Die babysichere Wohnung

Tipps für glückliche Kinder und entspannte Eltern

12.Mai 2020
Deutsch

Kinder wollen spielen, sich bewegen und die Welt entdecken. Schließlich gibt es jede Menge spannende Dinge zu lernen. Wie sich verschiedene Materialien anfühlen, wie die Schwerkraft funktioniert und was dieses lustige Teil ist, das Mama sich immer wieder ans Ohr hält während sie spricht. Damit die Erkundungsreise ohne böse Überraschung und Verletzungen endet, muss die Umgebung aber erst einmal abgesichert werden.


Foto: Brina Blum via Unsplash

 

Liebe Erwachsene: Runter auf alle Viere!

Um das Haus oder die Wohnung babysicher zu machen, empfiehlt es sich, das Ganze einmal aus dem Blickwinkel eines Kindes zu betrachten. Oder besser: aus der Augenhöhe. Plötzlich tauchen Kabel auf, die man längst vergessen hat, Steckdosen, die man eigentlich nie verwendet und Kanten im Kopfbereich. Auf allen Vieren oder am Bauch durch die Wohnung zu kriechen, lohnt sich also für eine „Bestandsaufnahme“.

 

Todesfalle Wohn-Deko?

Gefahren lauern für Kinder oft hinter scheinbar harmlosen Dingen. Vor allem Glas- oder Porzellanvasen und Objekte aus Metall können aber z.B. schwere Kopfverletzungen verursachen, wenn sie auf einem wackeligen Tischchen oder Regal stehen. Es hilft also nicht, diese Dinge einfach nur weit oben zu platzieren – Hochtisch oder Regal müssen auch entsprechend fixiert sein. Oder noch besser: in der Babyzeit auf gefährliche Deko verzichten.

 

Ich war doch nur kurz …

Wickelplätze, Fenster und Regale verwandeln sich blitzschnell in Gefahrenzonen, wenn Eltern die Kinder alleine lassen. Sogar Babys, die sich eigentlich noch nicht umdrehen können, schaffen es, sich zu bewegen und abzustürzen. Lass dein Kind niemals alleine und nimm es auch „nur kurz“ einfach mit oder lege es in ein Laufgitter.

 

Checkliste für eine babysichere Wohnung

  • Treppen
    • bis zum 5. Lebensjahr eine Gefahr
    • sollten mit einem Gitter abgesichert sein (mind. 60 cm hoch)
    • Zu den verschiedenen Montage- und Verschlussvarianten am besten fachkundig beraten lassen, um herauszufinden, was bei euch am besten passt.
    • Nicht vergessen: Auch Lücken zwischen Stufen und im Treppengeländer müssen geschlossen werden.
       
  • Fenster
    • Unbedingt einen guten Fensterschutz anbringen
    • oder gleich auf absperrbare Fenstergriffe setzen
    • Selbst Krabbelkinder finden immer wieder Wege, auf das Fensterbrett zu gelangen. Außerdem können Kinder, wenn sie wollen, erstaunlich schnell sein.
    • Katzen- und Fliegengitter sind kein ausreichender Schutz – sie können bei Druck leicht nachgeben und mit dem Kind aus dem Fenster fallen
       
  • Küche
    • Laden und Schränke absichern
    • am besten sind Methoden, mit denen die Lade überhaupt nicht geöffnet werden kann. Es besteht nämlich nicht nur die Gefahr, dass sich das Kind am Inhalt verletzt, sondern die gesamte Lade herauszieht und sich schwer verletzt.
    • Kabel dürfen nicht in Reichweite sein – Das Kind darf z.B. niemals an den Wasserkocher kommen.
    • Wenn das Backrohr nicht erhöht ist, empfehlen sich Modelle mit extra isolierter Glasscheibe, die nicht so heiß wird.
    • Für die Herdplatte gibt es spezielle Sicherungen, so dass die Kleinen nicht zu heißen Bereichen gelangen
    • Auch Türen von Kühlschränken und Gefriertruhen sichern – Kinder suchen sich manchmal wirklich „gute“ Verstecke beim Spielen
       
  • Türen
    • Türstopper verhindern, dass Kinder sich die Finger einklemmen
       
  • Schränke und Regale
    • Schranktüren sichern
    • alle Schränke und Regale an der Wand befestigen, so dass sie nicht kippen können, wenn die Kleinen einen Kletterausflug starten.
    • In offenen Regalen den Inhalt kontrollieren (schwere Deko-Stücke oder Vasen)
       
  • Teppiche
    • Rutschfeste Matten darunter verhindern, dass sich Falten bilden oder der Teppich wegrutscht
    • kleine Läufer und Matten lieber so lange wegräumen, bis das Kind sicher laufen kann
       
  • Steckdosen
    • Können leicht mit günstigen Plastikeinsätzen abgesichert werden
    • auch auf Verteilersteckdosen achten
    • keine offenen Kabel oder Geräteabdeckungen
       
  • Schnüre & kleine Teile
    • keine Schnüre und Bänder herumliegen lassen, es besteht Strangulierungsgefahr
    • Ebenso kleine Teile wie Perlen, Knöpfe, Spielsachen, Bohnen, Deko-Steine etc. wegräumen – Kleinkinder nehmen gerne alles in den Mund und können ersticken
       
  • Bad
    • Kosmetik und Putzmittel sicher verstauen
    • auch hier auf (Fön-)Kabel, Schranktüren, Deko etc. achten
    • Besonders gefährlich kann die Badewanne werden. Kleine Kinder niemals alleine lassen, sie können auch in ganz flachem Wasser ertrinken. Kommen sie mit dem Gesicht ins Wasser, atmen sie instinktiv ein – eigentlich um zu schreien. Dabei gelangt Wasser in die Lunge. Außerdem wissen Kleinkinder nicht, dass sie bloß aufstehen oder den Kopf heben müssen. Sie sind unter Wasser völlig orientierungslos. 
       
  • Wickelplatz
    • Kind niemals alleine lassen
    • Beim Umdrehen eine Hand auf dem Kind lassen
    • Ein erhöhter Rand kann helfen, ist aber nicht 100%ig sicher
    • zum Spielen und nackt strampeln lassen am besten auf dem Boden wickeln
       
  • Babybett
    • Vorsicht mit Nestchen und Deko: Kinder könne sich mit Bändern strangulieren
    • Polster, Stofftiere und Kuscheldecken können auch zu Atemnot führen oder Kleinteile haben, die sich lösen und verschluckt werden können
    • Empfehlungen gegen SIDS (Plötzlichen Kindstod) beachten
       
  • Pflanzen
    • Für Töpfe gibt es spezielle Abdeckungen zu kaufen, so dass das Kind nicht an Erde, Steinchen oder Düngemittel gelangt
    • Nur standfeste und kippsichere Pflanzbehälter verwenden
    • Giftige Pflanzen vermeiden – Blumenfachhändler beraten dich dazu
       
  • Medikamente & gefährliche Stoffe
    • Medikamente in absperrbaren Kästen aufbewahren
    • Putzmittel am besten auch unerreichbar verstauen
       

Kinder müssen ihre Erfahrungen machen dürfen – möglichst sicher, aber ohne „helikoptern“.
 

Bei aller Vorsicht muss man allerdings auch sagen: nichts ist 100%ig sicher. Und Kinder sollten ihre Erfahrungen machen – vor allem wenn es um Bewegung geht. Diese fördert die Gehirnentwicklung maßgeblich und beeinflusst sogar die Lernleistung und emotionale Entwicklung*.

Die berühmten „Helikoptereltern“, die jeden Schritt des Kindes überwachen, schaden mehr, als sie wahrscheinlich wollen. Stürze gehören zum Kinderleben. Ständiges Ermahnen mit „Pass auf“, „Mach das nicht“, „Achtung, sonst …“ rauben den kleinen Entdeckern nicht nur den Spaß, sondern auch das Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. Kinder trauen sich in Folge nichts mehr zu und werden überängstlich. Ein wenig Risiko lässt sich einfach nicht vermeiden, wenn man möchte, dass sein Schatz in Zukunft voller Zuversicht und Selbstwertgefühl durch das Leben geht.

Was sich darum neben der Absicherung der Wohnung noch empfiehlt: ein guter Erste-Hilfe-Kurs und die Daten der Krankenversicherung des Kindes (z.B. eGK, Card für Privatversicherte, e-Card) immer bei der Hand haben.

 

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Quellen:

https://www.netdoktor.at/familie/kinder-jugendliche/kindersichere-wohnung-5617

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/sicher-aufwachsen/sicherheit-im-alltag/zu-hause/

*https://www.die-bonn.de/zeitschrift/12011/walk1001.pdf

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