Endlich windelfrei!

Blog Gastartikel: Familianistas

20.März 2018
Deutsch

Der Dreijährige der Gastbloggerin Andrea vom Blog Familianistas hängte monatelang an seinen Windeln – bis er sie auf wundersame Weise innert eines Tages an den Nagel gehängt hat, und aufs Töpfchen ging.

Endlich windelfrei!

Foto: Shutterstock

„Nicht ohne meine Windeln!“ war bis vor kurzem das Motto meines kleinen Sohnes. Jegliche Bemühungen, es doch bitte mal ohne sie zu probieren, wurden vom Dreijährigen konsequent im Keim erstickt. Wenn ich ihm beispielsweise zu erklären versuchte, dass es Mama - im wahrsten Sinn vom Wort! - langsam stinke, ihn ständig zu wickeln, sah er mich verständnislos an. „Musst Du halt die Nase zuhalten, Mama“, meinte er lediglich lakonisch und setzte sich demonstrativ auf seinen Windel-Popo.

Das höchste der Gefühle war jeweils, wenn der Kleine zu Hause morgens auf meinen Effort hin für etwa eine Stunde ohne Windeln rumlief – bis er sich selber in seinem Zimmer klammheimlich wieder eine anzog. Wenn er merkte, dass er mal musste.

Ich habe alles versucht: Vom guten Zureden („Du bist doch ein großer Junge und kein Baby mehr. Du schaffst das!“) über ein ausgeklügeltes Belohnungssystem mit Sternen-Stickers, die er sich auf sein Töpfchen kleben durfte – einen kleinen für das kleine Geschäft, einen großen für das Große – bis hin zur zeitweiligen totalen Ignoranz des Themas. Denn manchmal können Eltern ja auch zu viel Brimborium veranstalten – was letztlich der Sache zu viel Gewicht verleiht und die Kinder unter Druck setzt. So zumindest liest man es in Ratgebern gern und oft.

Aber der Kleine blieb resistent. Es hat auch nichts genützt, dass seine beiden besten Freunde, die ein bisschen älter sind als er, bereits seit einer Weile windelfrei waren. Der herbeigesehnte Nachahmungseffekt blieb auch trotz der coolen Batman-Unterhosen, welche der eine Freund ihm kürzlich beim Play-Date mit Stolz vorführte, leider komplett aus.

Stattdessen hat sich mein Windelkind immer wieder vehement auf diesen einen Jungen aus seiner Kita berufen, der doch „bereits vier sei, und immer noch Windeln trage!“ Anscheinend war die Tatsache, dass da ein noch älteres Kind mit Windeln war, für meinen Kleinen Grund genug, das Ganze mit einer kindlichen Nonchalance anzugehen, die ihresgleichen suchte.

Bis zu diesem einen Abend, es war Anfang dieses Jahres. Als ich in die Kita kam, rannte mir mein Kleiner freudig entgegen. Bei der stürmischen Umarmung merkte ich schnell, dass er keine Windeln mehr trug. Dies bestätigte mir kurz darauf auch seine Betreuerin, die fast genauso stolz aus der Wäsche guckte, wie der Sohnemann selber.

 „Dein Sohn war heute zwei Mal alleine auf der Toilette und wollte partout keine Windel mehr tragen“, rapportierte sie mir. Wie denn das möglich war, wollte ich erstaunt wissen. Und erfuhr, dass allein die telefonische Nachricht von besagtem Spielkameraden, dass dieser in seinen Weihnachtsferien in Thailand den Windeln ganz entsagt hätte, meinen Kleinen von einer Stunde zur anderen ebenfalls zum Umdenken animiert habe.
Anfangs noch skeptisch, musste ich in den darauffolgenden Tagen feststellen, dass es mein Kleiner tatsächlich ernst meinte: Von jenem Abend an, waren die Windeln Geschichte. Als ob er es nie anders gemacht hätte und ohne großes Aufheben setzte er sich fortan ganz selbstverständlich auf den Ring.

Und die Moral von der Geschicht: Das Kind muss wollen, die Mama nicht!

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