Dinge, die kein (!) Baby braucht

Blog Gastartikel: Familianistas

15.Feb 2019
Deutsch

Wie Gastbloggerin Andrea von den Familianistas merkte, welche Dinge sie fürs erste Baby wirklich braucht – und welche nicht.

Dinge, die kein (!) Baby braucht

Foto: MAM

Eines vorweg: Es gibt wirklich nützliche Dinge für die erste Zeit mit einem Baby. Dinge, von denen auch Mama und Papa profitieren können. Zu diesen Dingen gehört – natürlich! – ein guter Schnuller, denn es gibt einen Grund, dass er auf Englisch „pacifier“ heißt.

Außerdem haben wir beispielsweise unser Tragetuch oft gebraucht, auch zuhause, wenn der Kleine abends seine Bauch-Krämpfchen hatte. Während dem Zahnen dann ganz viele Spucktücher, die Wickelkommode und das Stillkissen, welches mir so viele unterstützende Dienste erbracht hat und übrigens bis heute im Bett meines unterdessen vierjährigen Sohnes liegt.

Was mir aber in letzter Zeit vermehrt auffällt, ist, dass es ganz viele fragwürdige Baby- und Kinderprodukte gibt, welche die Welt einfach nicht braucht – oder zumindest kein kleiner Mensch. Ein Nasensauger etwa, ein Teller, bei dem man unten heißes Wasser zum Wärmen einfüllt, eine Sitzhilfe für die Badewanne, ein Windeleimer (hier scheiden sich die Geister!) und vieles mehr.
 

Leichte Beute Erstlings-Eltern

Wer sich schon mal in einem «Baby-Haus» umgeschaut hat, weiß, wovon ich rede. Unnötige Dinge, meistens aus Plastik, die frischgebackenen Erstlings-Eltern (besonders empfänglich für sinnlose Anschaffungen) und schwangeren Frauen (leichte Beute) leise zuraunen, dass man ohne sie den harten Familien-Alltag niemals meistern wird. Oder aber die fieseste Falle: der Sicherheitsaspekt! Vom Fachpersonal gerne verwendet bei teuren Kinderwägen, Autositzen oder Hochstühlen, mit dem Totschläger-Argument: «Tja, wenn Ihnen die Sicherheit Ihres Kindes das Geld NICHT wert ist, nehmen Sie halt das günstigere Modell…» Ja, klar!

Aber zurück zu den unnötigen Anschaffungen. Hierzu ein Beispiel: Eine Freundin hat zur Geburt ihres Kindes einen Brei-Löffel geschenkt bekommen, der mich ratlos hinterließ. Es handelt sich um eine Art Babybrei-Dispenser, aus dem das Mus in einen angeschraubten Löffel gedrückt und dem Baby so verabreicht wird. Er soll laut Beipackzettel «das Leben moderner Eltern einfacher machen». Was bitteschön ist schwierig daran, einem Baby den Brei aus einem Gläschen oder einem Teller zu füttern? Eine Kleckerei gibt es doch so oder so.

Eine andere Freundin wiederum hat eine Art Schnuller – in der Schweiz nennen wir ihn „den Nuggi“ – erhalten, in dessen netzartigen Aufsatz man Früchte stecken konnte. Damit das Kind den Saft davon raussaugen konnte. Das Kind meiner Freundin hat das Ding genau einmal in den Mund genommen und anschließend in eine Ecke geschmissen.
 

Umständliche Dinge

Der Konsumdruck fängt bereits in der Schwangerschaft an, wenn die Industrie uns weismachen will, dass jetzt Zeit ist für geblümte Rüschentops mit Abnähern oder ein Abendkleid, das «Hallo, Umstandsmode!» schreit. Ganz zu schweigen von Bade-Einteilern oder Spitzen-Dessous, welche sicherlich nur eine Oma gerne trägt. Sollen wir Frauen im Ernst für neun Monate unseren ganzen Kleiderschrank mit umständlichen Kleidern austauschen? Das kostet zu alledem ja auch noch massig Geld.

Weiter geht’s mit Anschaffungen für die Stillzeit. Ein paar Kostproben gefällig? Die Hersteller sind sehr erfinderisch, wenn es darum geht, Eltern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Da wäre neben dem sexy Abpump-Bustier und dem überflüssigen Stillsessel (was ist gegen das gute alte Sofa einzuwenden?) zum Beispiel der Stillhut mit der Riesenkrempe, der dem Säugling als Sichtschutz übers Köpfchen gestülpt wird. Aber wer möchte schon einen riesigen Baby-Schlapphut vor dem Busen? Mamas Lieblingsfoulard tut es doch auch.

Zum Schluss möchte ich noch eine Frage loswerden: Wozu braucht es eigentlich DIE WICKELTASCHE? Ich weiß, an ihr muss was dran sein, schließlich hängt sie an praktisch jedem Kinderwagen. Klar, die Windeln, Feuchttücher und der Ersatzschnuller wollen halt ordentlich verstaut sein. Aber weshalb kommen da nicht der ganz normale Rucksack oder die schöne Tasche zum Einsatz, die schon vor der Geburt des Kindes in Gebrauch waren? Die sonderbarste Wickeltasche habe ich übrigens mal an einer Kindermesse entdeckt: Von außen macht sie auf It-Bag aus schickem Leder mit Steppnähten à la Chanel; im Innern jedoch befinden sich ein Fläschchenwärmer, ein Abteil für die Windeln und eine herausnehmbare Wickelmatte. Meine Meinung dazu? So wenig wie ich auf unnütze Anschaffungen stehe, verabscheue ich auch Mogelpackungen.

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