Die Top 3 der bestgemeinten aber sinnlosen Ratschläge von Vätern

Blog Gastartikel: Salon Papa

07.Mai 2019
Deutsch

Erziehungsratgeber gibt es viele, Weisheiten von Freunden noch mehr. Aber was ist dran an den gut gemeinten Tipps, die von allen Seiten kommen? Gastblogger Micky vom Blog Salon Papa teilt heute seine Erfahrungen zum Thema Ratschläge von Besserwissern mit uns.

Die Top 3 der bestgemeinten aber sinnlosen Ratschläge von Vätern

Foto: Jenni Koller

Sie lauern an allen Ecken und Enden: neunmalkluge Väter, die eigentlich alles wissen und bei denen man das Gefühl hat, sie seien Pädagogen, Psychologen und Ärzte gleichermaßen. Ihre Erfahrungen sind zum Teil so paradox wie ihre Erzählungen selbst. Hinzu kommt eine unüberschaubare Anzahl an Ratgebern und Experten-Büchern. Und alle wissen wie es geht und was es braucht, um nicht nur das Lebensglück zu finden, sondern auch das Kind richtig zu erziehen.

Ich habe zwar Großteils versucht auf Ratschläge und Ratgeber zu verzichten und will meine Erfahrungen selbst machen, doch das ist mit der Vielzahl an Meinungen, die auf einen werdenden Papa einprasseln nicht immer möglich.
 

Nun also die Top 3 der bestgemeinten aber sinnlosen Ratschläge aus meinem Dunstkreis:
 

1. „In den ersten Wochen kann man echt nix mit dem Baby anfangen.“

Vielleicht gibt es tatsächlich viele Papas, die mit dem Neugeborenen nichts anzufangen wissen. Aber ich kann nun versichern, dass gerade diese ersten Wochen und Monate magisch sind und diese Zeit kann man nie mehr nachholen. Unsere Rosa braucht so viel mehr als nur trockene Windeln, die Brust oder ein Flascherl. Dieses kleine Wesen sehnt sich nach Körperwärme, Zuneigung und Streicheleinheiten... und da werde auch ich als Papa gebraucht. Von der Neo-Mama und vom kleinen Kind.
 

2. „Und wie ist es so beim Stillen?“

, fragt mich letztens ein alter Studienfreund und will mir unterschwellig mitteilen, was er von meiner Karenz hält. Für ihn war es schon immer so: Er bringt das Geld nach Hause und seine Frau kümmert sich um den Haushalt. Macho-Denke at its best, denke ich. Jeder wie er meint, ich will jedenfalls mehr als nur das Geld nach Hause bringen.
 

3. „In den ersten Monaten wirst du sehr viel Zeit für dich haben und du kannst echt viel trainieren gehen. Deine Frau schupft eh alles und das Baby braucht nicht mehr als die Mama.“

, meinte auch ein Trainingskollege kurz vor der Geburt zu mir. Von viel Zeit bin ich in den letzten Monaten weit entfernt, denn die Zeit mit meiner neuen kleinen Familie ist intensiv. Ich fühle mich nicht wie ein passiver Samenspender, sondern wie ein Papa, der nicht nur mitlebt, sondern miterlebt und mit dabei ist.

Angefangen von den unvergesslichen ersten Stunden mit Rosa, ihr ruhiger Atem, wenn sie schläft, bis zum ersten Windel-Kacka-Fest (dem Erfinder der Baby-Feuchttücher muss ich übrigens noch einen Dankesbrief schreiben). Das alles sind Momente, die ich erlebt habe, weil ich mir die Zeit mit dem kleinen Schatz genommen habe.

Vielleicht gilt es nicht als cool, vollgemachte Windeln zu wechseln, den kleinen Popo wieder sauber zu machen und dann dem kleinen nicht stillhaltenden Menschen behutsam in frische „Puppengewänder“ zu kleiden.
Aber das Gebrabbel nebenbei klingt wie hundert kleine Liebesbeweise und die neugierigen Augen, die dich dabei anschauen, sind mitunter die Schönsten, die ich kenne. Für einen Papa ist das wie ansonsten für einen Mann ein Feuer zu machen. Da fühlen wir uns ja auch gebraucht, stark und toll.
Mischt du dann noch das Flascherl richtig (ab), servierst es in der perfekten Temperatur, fütterst das komfortabel in deinem Arm liegenden Baby, das kurz danach ins Milchkoma sinkt und legst es dann in seinen Schlafsack, um es dem Mann im Mond zu übergeben, dann bist du nicht nur der Mann der Feuer gemacht hat, du bist der Mann, der nicht aufhören kann, überglücklich und zufrieden ins Feuer zu starren.

Immer wieder denke ich an die Worte meines Trainingskollegen (Der mit der vielen Freizeit) und frage mich: Hat seine Frau die ganze Arbeit selbst gemacht? Ich bin dabei und ich weiß, dass es anstrengend ist und kräfteraubend obendrein.
Ich glaube, ich kann behaupten, dass ich eine Ahnung davon bekommen habe, was Mamis in den ersten Wochen mitmachen und welche unglaubliche Arbeit sie leisten. Es ist nicht unwahr, wenn man sagt, dass Mamas Management Qualitäten haben.

Ich kann mit Rosa vielleicht noch keine Pferde stehlen, noch nicht campen und der Welt noch keinen Haxn ausreißen, aber ich lerne jeden Tag durch sie und mit ihr. Ich lerne Achtsamkeit und Geduld. Ich lerne, wie sich mein Kind entwickelt und verändert und will keine einzige Minute davon vermissen.

Ich gebe nicht auf, Papas zu finden, die das Glück begreifen und fassen können. Papas, die genauso dankbar sind, ein gesundes Kind in den Armen zu halten und ihm beim Einschlafen zuzuschauen, wie ich es bin.

Einem Uralt-Freund erzähle ich letztens, dass Rosa mich so glücklich macht und dass ich sie bedingungslos liebe. Ich will mir schon auf die Zunge beißen, weil ich nicht noch einen blöden Kommentar als Antwort hören möchte, da sagt er: „Es wird noch stärker. Mit jedem einzelnen Tag.“

Und genau darum geht es, denke ich. Das Glücksgefühl und die unendliche Liebe. Das ist es, was Papas sich weitererzählen sollten.

Wir wissen, diese zwei Papas sind lange nicht mehr die Einzigen, die so denken. Aus eine Studie, die wir im diesem Artikel erläutern, bestätigt: Vater sein liegt im Trend!

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