Einfach kann ja jeder, oder? Schatz, wir kriegen Zwillinge!

Blog Gastartikel: Stadt Land Mama

04.Nov 2018
Deutsch

Der erste Termin beim Frauenarzt, wenn der Schwangerschaftstest zu Hause positiv war, ist ein ganz besonderer. Trotzdem dachte Gastbloggerin Lisa vom Blog Stadt Land Mama, sie wüsste, was sie erwartet. Immerhin hatte sie schon ein Kind bekommen. Doch dann wurde sie doch ordentlich überrascht…

Einfach kann ja jeder, oder? Schatz, wir kriegen Zwillinge!

Foto: Shutterstock

„Einen Ultraschall wollen sie? Den müssten Sie aber selbst bezahlen, sie sind ja erst in der siebten Woche“, sagte mir die Ärztin, als ich zur Untersuchung auf dem Gynäkologenstuhl in ihrer Praxis lag. Nein, dachte ich in diesem Moment, ich will sicher sein, dass „da kein Frosch im Bauch drin ist“, bevor ich der Verwandtschaft von meiner erneuten Schwangerschaft erzähle. 

Heute frage ich mich manchmal, ob ich da vielleicht schon spürte, dass etwas anders war. Das mit dem Frosch hatte ich vor dem Frauenarzttermin auch schon meinem Mann erzählt. Da ich aus meiner ersten Schwangerschaft wusste, dass mir in den ersten Monaten recht übel wird, würde ich meine neuen Umstände nicht lange geheim halten können. Ich wollte also unbedingt Gewissheit, dass alles in Ordnung war in meinem Bauch.

Fast widerwillig setzt die Ärztin ihr Ultraschallgerät an, nachdem ich versichert hatte, dass ich das alles selbst bezahlen würde. Die Krankenkasse zahlt eben normalerweise erst einen Ultraschall in der zehnten Woche. Und, OOOh, da sah ich doch nun wirklich ein schlagendes Herz auf dem Bildschirm flackern. Wie unglaublich ergreifend – auch beim zweiten Mal noch… Doch die Ärztin sagte nichts. Ich war neu bei ihr, vielleicht war sie einfach etwas kühler als ihre Vorgängerin.

„Sehen Sie das?“, fragte sie mich dann ganz unvermittelt. „Ein schlagendes Herzchen, ja!“, antwortete ich gerührt. Sie schwenkte den Bildschirm noch einmal. Dann sah man wieder das schlagende Herzchen… Moooment mal. Das lag aber doch jetzt ganz woanders. „Es sind zwei schlagende Herzen, die wir da sehen!“ Ich stockte. Ich schlug die Hände vors Gesicht. Mir liefen sofort die Tränen. „Wie bitte? Das kann doch gar nicht sein.“ Kein Frosch. Nein. Aber Zwillinge!

„Gab es schon mal Mehrlinge in Ihrer Familie?“ Ich hörte diese Frage nur noch gedämpft. Nein. Es gab doch noch nie Zwillinge in unserer Familie! Und mein „großes“ Kind war doch auch gerade mal eineinhalb!

Ich weiß nicht mehr, wie ich vom Stuhl aufstand, wie ich mich wieder ankleidete, ich weiß nur noch, wie die Ärztin die Tür aufriss und zu ihren Empfangsdamen rief: „Hier kommen ZWILLINGE!“ So wusste denn auch das ganze Wartezimmer Bescheid.

Den Begriff Zwillinge konnte ich da noch gar nicht mit mir in Einklang bringen. ICH? Zwillinge? Wenn ich mit einem niemals gerechnet hätte, dann damit! Und hatte mich nicht das eine Kind schon regelmäßig an meine Grenzen geführt? Wie sollte das alles werden?

„Sie müssen den Ultraschall nun übrigens doch nicht selbst zahlen“, strahlte mich die Ärztin an, „Sie sind nämlich ab jetzt risikoschwanger, weil sie Mehrlinge erwarten.“ Ich glaube, ich kann mir keinen Moment in meinem Leben vorstellen, in dem mir diese 30 Euro egaler gewesen wären.

Ob ich denn wohl mal ganz kurz meinen Mann informieren dürfte, fragte ich immer noch fast wortlos. „Handys sind in der Praxis verboten. Wenn Sie zum Telefonieren kurz vor die Tür gehen könnten…“

Mailbox. Aufgelegt. Wieder Mailbox. Das gibt es doch nicht. Ich dachte doch, ach, ich bin so routiniert. Ich geh zum ersten Termin mal allein in die Praxis. Mein Mann würde ja noch genug Gelegenheiten haben, mal mitzukommen, so eine Schwangerschaft dauert ja auch. Tuut. Freizeichen. „Ja, was gibt´s?“ „Ich... äh... kannst du sitzen? Egal! Oh Gott, es werden Zwei!“ hauchte ich in den Hörer. „Zwei Kinder, beide gesund?“, erwiderte er. „So wie es aussieht, ja…“ „Ja, Wahnsinn!“ Oh ja, und ob. Wahnsinn.

Den Rest-Tag verbrachte ich euphorisch. Den nächsten Tag weinte ich voller Sorgen. Und wieder einen Tag später begann ich, zu realisieren. Ich würde drei Kinder in zwei Jahren bekommen haben. Ich würde mit nur 26 Jahren Dreifachmutter sein.

Ich versuchte, diejenigen zu überhören, die anfangs sagten, ach, so viele Schwangerschaften starten mit Zweien, warte erstmal, ob es beide schaffen. Später versuchte ich die zu ignorieren, die meinten, Zwillinge kämen ja eh immer zu früh, besser wäre es, ich schaute mir schon mal eine Frühchenstation an.

Mein Bauch wurde riesig. Die doppelten Beschwerden, die mir angekündigt worden waren? Kamen nicht. Klar, irgendwann war ich nicht mehr so mobil und auf dem Weg zum Spielplatz mussten meine Tochter und ich immer kurz Halt an der Eisdiele machen, damit ich kurz sitzen konnte.

Aber Ansonsten? Wir haben die Geburt unserer eineiigen Jungs in der 39. Woche eingeleitet, als klar war, dass beide bereits drei Kilo haben. Sie waren rosig, wohlriechend und wunderschön. Und der Moment, in dem erst der eine und dann der andere zum ersten Mal im Kreißsaal schrie, war wahrhaftig der schönste in meinem Leben. 

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