Die 5 häufigsten Geburtskomplikationen

Risiken und ihre Ursachen

07.Jun 2020
Deutsch

Zum Glück verlaufen Schwangerschaften und Geburten heute wegen der guten Vorsorgeprogramme in zahlreichen Ländern in den meisten Fällen problemlos. Dennoch können während der Entbindung Schwierigkeiten auftauchen. Doch welche sind das und wie können sie entstehen?


Foto: Shutterstock

#1 Nabelschnurkomplikationen

Die Nabelschnur verbindet die Plazenta mit dem Kind und sichert unter anderem die Versorgung mit Sauerstoff. Komplikationen bedeuten also meistens Gefahr für das Baby. Als besonders gefährlich gilt der Nabelschnurvorfall. Die Nabelschnur rutscht nach dem Blasensprung vor dem Kind in die Scheide und kann dadurch im Geburtskanal eingeklemmt werden. Da die Blut- und Sauerstoffversorgung unterbrochen wird, muss sofort ein Kaiserschnitt gemacht werden. Bei einem vorzeitigen Blasensprung ist es darum wichtig, dass die Schwangere sich sofort hinlegt und liegend ins Krankenhaus transportiert wird!

Bei einer Nabelschnurumschlingung wickelt sich die Nabelschnur um den Hals oder den Körper des Babys. Meistens stört das die Geburt nicht, wenn aber Zug oder Druck an der Nabelschnur entsteht, kann das wie beim Nabelschnurvorfall einen Kaiserschnitt notwendig machen.
 

#2 Störungen der Plazenta

Eine tiefsitzende Plazenta wird meistens schon vor der Geburt erkannt und Komplikationen gleich durch einen Kaiserschnitt umgangen. Zu einer vorzeitigen Plazentaablösung kann es aber plötzlich während der Geburt kommen – hier muss schnell gehandelt werden, da es zu starken Blutungen kommen kann, die das Leben von Mutter und Kind bedrohen. Auslöser kann ein Hämatom hinter der Plazenta sein, das durch Bluthochdruck, einen vorzeitigen Blasensprung, Anomalien der Gebärmutter oder eine kurze Nabelschnur entsteht. Bei einer akuten Plazentainsuffizienz vermindert sich plötzlich der Blutfluss bei Mutter oder Kind. Ursache kann ein Blutdruckabfall z.B. nach einer PDA oder einem Wehensturm sein oder eine Nabelschnurumschlingung beim Baby.

Wer Angst vor Komplikationen hat, ist in einem Krankenhaus mit rufbereiten Notfall-Teams bestens aufgehoben.

 

#3 Lageanomalien

Bei der Beckenendlage (Steißlage oder kurz BEL) liegt das Kind mit dem Po oder Beinen voran im Becken der Mutter. Oft wird in diesem Fall durch einen geplanten Kaiserschnitt jedes Risiko vermieden. Es gibt aber auch Geburtskliniken, die sich auf natürliche Geburten in BEL spezialisiert haben. Auch hier können die Geburtshilfe-Profis im Kreißsaal enorme Arbeit leisten und eine Spontangeburt ermöglichen.

Bei 1% der Schwangerschaften kommt es zu einer Quer- oder Schräglage. Hier muss jedenfalls ein Kaiserschnitt gemacht werden. Die Kinder liegen relativ weit oben im Becken. Dadurch kann es bei einem Blasensprung nicht nur zu einem Nabelschnur-, sondern auch zu einem Armvorfall kommen. Ein Arm des Kindes rutscht in den Geburtskanal, die Schulter kann sich im Becken verkeilen und zu einer lebensgefährlichen Uterusruptur führen.

 

#4 Haltungsanomalie / Einstellungsanomalie / Anomalien im Geburtskanal

Das Kind liegt hier zwar mit dem Kopf nach unten, es dreht den Kopf oder Körper aber nicht optimal in bzw. durch den Geburtskanal. Es kann aber auch das Becken der Mutter, der Kopf und/oder die Größe des Kindes „nicht passen“. Eine Haltungsanomalie bezeichnet dabei die Lage des Kopfes – dieser ist nach hinten gestreckt statt nach vorne zur Brust gebeugt (Stirnlage, Gesichtslage, Vorderhauptslage).

Bei einer Einstellungsanomalie steht der Kopf des Babys „falsch“ im Becken der Mutter. Sternengucker liegen z.B. zwar mit dem Kopf nach unten im Geburtskanal, schauen aber mit dem Gesicht zur Bauchseite der Mutter statt nach hinten (läge diese auf dem Rücken, wenn das Baby auf die Welt kommt, würde dieses nach oben Richtung Himmel schauen – darum Sternengucker).

Durch die Lage kann die Geburt länger dauern und im schlimmsten Fall ein Geburtsstillstand eintreten. Manchmal muss mit Zange, Saugglocke oder Dammschnitt nachgeholfen werden. Vor allem mit der Unterstützung einer Hebamme (die z.B. zu Positionswechseln rät, damit das Baby besser weiterkommt) kann aber auch eine vaginale Geburt gut gelingen.

Sowohl Lage- als auch Haltungs- und Einstellungsanomalien können einen Dammriss begünstigen.

 

#5 Gestörte Wehentätigkeit

Wehenschwäche: die Wehen sind zu kurz, schwach, kommen in zu langen Abständen bzw. sind ineffektiv. Ursache können Medikamente, aber auch eine volle Blase oder Erschöpfung sein. Die Geburt kommt dadurch ins Stocken. Je nachdem, welche Ursache vorliegt, können die Wehen angeregt werden. Z.B. durch Bewegung, einen Gang zur Toilette oder Medikamente.

Hyperaktive Wehen (Wehensturm): Die Wehen sind zu stark oder kommen zu oft. Ursache ist häufig, dass das Kind auf Grund einer ungünstigen Lage oder Größe den Geburtskanal nicht passieren kann. Die Wehen können mit Medikamenten abgeschwächt werden. Bei hypertonen Wehen ist die Gebärmutter auch in den Wehenpausen kontrahiert, die Wehen sind aber ineffektiv. Da die starken oder ständigen Kontraktionen nicht nur fast durchgehende Schmerzen bei der Frau, sondern auch Stress beim Kind verursachen, kann ein Kaiserschnitt nötig sein.
 

Die meisten Komplikationen werden wegen der guten Überwachung von Mutter und Kind z.B. durch das CTG schnell erkannt. In Krankenhäusern stehen Teams für einen Kaiserschnitt bereit, so dass sofort eingegriffen werden kann. Eine hervorragende Unterstützung ist auch eine eigene Hebamme, die bereits die Schwangerschaft begleitet hat und die Mutter besser kennt. Ob eine freiberufliche Hebamme deine Geburt unterstützen kann, erfährst du in der Geburtsklinik in deiner Gegend oder direkt bei der Hebamme.

 

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Quellen:

https://www.netdoktor.at/krankheit/geburtskomplikationen-6799898

https://www.gesundheit.gv.at/leben/eltern/geburt/geburtsablauf/geburtskomplikationen

https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/komplikationen/geburtskomplikationen/#c3889

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