Dem Kind die Zeit geben, die es braucht

Blog Gastartikel: Von Guten Eltern

01.Sep 2016
Deutsch

Gastbloggerin und Hebamme Anja vom Familienblog Von Guten Eltern erzählt uns heute warum man sich von keiner Baby Entwicklungstabelle der Welt aus der Ruhe bringen lassen sollte.  

Dem Kind die Zeit geben, die es braucht

Foto: Shutterstock 

Eine Mutter erzählte mir gestern, dass in ihrer Babyspielgruppe die Kursleiterin in der Vorstellungsrunde darum bat, nicht das Alter des Kindes zu nennen. Und ohne unmittelbar dabei gewesen zu sein, konnte ich förmlich spüren, welche Erleichterung dies für so manche Mutter gewesen sein muss. Insbesondere für jene Mütter, deren Kinder sich in den Entwicklungstabellen nicht im vorderen oder mittleren Bereich befinden, sondern einfach den physiologischen Entwicklungszeitraum voll ausschöpfen in manchen Punkten. Dafür sind sie vielleicht an anderer Stelle schneller entwickelt. Eine tatsächliche Entwicklungsverzögerung mit Handlungsbedarf liegt nur selten vor, wenn Eltern sich Sorgen machen, ob sich ihr Kind altersgerecht entwickelt. Aber gerade, wenn man – trotz aller guten Vorsätze – damit beginnt zu vergleichen, gerät man schnell in eine Stressmühle.

Darum ist es eigentlich sehr sinnvoll, einfach gar nicht erst zu wissen, wie alt denn das Baby dort neben meinem eigenen Kind ist. Denn Größe oder Statur allein sagen wenig aus. Manche Kinder kommen leicht und zart auf die Welt, andere sind eher groß und kräftig. Und genauso wie die Kinder schon bereits im Bauch unterschiedlich wachsen, so entwickeln sie sich auch nach der Geburt unterschiedlich. Deshalb ist das Vergleichen eigentlich kompletter Unsinn! Aber auch ich konnte mich – zumindest beim ersten Kind – nicht davon frei machen, auf das Kind zu schauen, was am selben Tag geboren war und schon krabbelte oder irgendeinen anderen Entwicklungsschritt bereits vollendet hatte, an dem mein Kind noch arbeitete oder vielleicht sogar noch überhaupt kein Interesse hatte.

Und eigentlich ist es ja auch ganz egal, wie alt das niedliche Baby mit der sympathischen Mutter in der Krabbelgruppe neben mir und meinem Kind ist. Wenn man Kinder über einen längeren Zeitraum miteinander aufwachsen sieht, wird man immer wieder feststellen, dass jedes Kind für alles sein eigenes Tempo mitbringt. Ein Kind dreht sich schneller, das andere krabbelt früher los. Das eine Kind spricht früh, das andere braucht nachts recht früh keine Windel mehr. Später liest das eine Kind schneller, dafür hat ein anderes früher schwimmen gelernt. Von Geburt an bringt jedes Kind seinen eigenen Entwicklungsplan mit, der sich nicht am Alter festmachen lässt. Lassen wir also am besten jedem Kind die Zeit, die es individuell braucht.

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