Die Bilderbuch-Geburt

Alles über Geburtsphasen und den Ablauf einer natürlichen Geburt

19.Nov 2019
Deutsch

Babys kommen seit ewigen Zeiten auf die Welt – und doch scheint jede einzelne Geburt immer noch etwas Magisches zu sein. Aber wen verwundert das: wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt, vollbringen sowohl der Körper der Mutter als auch des Babys unglaubliche Dinge. Was genau passiert und warum, erzählen wir euch in diesem Artikel.

Baby nach der Geburt
Foto: Christian Bowen on Unsplash
 

Grundsätzlich wird eine vaginale Geburt in 3 Abschnitte* geteilt:

  1. Eröffnungsphase
  2. Austreibungsphase
  3. Nachgeburtsphase

Im Durchschnitt dauert eine Geburt bei Erstgebärenden rund 13 Stunden.** Zu beachten ist allerdings, dass die Zeitrechnung – wie so oft – sehr subjektiv sein kann und mitunter wenig Aussagekraft hat. Während nämlich bei professionellem Geburtspersonal der Beginn einer Geburt erst mit Muttermund-wirksamen Wehen gerechnet wird, hat die Geburt für die Frau gefühlt vielleicht schon am Tag davor angefangen. Warum ist das so?

 

  1. Die Eröffnungsphase

Wie vieles in der Schwangerschaft sind auch die Wehen bzw. das Empfinden von Wehen von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Die verschiedenen Wehen-Arten fühlen sich also für jede Gebärende mitunter ganz anders an. Während an einer Schwangeren die Vorwehen völlig unbemerkt vorübergehen, befindet sich eine andere bereits laut tönend in der Badewanne. Die Vorwehen sorgen – wie der Name schon vermuten lässt – für gewöhnlich vor der Geburt dafür, dass der Kopf tiefer ins Becken rutscht und „startbereit“ ist.

Die ersten Kontraktionen können anfangs schon gut spürbar sein, trotzdem aber noch zu kurz und unregelmäßig kommen, um den Muttermund tatsächlich zu öffnen. Das heißt, dass die Geburt „offiziell“ noch gar nicht begonnen hat. Das ist nämlich im Allgemeinen erst der Fall, wenn die Wehen in rhythmischen Abständen mehrmals in einer Stunde kommen und mindestens 30-60 Sekunden dauern. Erst dann verkürzt sich der Gebärmutterhals und der Muttermund wird weiter – jetzt spricht man von Eröffnungswehen. Ein guter Wehen-Test ist es, sich in die Badewanne mit warmem Wasser zu legen und zu schauen, was passiert. Vorwehen werden weniger. „Echte“ Wehen bleiben gleich stark. Ein hilfreiches Tool in dieser Phase sind Stoppuhren oder eigene Wehen-Apps. Sie zeichnen mittels schnellen Klicks auf, wie lange eine Wehe dauert und speichern auch übersichtlich den Verlauf der Kontraktionen – eine wichtige Info für Hebammen und Krankenhauspersonal! Die Apps können auch unter Wehen alleine einfach bedient werden, wenn dir eher nach Rückzug ist. Partner können so aber auch eine nützliche Aufgabe übernehmen.

Die Wehen und andere Abläufe im Körper sorgen dafür, dass das Kind durch das Becken der Mutter gelangen kann. Es schiebt nach unten, wobei in der Regel die Fruchtblase platzt. Der Blasensprung kann aber auch vorzeitig stattfinden – also vor den Eröffnungswehen. Da hier die Gefahr von Infektionen erhöht ist, wird empfohlen, spätestens jetzt ins Krankenhaus zu fahren. Von einem verspäteten Blasensprung spricht man, wenn dieser erst in der Austreibungsphase stattfindet. Teilweise wird die Fruchtblase dann manuell geöffnet.

Manchmal wird die Eröffnungsphase zusätzlich in Latenz- und Aktivphase unterteilt. Gemeint ist damit, dass die „latenten“ Wehen zwar auch schon Einfluss auf Gebärmutterhals und Muttermund haben, aber noch nicht so beeinträchtigend sind. Manche Frauen gehen währenddessen noch ganz normal diversen Tätigkeiten nach, entspannen in der Wanne oder schlafen eine Runde.
In der Aktivphase treten die Wehen schon häufiger auf und dauern länger (ca. alle 2-3 Minuten bis zu 90 Sekunden). Die Gebärende ist nun höchstwahrscheinlich voll und ganz auf die Geburt fokussiert. Die Aktiv- bzw. Eröffnungsphase endet, wenn der Muttermund ca. 8-10 cm geöffnet ist.

 

  1. Austreibungsphase

Jetzt öffnet sich der Muttermund vollständig und das Kind kommt in den Beckeneingang. Die Periode wird manchmal auch als „Übergangsphase“ beschrieben – und als anstrengendster Teil im Geburtsverlauf. Der Druck des Köpfchens auf den Beckenboden löst bei der Mutter den Wunsch zum Pressen aus. Durch die Ausschüttung des Hormons Oxytocin bekommen die Wehen eine enorme Kraft und der Pressdrang ist nicht zu unterdrücken. Das Mitschieben der Mutter hilft dem Kind auf dem Weg zum Scheidenausgang – es sollte sein Köpfchen drehen und strecken, um über das Schambein die „Rutsche“ hinaus zu passieren. Für Mutter und Kind ist dieser Teil eine große Herausforderung, die auch Mut erfordert: Für die Frau, um sich für die maximale Dehnung völlig zu öffnen, loszulassen und zu pressen. Für das Kind, sich in den engen Geburtskanal vorzuwagen und von der gebeugten Haltung in eine überstreckte Position zu wechseln.

Kein Grund zur Scham besteht übrigens, wenn sich beim Pressen auch der Darm noch etwas entleert. Viele Frauen wollen (oder bekommen) einen Einlauf vor der Geburt, um Platz zu machen und die Wehen anzuregen. Aber auch wenn nicht: eine Geburt ist ein natürlicher Vorgang und alle darum herum helfenden Personen sind es gewohnt mit allem umzugehen. Ein bisschen Stuhlgang schockiert wirklich niemanden. Du kannst deinen Partner auch bitten, an deinem Kopfende zu bleiben – Hebammen und andere Geburtshelfer kümmern sich meist schnell und diskret um alles Weitere.

In dieser Phase bekommst du wahrscheinlich Tipps zur Atmung und dem gezielten Schieben und Pressen. Versuche, sie anzunehmen und umzusetzen, aber sei nicht enttäuscht, wenn es nicht gleich klappt. Du und dein Kind werdet euren Weg finden!

Eine wichtige Hebammenaufgabe ist nun der Dammschutz. Mit einer leichten Biegung kommt der Kopf des Kindes zuerst. Meistens drehen Geburtshelfer und -helferinnen den Kopf dann wieder etwas, damit die Schulter vorsichtig den Damm passieren kann. Der Rest des Körpers folgt nun ganz leicht. Ist ein Dammschnitt nötig, wird das häufig am Höhepunkt einer Wehe gemacht, so dass die Frau nichts spürt. Oft wird aber auch ein natürlicher Riss in Kauf genommen, da einiges dafürspricht, dass dieser komplikationsloser verheilt.

 

  1. Nachgeburt

Vielleicht hältst du jetzt bereits vollgepumpt mit Endorphinen, vielleicht auch total erschöpft dein kleines Wunder im Arm. Vielleicht kümmert man sich auch noch um dein Baby oder dich. Die Geburt ist jedenfalls erst beendet, wenn die Plazenta auch geboren wurde. Das ist im Schnitt nach spätestens einer halben Stunde der Fall. Die Plazenta wird genau auf ihre Vollständigkeit kontrolliert, da Reste in der Gebärmutter zu stärkeren Nachblutungen und Wucherungen führen können. Eine kurze Narkose und Ausschabung kann nötig sein. Ist die Nachgeburt abgeschlossen, werden auch eventuell vorhandene Damm- oder Scheidenverletzungen versorgt.
Wie auch immer die Geburt deines Kindes abläuft, wir wünschen euch, dass ihr die ersten Augenblicke aufsaugen und genießen könnt – sie sind einzigartig und gehören zu eurer unvergleichlichen Geschichte!

Weiterführende Beiträge:
Die erste Fahrt: Nach Hause in der Babyschale
Wochenbett & Babyblues
Bonding - eine besondere Babybeziehung

 

*Quelle (Stand 10/2019): https://www.netdoktor.de/schwangerschaft/geburtsphasen/
**Quelle (Stand 10/2019): https://de.wikipedia.org/wiki/Geburt

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