Die Saugverwirrung

Mythos oder Realität?

30.Apr 2020
Deutsch

Stillen ist toll – Schnuller und Flaschen allerdings auch. Wie ist das nun aber mit der Saugverwirrung? Gibt es die wirklich? Wie erkennt man sie? Und kann man etwas dagegen tun?


Foto: Shutterstock

Was ist eine Saugverwirrung

Babys kommen mit gewissen Reflexen auf die Welt. Sie saugen oft schon unmittelbar nach der Geburt automatisch an der Brust. Dennoch wird angenommen, dass das effektive Leeren der Brust eine Technik ist, die auch Babys erst lernen bzw. perfektionieren müssen. Weit verbreitete Meinung ist, dass ein Wechsel zwischen künstlichen Saugern wie Flaschen oder Schnullern und Brust am Beginn der Stillbeziehung dazu führen kann, dass das Neugeborene nicht lernt bzw. verlernt, richtig an der Brust zu trinken. Das hat einen bestimmten Grund: das effiziente Saugen an der Brust erfordert eine andere Technik als z.B. das Saugen an Flaschen. Beim Stillen wird durch ein Zusammenspiel von Brust und Zunge ein Vakuum gebildet und die Milch mit dem Kiefer ausmassiert. Bei Flaschen kommen hingegen diverse, je nach Anbieter unterschiedliche Techniken zum Einsatz. Nicht alle Kinder schaffen diesen Wechsel problemlos.

Es wird in Fachkreisen aber diskutiert, ob es eine Saugverwirrung tatsächlich gibt. Es existieren nämlich kaum aussagekräftige Studien zu dem Thema. Die WHO empfiehlt zur Vorsicht auf künstliche Sauger, Flaschennahrung und Schnuller im Krankenhaus zu verzichten sowie vor allem eine gute Stillberatung von Müttern, um die Stillrate in den ersten 6 Monaten möglichst hoch zu halten. Einige Ärzte, Ärztinnen und Hebammen sehen den Einsatz von Flasche & Co allerdings als unbedenklich an.

Fazit: es scheint keinen Grund zu geben, übermäßig besorgt zu sein, vor allem, was den Einsatz von Schnullern angeht. Diese können schließlich auch übermäßiges Nuckeln an der Brust eindämmen, und damit wunden Brustwarzen vorbeugen – letzteres wäre auch ein Grund, der das Stillen beenden könnte. Der Grat zwischen Vor- und Nachteilen kann schmal sein und ist daher im Einzelfall abzuwägen. Wenn du dir unsicher bist, kann dir eine Stillberaterin bei deinen konkreten Fragen und Problemen am besten weiterhelfen.

 

Wie zeigt sich eine Saugverwirrung

Die amerikanische Kinderärztin Marianne Neifert beschäftigte sich im Jahr 1995 näher mit dem Thema und definierte 2 Typen von Babys:

# Typ A:
Neugeborene, die ein Problem haben, die Brust richtig in den Mund zu nehmen und keine Saugtechnik entwickeln können, um Milch aus der Brust zu bekommen. Bei der Mutter kann sich diese Art der Saugverwirrung durch wunde Brustwarzen äußern. Nach dem Stillen fühlt sich die Brust vielleicht auch noch sehr voll an. Ein Milchstau oder eine Brustentzündung können die Folge sein.
 

# Typ B:

Babys, bei denen das Stillen schon gut funktioniert hat, verweigern plötzlich die Brust bzw. bevorzugen die Flasche.

Solltest du das Gefühl haben, dass bei deinem Baby eine Saugverwirrung vorliegt oder du auf Nummer sicher gehen möchtest, gibt es folgende Empfehlungen:

 

Wie kann man eine Saugverwirrung vermeiden

  • anfangs nur stillen, bis ihr etwas eingespielt seid
  • kein vorbeugender Einsatz von Stillhütchen
  • bei Stillproblemen eine Stillberatung suchen

 

Wie kann man eine Saugverwirrung rückgängig machen

  • kontrolliere die richtige Anlegetechnik
  • kontaktiere eine Stillberaterin – sie kann bei einem „Saugtraining“ am besten helfen
  • nimm dir Zeit und habe Geduld
  • wenn möglich den Milchspendereflex schon vor dem Stillen auslösen, damit die Milch schnell fließt und das Baby nicht ungeduldig wird. Das kann z.B. durch eine leichte Stimulation der Brustwarzen oder eine Brustmassage gelingen.
     

Wie immer gilt: nicht verzweifeln und nicht persönlich nehmen, wenn dein Baby deine Brust anschreit. Mit einer verständnisvollen, professionellen Begleitung kann aus euch auch wieder ein Still-Dreamteam werden.

 

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Quellen:
https://www.netdoktor.de/baby-kleinkind/saugverwirrung/
https://de.wikipedia.org/wiki/Saugverwirrung

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