Der Geburtsplan

Must-have oder total überbewertet?

19.Apr 2020
Deutsch

Sich Gedanken zur Geburt zu machen hat viele Vorteile. Aber braucht es wirklich einen detaillierten „Masterplan“? Oder kommt am Ende nicht ohnehin alles anders? Und was gehört auf einen Geburtsplan, wenn man einen vorbereitet?


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1. Klarheit für Entscheidungen schaffen

Der Geburtsplan hilft, sich den Ablauf so gut es geht einmal vorzustellen bzw. sich klar zu werden, was man eigentlich möchte und wo möglicherweise Ängste lauern. Diese „Problemfelder“ im Vorfeld auszuräumen, kann die Geburt erleichtern, denn Ängste blockieren.

Weiterer Pluspunkt eines Plans: wenn du weißt, was du möchtest und was auf gar keinen Fall geht, d.h. deine Grenzen vorher absteckst, kannst du während der Geburt leichter Entscheidungen treffen ohne unter Druck zu geraten. Dazu ist auch der folgende Punkt wichtig:

 

2. Partner einbinden & informieren

Das Durchdenken und Planen der Geburt kann auch eine schöne Gelegenheit sein, sich mit den Wünschen und Vorstellungen des Partners auseinanderzusetzen und den werdenden Papa einzubinden.

Es bringt aber nicht nur auf der emotionalen Ebene Vorteile, sondern ganz praktische: der Partner sollte wissen, was du willst und nicht willst, um gegebenenfalls für dich mitzuentscheiden oder dir die Kommunikation mit der Hebamme und dem Krankenhauspersonal abnehmen zu können, wenn du dazu gerade nicht in der Lage bist.

 

3. Kommunikation im Krankenhaus/mit der Hebamme

Ein Geburtsplan erleichtert das Gespräch mit dem medizinischen Personal und mit Geburtshelfern und -helferinnen. Wenn klar ist, was gewünscht wird und welche No-Gos es gibt, können alle rundherum schneller handeln und Diskussionen werden vermieden.

 

4. Kontrolle behalten – die selbstbestimmte Geburt

Ein guter Geburtsplan und die dadurch verbesserte Kommunikation sind eine wichtige Grundlage für ein schönes Geburtserlebnis und das Gefühl, eine selbstbestimmte Geburt gehabt zu haben. Frauen, die Kontrolle über das Geschehen behalten, sind nachher meist zufriedener mit der gesamten Geburtssituation.

 

5. Wichtige Punkte auf dem Geburtsplan

Der Geburtsplan sollte möglichst nicht zu lang sein, so dass jede Person, die damit zu tun hat, sich rasch einen Überblick verschaffen kann. Es ist hilfreich, die Punkte vorher z.B. mit einer Hebamme zu besprechen, um sich auch die Konsequenzen von Entscheidungen bewusst zu machen und nichts zu übersehen. Zum Beispiel: wenn du unbedingt eine PDA möchtest, muss dir klar sein, dass das zur Folge haben kann, dass du Wehenmittel benötigst.

Es muss auch klar sein, dass der Geburtsplan nur ein Wunschzettel und kein garantierter Ablauf sein kann.

Er sollte also auch Anweisungen enthalten, falls Komplikationen auftreten bzw. ein eigener Plan für den Fall eines Kaiserschnitts angelegt werden.
 

Auch wenn es anders kommt: eine gute Vorbereitung erleichtert vieles.
 

Folgende Fragen/Antworten kann ein Geburtsplan unter anderem beinhalten:

#1 Geburtsvorbereitung

  • Wer soll dich zur Geburt begleiten?
  • Möchtest du bestimmte Musik/Licht/Duft/Kleidung im Kreißsaal?
     

#2 Geburt

  • Welche Mittel oder Methoden sollen/dürfen bei Schmerzen eingesetzt werden?
  • Bevorzugst du alternativmedizinische Methoden/Mittel?
  • Welche Geburtsposition kannst du dir vorstellen bzw. möchtest du in die Wanne?
  • Willst du dauernd am CTG bleiben oder mehr Bewegungsfreiheit, auch wenn das die Überwachung des Babys beeinträchtigt?
  • Möchtest du lieber genaue Anweisungen von Geburtshelfern oder lieber in Ruhe gelassen werden?
  • Willst du immer über alles informiert werden, was um dich herum geschieht, vertraust du diesbezüglich deiner Hebamme oder willst du lieber nicht alles wissen?
  • Ist dir ein Dammschnitt oder -riss lieber, wenn nötig?
  • Sollen Nabelschnurblut/Stammzellen aufgehoben werden? Als Spende?
     

#3 Baby

  • Soll das Baby gleich zu dir oder erst gewaschen werden?
  • Willst du sofort stillen?
  • Darf beim Baby nach der Geburt zugefüttert werden? Darf es Wasser/Tee erhalten oder soll nur gestillt werden?
  • Wenn du nicht stillen willst: soll dein Baby das Kolostrum bekommen?
  • Darf das Baby einen Schnuller bekommen?
  • Soll das Baby immer bei dir sein (Rooming in) oder im Babyzimmer?
     

#4 Kaiserschnitt

  • Soll dein Partner/deine Begleitung dabei sein?
  • Soll dein Partner/deine Begleitung das Baby zuerst nehmen oder willst du es sofort sehen?
     

Empfehlenswert ist es, diesen Plan auch im Krankenhaus zu besprechen und zu überprüfen, ob auf deine Wünsche eingegangen werden kann bzw. was davon der Krankenhausroutine widerspricht.

Und nicht vergessen: dem Partner sagen, wo der Geburtsplan in der Kliniktasche zu finden ist.

 

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Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Geburtsplan

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