Die Sprachentwicklung

Am Anfang war gar nicht das Wort

09.Jun 2020
Deutsch

Babys kommunizieren vom ersten Tag an – und das auf sehr unterschiedliche Weise. Die Sprachentwicklung beginnt mit nonverbalen (nicht-sprachlichen) Mitteln. Ein Baby versteht zum Beispiel nicht die Worte, die man zu ihm spricht, reagiert aber auf schon auf die Tonlage. Warum die Sprachentwicklung eigentlich schon im Bauch beginnt und wann Kinder das erste Wort sprechen, erfährst du hier!


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Sprach- und Sprechentwicklung

Um Sprache zu verstehen und sprechen zu können, sind bestimmte Hirnregionen, aber z.B. auch das Hören und die Mundmuskulatur entscheidend. Die körperlichen Grundlagen entwickeln sich schon lange vor der Geburt und schaffen so die Voraussetzung für die spätere Sprachentwicklung.

Die „Sprachentwicklung“ bezieht sich genau genommen auf das Erlernen von Wortschatz, Grammatik und den Regeln unseres Lautsystems. Die Sprechentwicklung betrifft wiederum die Bildung von Lauten, die Betonung und den Einsatz der Stimme. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die beiden aber meist unter „Sprachentwicklung“ zusammengefasst.

 

Die Sprachentwicklung in den ersten 6 Monaten

Die Sprachentwicklung verläuft in allen Sprachen ähnlich – individuelle Begabungen und das Umfeld haben aber einen großen Einfluss auf die „Qualität“ und Geschwindigkeit. Es gibt Kinder, die schon mit 10 Monaten das erste Wort sprechen – andere mit 20 Monaten.

Auf der ganzen Welt verwenden Erwachsene die „Babysprache“.

Interessant ist, dass Erwachsene auf der ganzen Welt auf die gleiche Art und Weise mit Babys sprechen:

  • hohe Stimme
  • häufige Wiederholungen
  • starke Melodie beim Sprechen
  • ausgedehnte Selbstlaute (a,e,i,o,u)
  • kurze Sätze
  • Lautmalerei

Man bezeichnet diese Art des Sprechens auch als Ammen- oder Babysprache. Heute weiß man, dass Eltern damit intuitiv auf den Entwicklungsstand des Säuglings reagieren. Eine übertriebene Mimik, Sprache und Wiederholung hilft dem Säugling. Eltern handeln also auch ganz ohne Schulung genauso, wie es das Kind braucht.

Säuglinge reagieren von Geburt an auf verschiedene Tonlagen und lernen bereits, diese mit verschiedenen Situationen oder Befindlichkeiten zu verbinden. Zum Beispiel eine ruhige, tiefere Sprachmelodie zur Beruhigung oder bei Müdigkeit.

In der 6.-8. Woche kommen zum Schreien andere Laute wie das Gurren (1. Lallphase). Viele Babys üben diese Laute immer wieder und trainieren so ihre Stimme. Eltern reagieren oft auf das Lallen und „antworten“ – sie imitieren sie, wandeln ab und lassen so erste „Dialoge“ entstehen.

Im 3. Monat kommen weitere Laute wie das „R“ hinzu. Mund und Zunge werden immer beweglicher. Die Kinder beobachten außerdem die Gesichter der Eltern sehr genau und beginnen zu verstehen, dass Mundbewegung und Sprechen zusammengehören.

Viel Eltern kommentieren laufend, was sie tun – auch so lernt das Kind viel über Sprache. Immer gleiche Abläufe und häufig verwendete Ausdrücke werden zunehmend vertrauter. Das Kind verfeinert das Verständnis für Tonlagen, Situationen und Zusammenhänge. Manche Kinder betreiben weiter sehr eifriges „Stimmtraining“ andere machen lieber eine Pause und „warten“ auf den nächsten großen Meilenstein.

Im 6. Monat beginnt meist die 2. Lallphase: die Kinder verbinden verschiedene Laute zu Silbenketten. Dabei werden manchmal die Tonhöhe und Lautstärke verändert, so dass es wie eine eigene Art von Sprache klingt.

 

Die Sprachentwicklung mit 7-12 Monaten

Das Kind bildet immer mehr Laute, die auch wie Ma-Ma oder Pa-Pa klingen können. Die meisten Kinder verstehen um das 9. Monat herum aber noch nicht, dass sie mit dem, was sie sagen, auch etwas Bestimmtes meinen oder bewirken können. „Sprachtalente“ können aber mit 9 Monaten schon das erste Wort sagen.

Für Kinder ist in diesem Alter ein Wort direkt mit einem Gegenstand verbunden. Manchmal sogar nur in einer bestimmten Situation. „Gelb“ ist zum Beispiel ein bestimmter Baustein, aber noch keine Farbe.

 

Die Sprachentwicklung mit 12-18 Monaten

Die meisten Kinder starten mit 12-18 Monaten mit dem Sprechen der ersten Wörter. Die Schwankungsbreite ist allerdings sehr groß. Einige beginnen auch erst mit 2,5 Jahren. Wenn du unsicher bist, ob die sprachliche Entwicklung gut verläuft, sprich mit einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin. So können zum Beispiel Probleme beim Hören ausgeschlossen werden, die das Sprechen-Lernen beeinflussen. Die sprachliche und motorische Entwicklung scheinen einander zu beeinflussen: gleichzeitig sprechen und laufen zu lernen passiert nur selten.

Jetzt wird den Kindern klar, was Wörter bewirken können: ob Essen oder Schnuller (ganz gleich wie die konkreten Wörter in der Familie lauten, wie z.B. Schnulli, Lulli, ham-ham, …) – das Kind bekommt nun, was es möchte.

Eltern beginnen, ihre Sprache an die Entwicklung des Kindes anzupassen: man spricht von der „stützenden Sprache“. Die Babysprache verschwindet, stattdessen tauchen vermehrt Such- und Benennspiele auf (z.B.: „Wie macht der Hund?“, „Wo ist die Hand?“) und die Eltern ergänzen die kindliche Sprache (z.B. „Wau-Wau“) mit den richtigen Begriffen („Ja, wau-wau macht der Hund“).

Das Kind kommuniziert zuerst in sogenannten „Einwortsätzen“: ein Wort kann fragend, antwortend oder kommentierend verwendet werden. „Auto“ kann außerdem alles bezeichnen, das im weitesten Sinn mit Fahren oder Abschied zu tun hat oder auch nur das konkrete Auto der Familie.

Kinder probieren jetzt gern neue Wörter aus und lernen, Bedeutung und Einsatz zu präzisieren.

 

Die Sprachentwicklung mit 1,5-2 Jahren

Mit 18 Monaten haben 80% der Jungen und 90% der Mädchen die ersten paar Wörter gesprochen. Manche Kinder legen eine Pause ein und vertiefen erst das Verständnis und den Wortschatz, bevor sie mehr sprechen, andere plaudern munter weiter. Der passive Wortschatz ist jedenfalls viel größer als der aktive und langsam steigert sich auch die Fähigkeit zwischen Begriffen mehr zu differenzieren wie z.B. „Auto“ und „fahren“ zu unterscheiden.

 

Die Sprachentwicklung mit 2-3 Jahren

Wenn Kinder ca. 50 Wörter beherrschen, beginnen sie, diese zu kombinieren und Sätze zu bilden. Zuerst in Form von Zwei-Wort-Sätzen („Mama weg“). Die Sprachentwicklung geht nun rasant voran. Fragen tauchen vermehrt auf und im Schnitt lernen 2-Jährige ca. 9 neue Wörter täglich. Auch eigene Wörter werden manchmal erfunden. Schwierige Laute können nun besser ausgesprochen werden. Mit den sehr herausfordernden sogenannten Rachen- und Zischlauten (s, ss, sch, z, x) sowie Lautverbindungen (kl, kr, kn, schl, tr etc.) lassen sich manche Kinder aber auch länger Zeit.

Aufforderungen werden nun schon verstanden und die Sätze werden immer länger. Erst werden sie noch mit „und“ oder „dann“ einfach aneinandergereiht. Später kommen „wenn“, „weil“ und „als“ hinzu. Komplexe Nebensätze mit „obwohl“ oder „nachdem“ beherrschen viele Kinder erst mit 5-6 Jahren.

 

In welcher Geschwindigkeit dein Kind sich auch entwickelt – du wirst bestimmt richtig darauf reagieren. Eltern wiederholen z.B. meist ganz unbewusst falsch ausgesprochene Wörter oder falsche Sätze auf die richtige Art und zeigen so dem Kind nebenbei, wie es richtig geht. Mit diesem sogenannten „korrektiven Feedback“ können Kinder ganz schnell lernen, ohne belehrend auf Fehler aufmerksam gemacht zu werden.

 

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Quellen:

*Remo. H. Largo, Babyjahre, S. 353 ff. (Lenneberg 1967)

https://www.dbl-ev.de/logopaedie/normale-entwicklung/sprach-und-sprechentwicklung.html/

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/entwicklungsschritte/sprachentwicklung/

 

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