Der Zyklus und wie wenig wir darüber wissen

3 Gründe, warum uns dieses ausgeklügelte Körpersystem fremd ist

14.Jun 2019
Deutsch

Egal wie viele unzählige Gedenktage installiert werden, gleichgültig wie viele Hashtags im Internet kursieren (#menstruationmatters, stop #mentstruphobia, #smashshame, etc.) oder Apps entwickelt werden (Zyklusrechner-App, Period Tracker, Kinderwunsch-App, Verhütungs-App, etc.) - trotz aller Errungenschaften ist der weibliche Zyklus nach wie vor häufig ein Tabuthema. Das hat Folgen. Wir finden, man darf und sollte diesem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken. Hier liest du unsere Gedanken dazu:

Schlafende Mama

Foto: MAM

In manchen Kulturen, in denen das menstruierende Mädchen oder die Frau als unrein gelten, hat es gravierende Auswirkungen, wenn sie ihre Periode öffentlich thematisieren. In einigen Regionen Indiens oder Afrikas kann das sogar tödlich enden. Und am anderen Ende der Gleichung entstehen zahlreiche Mythen und Irrtümer rund um die Monatsblutung. Wir verraten dir, warum wir insgesamt so wenig darüber wissen.
 

#1 Menstruationsschmerzen werden schlichtweg ignoriert

Würden Männer unter diesen Schmerzen leiden, hätte das Problem mit Sicherheit mehr Gewicht. Manche Frauen liegen tagelang im Bett, krampfen oder erbrechen sich. Menstruationsschmerzen können so schwer sein wie ein Herzinfarkt, dennoch werden sie wissenschaftlich kaum erforscht. Viele Frauen nehmen auch Schmerztabletten, damit sie überhaupt in die Arbeit gehen können – eine Tatsache, die eindeutig mehr Aufmerksamkeit benötigt!
 

#2 Die Dauer deines individuellen Zyklus bleibt ein Rätsel

Dass ein gesunder Regelrhythmus 28 Tage betragen soll, hat sich irgendwie als Mainstream-Gedanke durchgesetzt. Dabei kann er zwischen 20 und 36 Tagen schwanken. Nur weil dein Zyklus nicht genau 28 Tage beträgt, ist er nicht gleich „unnormal“ oder „bedenklich“. Die Länge des Menstruationszyklus variiert je nach Lebenslage. Denn je nach Lebensumstand tragen äußere Einflüsse wie z.B. Flugreisen, jegliche Art von Stress oder auch Leistungssport zu Verschiebungen oder dem kompletten Ausbleiben bei. Der Zyklus beschränkt sich nicht auf Eisprung und Menstruation, er verläuft in drei verschiedenen Phasen, über die die Bevölkerung leider viel zu wenig weiß:

Follikelphase – das follikelstimulierende Hormon (FSH) und Östrogene (Estron, Estradiol und Estriol) dominieren, Aufbruchsstimmung macht sich breit. Die Gebärmutterschleimhaut wird besser durchblutet und dicker, sodass sich eine befruchtete Eizelle leichter einnisten kann.

Ovulationsphase – Progesteron ist das primäre Hormon während der Gelbkörperphase und ist für viele unangenehme Symptome verantwortlich (vom Eisprung bis zum Beginn der nächsten Periode). In dieser Phase findet der Eisprung (Ovulation) statt, welcher den Wechsel zwischen Follikelphase und Lutealphase bestimmt.

Lutealphase - das luteinisierende Hormon (LH) spielt eine große Rolle bei der Freigabe der Eizelle. Wird die Eizelle nicht befruchtet, so wird die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen – die Periode setzt ein und ein neuer Zyklus beginnt. Wird die Eizelle befruchtet, beginnt die befruchtete Zelle Progesteron zu produzieren, welches sich auf die Körpertemperatur der Frau auswirkt.

Jede dieser Phasen hat einen anderen Sinn und Zweck, wird von den jeweilig benötigten Hormonen dominiert und hat einen direkten Einfluss auf dein Wohlbefinden. Neben der Zyklusmitte kannst du auch am 28. oder 36. Zyklustag schwanger werden. Bei Kinderwunsch sind die wichtigsten Anzeichen auf die du achten solltest: Unregelmäßigkeit beim Zyklus, Amenorrhea (Ausbleiben der Periode) und Scheidentrockenheit.
 

#3 Es gibt einen Mangel an Aufklärung und Hygiene

In Indien beispielsweise werden Mädchen der unteren Kasten so gut wie gar nicht über den bevorstehenden Blutfluss informiert. Sie denken, sie seien plötzlich schwer krank und versuchen die Regelblutung aufzufangen, indem sie sich (nicht gerade keimfreie) Lappen oder alte Socken zwischen die Beine klemmen. In unseren Breitengraden vielleicht unvorstellbar, aber hier muss tatsächlich noch einiges an Aufklärungsarbeit geleistet werden.

Obwohl die Mädchen und Frauen in Mitteleuropa besser aufgeklärt sind, fällte es auch hier vielen Frauen schwer offen über das Thema zu sprechen.
Selbst wenn in manchen Ländern für Härtefälle ein „Menstruationsurlaub“ (Krankenstand) angedacht wird, nimmt dies nicht die allgemeine Tendenz zur Betäubung der Symptome.  Wir sind der Meinung, dass sich keine Frau für ihre Menstruation schämen muss und hoffen, dass Unaufgeklärtheit und Vorurteile bald der Vergangenheit angehören.

@Kinderwunsch: hoffst du noch oder hibbelst du schon?
Und deinen individuellen Schwangerschaftskalender gibt es bei uns im MAM Club!

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