb versuchen wir zwischen dringlichen und unwichtigen Anrufen zu unterscheiden.
 

Lautlos

Abgesehen davon, dass uns das andauernde Gebrumme und Geklingel von vielen vielen Telefonen im Supermarkt, im Hotel, am Bahnhof, auf der Straße und sogar am Berg auf die Nerven geht, haben wir uns für „lautlos“ entschieden. So entkommen wir in jedem Fall der Versuchung immer nachzuschauen, weil das Handy vibriert oder klingelt. Und ganz ehrlich – eine Auflistung aller entgangenen Anrufe und Nachrichten tut es auch.

Das Handy weglassen oder erst rausnehmen, wenn Rosa schläft ist eine Illusion und wäre nicht immer tatsächlich umsetzbar. Es geht darum, das Handy kindgerecht im Alltag zu integrieren und Rosa nicht das Gefühl zu geben, dass das kleine leuchtende Kasterl das Wichtigste auf der Welt ist.
Richtig machen kann man sowieso nicht alles, das weiß ich mittlerweile. Aber ich kann versuchen die beste Papa-Version für unsere Rosa zu sein. Dabei muss ich übrigens auch jede Menge Ängste überwinden. Welche mich da ganz besonders beschäftigen, könnt ihr unter „Auch Papas haben Ängste“ nachlesen.

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