Dein medizinischer Fahrplan durch die Schwangerschaft

Ein Überblick über die Vorsorgeuntersuchungen

21.Nov 2019
Deutsch

In Deutschland sind im „Mutterpass“, in Österreich im „Mutter-Kind-Pass“ diverse Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere vorgesehen. Teilweise kann einen schon das Gefühl beschleichen, dass man krank ist und kein Kind erwartet, so viele Arztpraxen und Befunde bekommt man in den ersten Wochen zu sehen. Ist das wirklich sinnvoll? Durchaus. Auch wenn eine Schwangerschaft ein normaler, natürlicher Vorgang ist, verändert sich der Körper der Frau enorm. Und immerhin wächst ein neues Lebewesen heran. Dank modernster technischer Mittel und jeder Menge Wissen ist es heute möglich, Veränderungen früh zu erkennen und zu stoppen, noch bevor sie Probleme verursachen. Wir geben euch einen Überblick, was wann untersucht wird.
(Aber Achtung: Die Regelungen ändern sich! Wir zeigen euch hier den Stand Oktober 2019.)
 


Foto: Devon Divine on Unsplash

Die Schwangerenvorsorge in Deutschland

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat in der aktuellen Fassung von März 2019 in den „Mutterschafts-Richtlinien“ festgehalten, wie Frauen während der Schwangerschaft betreut werden sollen.* Explizites Ziel ist es, Risikoschwangerschaften und -geburten möglichst früh zu erkennen und entsprechende Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Jede Schwangere hat das Recht auf ärztliche Betreuung.

Wichtig: viele Untersuchungen können auch von einer Hebamme durchgeführt werden!

Schnellstmöglich wird eine Erstuntersuchung durchgeführt.
Sie besteht aus einem ausführlichen Gespräch sowie Untersuchungen von z.B. Blut und Harn:

  • Aufnahme allgemeiner Informationen (Anamnese) zur Schwangeren, ihrer Familie, Arbeit & Soziales (vorangegangene Operationen, Schwangerschaften, Erbkrankheiten, Mutterschutzfragen)
  • Allgemeinuntersuchung (Infektionskrankheiten, Blutgruppe etc.) & Beratung zu Ernährung, Mundhygiene, Impfungen, HIV
  • gynäkologische Untersuchung inklusive Untersuchung auf eine Chlamydien-Infektion
  • Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesusfaktors
  • Blutdruckmessung
  • Feststellung des Körpergewichts
  • Urin-Analyse (Eiweiß und Zucker)
  • Hämoglobinbestimmung
  • bakteriologische Urin-Analyse wenn erforderlich
  • bei genetisch bedingtem Risiko Beratung zu weiteren Untersuchungen

 

Weitere Untersuchungen ca. alle 4 Wochen:

  • Blutdruckmessung
  • Gewichtskontrolle
  • Urin-Analyse (Eiweiß und Zucker)
  • Hämoglobinbestimmung
  • bakteriologische Urin-Untersuchungen wenn erforderlich
  • Kontrolle des Stands der Gebärmutter
  • Kontrolle der Lage des Kindes und der Herztöne

Zwischen der 25. und der 28. SSW können Schwangere, einen Test zur Früherkennung von Schwangerschaftsdiabetes machen. Ist dieser Test auffällig, wird sobald wie möglich ein „oraler Glukosetoleranztest“ (oGTT) durchgeführt.

In den letzten 2 Schwangerschaftsmonaten sind je 2 Untersuchungen vorgesehen. Außerdem wird das Blut auf Hepatitis B gecheckt. 

Außerdem sind Ultraschalluntersuchungen in bestimmten Schwangerschaftswochen (SSW) vorgesehen:
1. Screening im 3. Monat: SSW 8 + 0 bis 11 + 6
2. Screening im 6. Monat: SSW 18 + 0 bis 21 + 6
3. Screening im 8. Monat: SSW 28 + 0 bis 31 + 6

Kleiner Exkurs: Rechnung von Schwangerschaftswochen: Die Schwangerschaft wird, wenn es ganz genau sein soll, in vollendeten Wochen plus Tagen angegeben. 8 + 0 heißt also: du bist genau 8 Wochen schwanger. Am nächsten Tag bist du bei 8 + 1. Nach 8 + 6 folgt dem System nach also eine neue Schwangerschaftswoche, die wieder mit 9 + 0 mit der tageweisen Rechnung beginnt.

Genaue Informationen zum Zweck und Umfang der Ultraschalluntersuchungen findest du übrigens auf den Seiten des Bundesausschusses

Zusätzlich wird Schwangeren der sogenannte „Ersttrimester-Test“ angeboten. Dabei wird die Dicke der Nackenfalte des Kindes im Ultraschall kontrolliert, sowie bestimmte Blutwerte der Mutter überprüft. Aus der Kombination dieser Ergebnisse wird errechnet, ob ein erhöhtes Risiko für eine Chromosomen-Veränderung beim Kind besteht. Arzt bzw. Ärztin sind verpflichtet, die Schwangere über den Test genau zu informieren und im gegebenen Fall über weitere invasive Untersuchungsmethoden (z.B. die Fruchtwasserprobe) aufzuklären. Das Ersttrimester-Screening darf nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Schwangeren erfolgen, es ist nicht verpflichtend!

Die Mutterschafts-Richtlinien regeln diverse Untersuchungen, aber auch andere „Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)“ sind möglich. Das kann der Fall sein, wenn ein spezielles Risiko besteht, aber auch auf Wunsch der Schwangeren. Dazu gehört unter anderem der Toxoplasmose-Test. Kläre vorher in deiner Ordination oder bei deiner Krankenkasse, ob ein ausreichender Grund vorliegt, damit die Kosten übernommen werden.

Alle Ergebnisse und relevante vorangegangene Befunde werden im Mutterpass dokumentiert. Es wird empfohlen, dass Schwangere für den Notfall den Mutterpass immer bei sich führen.

 

Die Schwangerenvorsorge in Österreich

Seit 1974 gibt es in Österreich den Mutter-Kind-Pass, der nicht nur Untersuchungen der Schwangeren regelt, sondern auch des Kindes bis zum 4. Lebensjahr.
Achtung: Die Durchführung der Untersuchungen hat rechtliche Konsequenzen. Das Kinderbetreuungsgeld wird nur dann ausgezahlt, wenn die Schwangere alle 5 vorgesehenen Untersuchungen bei sich, sowie 5 Untersuchungen beim Kind bis zum 14. Lebensmonat machen lässt.** Die ärztliche Bestätigung im Mutter-Kind-Pass muss dazu an die Krankenkasse geschickt werden.

1. MuKi-Pass-Untersuchung: bis zur 16. SSW
Wie in Deutschland sollte möglichst bald ein Gespräch mit einem Gynäkologen bzw. einer Gynäkologin stattfinden, in dem die genaue Anamnese festgehalten wird, Risiken und Vorerkrankungen geklärt werden, Blut abgenommen wird sowie eine gynäkologische Untersuchung mit Abstrich erfolgt. Oft wird auch der Urin analysiert. Der wahrscheinliche Geburtstermin wird auf Basis der Zyklusangaben der Frau und eventuell eines Ultraschalls festgehalten. Eine Ultraschall-Untersuchung wird empfohlen, sie ist aber nicht verpflichtend. Kläre vorher eventuelle Kosten in der Ordination ab! Beim Bluttest werden auch der Rötel-Titer und Toxoplasmose-Antikörper bestimmt und damit abgeklärt, ob die Schwangere ein erhöhtes Risiko hat. Das kann Auswirkungen auf einen vorzeitigen Mutterschutz und/oder deine Ernährung und den Umgang mit (Haus-)Tieren haben.

Die 1. MuKi-Pass-Untersuchung muss bis zum Ende der 16. SSW stattfinden.

2. MuKi-Pass-Untersuchung: ca. 17.-20. SSW
Neben einer erneuten gynäkologischen Untersuchung werden auch das Körpergewicht und der Blutdruck wieder kontrolliert. Eine Ultraschall-Untersuchung wird zwischen der 18. und 22. Woche empfohlen – man kann den 2. MuKi-Pass-Termin auch so legen, dass diese gleich mitgemacht wird. Wahrscheinlich werden dieses Mal auch die Befunde vom ersten Mal besprochen. Wie auch immer das Ergebnis ist: es ist jetzt jedenfalls eine weitere interne Untersuchung vorgesehen, die bei Hausarzt oder -ärztin bzw. Internisten oder Internistin gemacht werden kann.

Zwischen der 18. und 22. Woche können Schwangere im Rahmen des MuKi-Passes auch eine kostenlose Beratung bei einer Hebamme in Anspruch nehmen. Nähere Infos und Hebammen in deiner Nähe findest du hier.

3. MuKi-Pass-Untersuchung: ca. 25.-28. SSW
Die letzte Blutuntersuchung wird gemacht: diverse Werte wie Eisen, Blutkörperchen, Toxoplasmose und Hepatitis werden kontrolliert.
Jetzt findet auch der Glukosetoleranztest statt, um Schwangerschaftsdiabetes auszuschließen. Der Test ist harmlos, es muss nur etwas Zeit dafür eingeplant werden, da über den Zeitraum von ca. 2 Stunden die Zuckerwerte im Blut gecheckt werden. Den Test führen Internisten, Hausärzte und Labore direkt durch.

4. MuKi-Pass-Untersuchung: ca. 30.-34. SSW
Das vielleicht Wichtigste bei diesem Termin ist die Kontrolle der Lage des Kindes. Tipp: es empfiehlt sich, den Termin eher früher zu machen – falls dein Baby falsch herum liegt, kann man besser eingreifen. Nach der 34. Woche wird eine Manipulation der Lage bedingt durch die Größe des Kindes sehr schwer. Ein Kaiserschnitt ist dann wahrscheinlich.

5. MuKi-Pass-Untersuchung: ca. 35.-38. SSW
Mit einem Abstrich und einer genauen Analyse wird getestet, ob eine Pilz- oder Bakterieninfektion vorliegt, die vor der Geburt noch behandelt werden muss. Nutze die Chance, noch offene Fragen zur Geburt, Abläufen im Krankenhaus oder nach der Geburt zu klären – bald kommt dein Baby! Am errechneten Geburtstermin wirst du wahrscheinlich ins Krankenhaus kommen müssen, damit ein Kontroll-CTG durchgeführt werden kann. Besprich die genaue Vorgehensweise in der Ordination.

 

In der Schweiz gibt es kein offizielles, nationales Programm, aber diverse Untersuchungen, die von der Krankenkasse übernommen werden. Eine Übersicht gibt das Luzerner Kantonsspital hier (Stand: 10/2019)

Aber jetzt genug von all den Untersuchungen –
Wir wünschen dir einfach eine unbeschwerte Kugelzeit!

 

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*Quelle (Stand 10/2019): https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1829/Mu-RL_2019-03-22_iK_2019-05-28.pdf
**Quelle (Stand 10/2019): https://www.oesterreich.gv.at/themen/familie_und_partnerschaft/geburt/5/Seite.082201.html

 

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