Der Trend: Die Lotusgeburt

Die Nabelschnur trennen oder doch lieber warten bis sie abfällt?

27.Apr 2018
Deutsch

Bei der klassischen klinischen Geburt wird unmittelbar nach der Austreibung des Babys die Nabelschnur durchtrennt. Ist der frischgebackene Papa in der Nähe, bekommt er eine Schere in die Hand gedrückt, damit er das Neugeborene feierlich abnabelt. Aus medizinischer Sicht ein Muss, denn Experten warnen vor einer möglichen Infektionsgefahr, sollte die Plazenta wie bei einer Lotusgeburt zu lange am Nabel dranbleiben.

Bei einer Lotusgeburt bleibt das Baby damit über die Nabelschnur bis zu zehn Tage verbunden. Die Nabelschnur soll dabei erst mal von selbst auspulsieren. Der Mutterkuchen bleibt danach also so lange mit dem Baby verbunden, bis er von selbst abfällt. Die Idee die dahinter steckt: Dem Baby soll der Einstieg ins Leben so sanft wie möglich gemacht werden. Der Übergang von Schwangerschaft zur Geburt wird mit dieser Methode nämlich immerhin um einige Tage verlängert. Dabei soll der sensible Bereich rund um den Bauchnabel natürlich besonders schonend gepflegt werden.

Der Trend: Die Lotusgeburt

Foto: Shutterstock

5 Facts zur Lotusgeburt

  • Der Mutterkuchen ist in der Schwangerschaft die Nahrungsquelle des Babys. Bleibt er nach der Geburt länger mit dem Baby verbunden, soll auch der Übergang zum Stillen weniger hektisch ablaufen.
     
  • Befürworter gehen davon aus, dass es bei einer Lotusgeburt zu keinerlei Risiken kommt. Sie sind ganz im Gegenteil der Ansicht, dass die Heilung des Nabels besser verläuft und diese sogar das Risiko einer Gelbsucht verringert.
     
  • Das Handling des Babys zusammen mit der Plazenta, kann für einige Tage eine Herausforderung sein.
     

    • Nach dem Auspulsieren der Nabelschnur, wird das Gewebe gereinigt und soll dann natürlich trocknen. Dafür wird es in einen speziellen Behälter oder auf ein sauberes Handtuch gelegt.
       
    • Der Mutterkuchen wird in Kräuter, Salz und Duftöle gelegt, um ihn in gutem Zustand zu halten. Um den Trocknungsprozess zu unterstützen und eine bakterielle Belastung zu vermeiden, muss er damit jeden Tag erneut behandelt werden. Und natürlich auch, damit keine eigenartigen Gerüche entstehen.
       
    • Beim Tragen des Babys gilt es besonders darauf zu achten, dass keine Spannung zwischen Nabel und Plazenta aufkommt.
       
  • Dem Bonding mit den Eltern steht selbst mit dem verbundenen Mutterkuchen nichts im Wege. Im Gegenteil, denn die ersten Tage nach der Geburt gehören so vor allem Mama und Papa, weil das Herumreichen des Neugeborenen an Besucher mit der Plazenta im Schlepptau meistens automatisch vermieden wird.
     
  • Der frischgebackene Vater ist bei der Methode der Lotusgeburt besonders gefordert. Er muss sich um die nötige Ausstattung kümmern, und vor allem seine Partnerin und das Baby intensiv versorgen, weil beide durch den Anhang weniger mobil sind.
     

Natürlich bleibt es den neuen Eltern überlassen, wofür sie sich entscheiden. Bei der Lotusgeburt müssen sie sich aber womöglich gegen die konventionelle Vorgehensweise stemmen. Insbesondere, da der Trend wegen der Hygienefragen umstritten ist. Immerhin gehört das unmittelbare Durchtrennen der Nabelschnur zur klinischen Methode im gesamten DACH Raum.  Bei der Frage „Plazenta dranlassen oder nicht?“ empfiehlt es sich grundsätzlich das Baby zu beobachten. Denn sobald kein Blut mehr durch die Nabelschnur fließt, kann es eigentlich abgenabelt werden. Ab diesem Zeitpunkt „braucht“ das Neugeborene den Mutterkuchen nicht mehr.

Die Idee der Lotusgeburt stammt von der Amerikanerin Claire Lotus Day. Sie gilt als erste Frau in der westlichen Zivilisation, die ihr Kind nach der Entbindung nicht von der Plazenta trennen ließ. 

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