„Doofe“ Kinder

Blog Gastartikel: Familianistas

07.Nov 2017
Deutsch

Sandkastenfreunde, wie sie kommen und wieder gehen. Unsere Gastbloggerin von dem Blog Familianistas über den Zwiespalt von Freude und Geduld gegenüber den Freunde unserer Kinder. Wie gern wir sie doch bei uns haben, und sie dennoch ziemlich nerven können.

 

„Doofe“ KinderFoto: Shutterstock

Vor kurzem trug sich folgende Szene auf unserer Quartierstrasse zu: Ich war gerade bei einer entspannten Partie Federball mit meinem Jüngsten, als ein Nachbarskind plötzlich mit seinem Fahrrad auf der Spielfläche auftauchte. Bereits von weitem sah ich wie Max, einem irren Geisterfahrer gleich, auf uns zu brauste. Provokativ zog er zwei, drei Schlenker mitten durch unser Spielfeld, bremste kurz vor meinen Füssen ab, um dann erneut mit Vollgas in Richtung meines Kurzen zu stechen.

„Hey“, rief ich ihm zu, „könntest du bitte etwas weiter vorne auf der Straße Fahrradfahren? Wir spielen hier gerade Federball und ich möchte echt nicht, dass es zu einem Umfall kommt!“ Im Normalfall - zumindest wenn meine Kids von Erwachsenen zu etwas angehalten werden - sehen sie die Sache in der Regel ziemlich schnell ein. Der Nachbarsjunge hingegen scheint so etwas, wie ein Erwachsenen-Resistenz-Gen in sich zu tragen, was mir schon öfters aufgefallen war. So entgegnete er bestimmt: „ICH FAHRE FAHRRAD, WO ES MIR PASST!“ Ich war für einen kurzen Augenblick sprachlos - was eher selten vorkommt. Als dann wieder Worte aus meinem Mund kamen, klang es so: „Mann, bist du doof!“

Schon klar, so etwas sollte man als Erwachsener nicht sagen. Aber ehrlich: Gedacht habe ich es schon zig Mal. Was bei drei Kindern ja auch nicht weiter verwunderlich ist.

Schliesslich gehen bei uns schon seit rund 13 Jahren die Spielgefährten unserer Sprösslinge ein und aus. Was ich übrigens sehr mag. Schliesslich wollte ich immer ein Haus mit offenen Türen. Ein Haus, in dem sich auch die Freunde meiner Kids wohlfühlen. Aber gelegentlich gibt es eben auch Momente, in denen die kleinen Gäste nur nerven. Gäste, die übermässig laut, besserwisserisch, gewaltbereit - oder schlicht und einfach nur total unsympathisch rüberkommen. Doof eben.

Wie damals Mia, die Kindergartenfreundin meines Grossen. Ein Prinzesschen, wie aus dem Bilderbuch. Von Zuhause aus gewohnt, dass man nach ihrer Pfeife tanzt. So war die Hierarchie in der Zweierkiste mit meinem Sohn schnell gesetzt: Sie war der Boss. Sie scheuchte ihn durch die Gegend, mach dies, hol das und wenn er mal keine Lust auf ihre Anweisungen hatte, ließ sie ihn das in voller Härte spüren: „Du bist nicht mehr mein Freund, basta!“

Das Gute aber an Sandkastenfreundschaften ist, dass sie in der Regel nicht lange halten. Mia ist so schnell wieder von der Bildfläche verschwunden, wie sie gekommen war. Drum ist es grundsätzlich müßig sich länger als nötig über ungezogene Balgen aufzuregen. Es werden im Laufe einer Schulkarriere zahlreiche neue Freunde dazukommen. Die kann man dann auch wieder doof finden. Oder besser noch: Deren Eltern. Denn letztlich sind Kinder ja nicht selten ein Produkt ihrer Eltern und werden von uns Erwachsenen zu dem gemacht, was sie sind: Zu netten oder eben doofen Menschen.

PS: Gestern spielte ich mit meiner Tochter einen Federball-Match. Da kam Max mit seinem Skateboard angebraust. Ich war schon aufs Schlimmste gefasst und suchte in meinen Gehirnwindungen nach passenden, pädagogisch korrekten Sätzen, da fragte Max: „Darf ich mitspielen?“ Erneut sprachlos reichte ich ihm meinen Schläger.  

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