Der voraussichtliche Geburtstermin

Wie realistisch ist er?

28.Mai 2020
Deutsch

Die Spannung steigt: der errechnete Geburtstermin steht bevor! Doch kommen die meisten Babys tatsächlich am „ET“ (errechneten Termin) oder „eGT“ (errechneter Geburtstermin)? Wie wird er eigentlich ermittelt? Und gibt’s eine Möglichkeit, den Termin selbst bei unregelmäßigen Zyklen besser vorhersagen zu können?


Foto: Shutterstock
 

Wie der Entbindungstermin berechnet wird

Der Geburtstermin wird nach der „Naegele-Regel“ berechnet. Sie ist nach einem Heidelberger Gynäkologen benannt, der sie 1812 beschrieb.* Ob er auch der Erfinder ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Vor ihm haben sich jedenfalls schon andere Mediziner im 18. Jahrhundert mit der Dauer von Schwangerschaften beschäftigt.

Bei einer Standard-Zykluslänge von 28 Tagen wird so gerechnet:
1. Tag der letzten Regelblutung + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr

oder
1. Tag der letzten Regelblutung + 9 Monate + 7 Tage

Bei anderen Zykluslängen wird die „erweiterte Naegele-Regel“ angewandt:
1. Tag der letzten Regelblutung + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr +/− Abweichung von 28 Tagen 

 

Warum wird der Geburtstermin nach der ersten Ultraschalluntersuchung manchmal korrigiert?

Gynäkologe bzw. Gynäkologin messen bei der ersten Untersuchung die Scheitel-Steiß-Länge des Embryos. In den ersten 12 Wochen haben nämlich die meisten Kinder ein ziemlich gleiches Tempo bei der Entwicklung. Ab dem 2. Trimester beginnen bereits individuelle Unterschiede beim Wachstum. Wird bei der Größenmessung eine Abweichung zum errechneten Termin festgestellt, wird meistens auf den aus dem Ultraschall resultierenden Geburtstermin korrigiert.

Der Grund dafür ist einfach: die wenigsten Frauen wissen, wann ihr Eisprung tatsächlich stattgefunden hat – er ist aber der eigentliche Beginn der Schwangerschaft und nicht der erste Tag der Regelblutung. Auch die Einnistung kann unterschiedlich lange dauern.

 

Was die Statistik zum Geburtstermin sagt

Die Wahrscheinlichkeit, dass der errechnete Termin stimmt, liegt nur bei 4%**.
Als „Termingeburt“ gilt außerdem jede Geburt in einem ziemlich großen Zeitraum von 3 Wochen vor ET bist 2 Wochen danach – also von der 37.-42. Schwangerschaftswoche!

Auch wenn „nur“ 4% ganz pünktlich kommen, so werden dennoch fast 30% der Kinder in der 40. SSW geboren. Ungefähr 18% der Kinder kamen laut einer Studie in Deutschland in der 41. und 42. Woche.***

Der Geburtstermin muss nur dem Arbeitgeber verraten werden.

 

Warum ist der errechnete Entbindungstermin dann so wichtig?

Bei einer derart großen Spannbreite von Termingeburten drängt sich vielleicht die Frage auf, warum ein konkreter Tag überhaupt so wichtig ist. Man braucht ein Datum um:

  • zu wissen, in welcher Schwangerschaftswoche man ist und welche Vorsorgeuntersuchungen anstehen.
  • den Beginn des Mutterschutzes festzulegen.
  • medizinische Maßnahmen zu bestimmten Zeitpunkten durchzuführen, wie z.B. bei geplanten Kaiserschnitten bis mindestens zur 38. Woche zu warten oder nach dem ET zur Sicherheit engmaschiger zu kontrollieren.

Im Netz findest du zahlreiche Geburtsterminrechner. Frauen, die den Zyklus, in dem sie schwanger geworden sind z.B. durch Temperaturmessen oder die symptothermale Methode beobachtet haben, können den Termin übrigens am genauesten festmachen, da sie wissen, wann der Eisprung war. Einen online Zyklusrechner findest du hier.  

 

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Quellen:

*https://flexikon.doccheck.com/de/Naegele-Regel

**https://de.wikipedia.org/wiki/Naegele-Regel

***https://www.aerzteblatt.de/callback/image.asp?id=51619

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