Der Trend: Die Lotusgeburt

Die Sache mit der Nabelschnur

28.Aug 2019
Deutsch

Bei einer klassischen klinischen Geburt im Krankenhaus wird, unmittelbar nachdem das Baby auf der Welt ist, die Nabelschnur durchtrennt. Ist der frischgebackene Papa in der Nähe, bekommt er eine Schere, damit er das Neugeborene feierlich abnabelt. Aus medizinischer Sicht ein Muss, denn Experten warnen vor der möglichen Infektionsgefahr, wenn die Plazenta, wie bei einer Lotusgeburt, zu lange am Neugeborenen belassen wird.

Baby Nabelschnur

Bei einer Lotusgeburt bleibt das Baby bis zu zehn Tage über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden. Du fragst dich wieso? Ganz einfach: Die Nabelschnur soll dabei erst mal von selbst auspulsieren. Der Mutterkuchen bleibt danach also so lange mit dem Baby verbunden, bis er von selbst abfällt. Meist passiert das zwischen dem 3. und 10. Tag nach der Entbindung. Die dahinterliegende Idee ist Folgende: Dem Baby soll der Einstieg ins Leben so sanft wie möglich gemacht werden. Der Übergang von Schwangerschaft zur Geburt wird mit dieser Methode nämlich immerhin um einige Tage verlängert. Dabei soll der sensible Bereich rund um den Bauchnabel natürlich besonders schonend gepflegt werden.
 

7 Facts zur Lotusgeburt

1. Der Mutterkuchen ist in der Schwangerschaft die Nahrungsquelle des Babys. Bleibt er nach der Geburt länger mit dem Baby verbunden, soll auch der Übergang zum Stillen weniger hektisch ablaufen.

2. Befürworter gehen davon aus, dass es bei einer Lotusgeburt zu keinerlei Risiken kommt. Sie sind ganz im Gegenteil der Ansicht, dass die Heilung des Nabels besser verläuft und diese sogar das Risiko einer Gelbsucht verringert. Außerdem heißt es, dass Neugeborene nach der Geburt entspannter sind und auch leichter an Gewicht zunehmen.

3. Das Handling des Babys zusammen mit der Plazenta, kann für einige Tage eine Herausforderung sein.

  • Nach dem Auspulsieren der Nabelschnur wird das Gewebe gereinigt und soll dann natürlich trocknen. Dafür wird es in einen speziellen Behälter oder auf ein sauberes Handtuch gelegt.
  • Der Mutterkuchen wird in Kräuter, Salz und Duftöle gelegt, um ihn in gutem Zustand zu halten. Um den Trocknungsprozess zu unterstützen und eine bakterielle Belastung zu vermeiden, muss er damit jeden Tag erneut behandelt werden. Und natürlich auch, damit keine eigenartigen Gerüche entstehen oder das Gewebe zu faulen beginnt.
  • Beim Tragen des Babys gilt es besonders darauf zu achten, dass keine Spannung zwischen Nabel und Plazenta aufkommt.

4. Dem Bonding mit den Eltern steht selbst mit dem verbundenen Mutterkuchen nichts im Wege. Im Gegenteil, denn die ersten Tage nach der Geburt gehören so vor allem Mama und Papa, weil das Herumreichen des Neugeborenen an Besucher mit der Plazenta im Schlepptau meistens automatisch vermieden wird.

5. Der frischgebackene Vater ist bei der Methode der Lotusgeburt besonders gefordert. Er muss sich um die nötige Ausstattung kümmern, und vor allem seine Partnerin und das Baby intensiv versorgen, weil beide durch den Anhang weniger mobil sind.

6. Durch das Auspulsieren der Nabelschnur wird das Neugeborene mit einer extra Portion Sauerstoff und Eisen versorgt. Man kann es quasi als Bluttransfusion betrachten, wenn die Nabelschnur erst später durchtrennt wird. Für ein paar Minuten kann dies sehr sinnvoll sein, aber für mehrere Tage, bis die Nabelschnur von alleine abfällt, besteht aus Expertensicht keine Notwenigkeit.

7. Gegner der Lotusgeburt sind der Meinung, dass es durch eine Lotusgeburt zu einem erhöhten Risiko in einigen Bereichen kommt. Sie sehen die Plazenta nach der Geburt als abgestorbenes Gewebe, welches ein hohes Infektionsrisiko birgt.
 

Natürlich bleibt es dir und deinem Partner selbst überlassen, wofür ihr euch entscheidet. Bei der Lotusgeburt müsst ihr euch aber womöglich gegen die konventionelle Vorgehensweise durchsetzen. Immerhin gehört das unmittelbare Durchtrennen der Nabelschnur zur klinischen Methode im gesamten DACH Raum. Bei der Frage „Plazenta dranlassen oder nicht?“ empfiehlt es sich grundsätzlich das Baby zu beobachten. Denn sobald kein Blut mehr durch die Nabelschnur fließt, kann es eigentlich abgenabelt werden. Ab diesem Zeitpunkt „braucht“ das Neugeborene den Mutterkuchen nicht mehr.

Hier noch eine kleine Information zur Begründerin: Die Idee der Lotusgeburt stammt von der Amerikanerin Claire Lotus Day. Sie gilt als erste Frau in der westlichen Welt, die ihr Kind nach der Entbindung nicht von der Plazenta trennen ließ.

Welche anderen wichtigen Aufgaben die Nabelschnur hat und wie man den Nabel am besten pflegt, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.
 

Foto: Shutterstock

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