Eineiige Zwillinge

Wie sie entstehen und wann man sie sehen kann

26.Jun 2020
Deutsch

Die Entstehung eines Menschen ist ein hochkomplexer Vorgang. Und manchmal passieren dabei auch ganz besondere Dinge: 2018 kamen in Deutschland 14.099 Zwillinge zur Welt1. Ein Drittel davon sind wiederum eineiige (monozygote) Zwillinge.2 Wie eine Zwillingsschwangerschaft entsteht und wann man sie erkennen kann, erfährst du hier.


Foto: Shutterstock
 

Eine Seltenheit: eineiige Zwillinge

Während die Chance auf eine Schwangerschaft mit Zwillingen ganz allgemein bei 1:85 liegt, sind eineiige Zwillinge mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:250 noch seltener.2 Das liegt an der Besonderheit ihrer Entstehung.

 

Aus 1 mach 2

Bei zweieiigen Zwillingen werden im entsprechenden Zyklus 2 Eizellen reif, von 2 Spermien befruchtet und nisten sich unabhängig voneinander in der Gebärmutter ein. Dass 2 Eizellen in einem Zyklus entstehen, kommt übrigens bei älteren Frauen häufiger vor. Da Frauen heute später schwanger werden als früher, nehmen dadurch auch die Mehrlingsgeburten zu.

Bei eineiigen Zwillingen geschieht aber etwas Anderes: zuerst wird „ganz normal“ eine Eizelle von einem Spermium befruchtet. Die Zelle beginnt sich plangemäß zu teilen, d.h. immer mehr Zellen entstehen in einem Haufen (Blastozyste). Bei den meisten Schwangerschaften wächst dieser Zellhaufen zu einem Embryo weiter. Bei eineiigen Zwillingen durchtrennt er sich aber mehr oder weniger vollständig (siehe unten „Verschiedene Formen von eineiigen Zwillingen“). Aus dem gleichen Gen-Material entstehen zwei Embryonen.

Zweieiige Zwillinge haben also genau wie andere Geschwister die gleiche Mutter und den gleichen Vater aber mit unterschiedlicher „Gen-Kombination“ – sie wachsen nur gleichzeitig im Bauch heran. Sie können demnach ebenso unterschiedliche Geschlechter haben. Eineiige Zwillinge sind dagegen nahezu ident aus der gleichen „Basis“ einer Eizelle und eines Spermiums entstanden und haben damit auch meistens dasselbe Geschlecht.

Nur in Ausnahmefällen bilden sich bei eineiigen Zwillingen verschiedene Geschlechter. Einem Zwilling fehlt das Y-Chromosom. Mädchen mit diesem Gen-Defekt leiden unter dem sogenannten Turner-Syndrom.3

 

Verschiedene Formen von eineiigen Zwillingen

Je nachdem, wann die Trennung stattfindet, gibt es verschiedene Formen von eineiigen Zwillingen. Das kann einen großen Einfluss auf Schwangerschaft und Geburt haben:

  • Eineiige Zwillinge mit 2 Fruchtblasen & 2 Plazentas
    Die Teilung findet schon kurz nach der Befruchtung statt. Die befruchtete Eizelle teilt sich vollständig, jeder Teil nistet sich unabhängig voneinander in der Gebärmutter ein – jeder Embryo mit eigener Plazenta und Fruchtblase.
     
  • Eineiige Zwillinge mit 2 Fruchtblasen & 1 Plazenta
    Teilung zwischen dem 3.–7. Tag nach der Befruchtung:
    Der embryonale Teil trennt sich, aber der ernährende Teil der Zellen nicht, d.h.: die Embryonen nisten sich gemeinsam in der Gebärmutter ein, sie haben 2 Fruchtblasen, aber eine gemeinsame Plazenta. Diese Form bedeutet auch mehr Risiken.
     
  • Eineiige Zwillinge mit 1 Fruchtblase & 1 Plazenta
    Teilung nach dem 8. Tag der Befruchtung: In ganz seltenen Fällen findet die Trennung nach der Einnistung statt. Die Fruchthöhle hat sich bereits gebildet. Die Embryonen teilen sich dann Plazenta und Fruchtblase.

 

Ab wann erkennt man Zwillinge im Ultraschall?

Meistens kann man Zwillinge schon bei einem Ultraschall in der 6.-8. Woche erkennen bzw. den doppelten Herzschlag hören.4 Besonders der Vorsorge-Ultraschall in der 9.-12. Schwangerschaftswoche wird Frauen von der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) ans Herz gelegt.

Der Grund dafür: in diesem Zeitraum lässt sich noch feststellen, ob die Zwillinge eine gemeinsame Plazenta teilen oder jedes Kind von einer eigenen versorgt wird. Das ist wesentlich für die Einschätzung von weiteren Risiken. Später lässt sich dieser Umstand nicht mehr mit Sicherheit herausfinden. Das bestätigte auch eine Studie von Wissenschaftlern der Stanford University. Die Fehlerquote bei der Untersuchung, wie die Kinder versorgt werden steigt schon ab der 14. Schwangerschaftswoche.5

Gibt es nur eine Plazenta (man spricht von monochoriotischen Zwillingen, Chorion ist der kindliche Anteil der Plazenta), kann die schlechte Versorgung der Babys mit Nährstoffen und Sauerstoff zu Problemen wie Wachstumsverzögerung oder einem höheren Frühgeburtsrisiko führen.

Auch das Feto-Fetale-Transfusionssyndrom (FFTS) betrifft nur monochoriotische Zwillinge. Dabei sind die Blutkreisläufe verbunden, was lebensbedrohlich für die Kinder sein kann. Wird dieser Zustand rechtzeitig erkannt, kann aber bereits vor der Geburt per Laser eingegriffen werden.5 

Das doppelte Glück ist manchmal also schon früh von Sorgen begleitet. Die moderne Medizin, ausgezeichnete Vorsorgeprogramme und auch erfahrene Hebammen können Zwillings-Mütter aber von Anfang an sehr gut unterstützen – und im Idealfall die Ängste in Vorfreude verwandeln.

 

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Quellen:

1) https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Geburten/Tabellen/geburten-mehrlinge.html

2) https://www.netdoktor.at/familie/schwangerschaft/eineiige-zwillinge-4029862

3) https://de.wikipedia.org/wiki/Mehrlinge

4) https://www.netdoktor.at/familie/schwangerschaft/wie-wahrscheinlich-sind-zwillinge-5198

5) https://www.degum.de/en/aktuelles/presse-medien/pressemitteilungen/im-detail/news/zwei-babys-aber-nur-eine-plazenta.html

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