„Entschuldigen Sie, gibt’s das auch in schön?“

Blog Gastartikel: Familianistas

07.Sep 2018
Deutsch

Gastbloggerin Andrea von den Familianistas erinnert herkömmliche Schwangerschaftsmode zu sehr an Prinzessin Lillifee – und weiß, wie man die neun Monate modisch und schön mit Stil verbringt.

„Entschuldigen Sie, gibt’s das auch in schön?“

Foto: Shutterstock

Wenn man schwanger ist, kommt irgendwann der Moment, in dem man den Knopf seiner Lieblingsjeans nicht mehr zubringt. Dann nützt auch Bauch einziehen nichts mehr. Ich habe diesem Moment jeweils ein Schnippchen geschlagen, indem ich am Knopfloch meiner Jeans einen dehnbaren Haargummi montierte. Als erweitertes Knopfloch, sozusagen. Dieser Trick erlaubte es mir, meine Lieblingsjeans nochmals zwei Monate länger zu tragen.

 

Aber dann gab es kein Pardon mehr: Ich musste mit meinem wachsenden Bauch in die Abteilung mit der Schwangerschaftsmode. Was mich dort erwartete, deprimierte mich. Da hingen sie: elastische Still-Tops in rosa, hellblau, T-Shirts mit seitlichen Raffungen, Pluderhosen mit breiten Bünden – und ganz viele Rüschen, Pailletten und Aufdrucke wie „Ich bin nicht dick – nur ein bisschen schwanger“. Oder „Kleiner Zwerg inside“. Oder „Baby an Bord“. Oder „Future Milf“. Kurz: Das Einzige, was ich mir an diesen Orten jeweils kaufte, waren Schwangerschafts-Jeans. Okay, und noch ein paar Still-BHs, denn die sind ja wirklich praktisch. 
 

Big Business

Vor allem anderen, das da hängte, musste ich leider die Augen verschließen. Und mich ernsthaft fragen, weshalb Schwangerschaftsmode oft so unvorteilhaft aussieht. Am liebsten hätte ich die Verkäuferin gefragt: „Entschuldigen Sie, gibt’s das auch in schön?“ Ich habe das Gefühl, dass sich die Designer für ihre Maternity Fashion – so wird der Zweig innerhalb der Bekleidungsindustrie genannt - für ihre Entwürfe Inspiration bei Prinzessin Lillifee holen. 

Unterdessen gibt es für schwangere Frauen für jede erdenkliche Gelegenheit Kleider, extra gemacht für die neun Monate in anderen Umständen: Es gibt Schwangerschafts-Badekleider, festliche Cocktail-Kleider und natürlich Deux-Pièces für das Büro. So viele Kleider, die nach der Geburt des Babys wahrscheinlich nie mehr angezogen werden. Es sei denn, man wird wieder schwanger. 
 

Aus seinem Schrank geklaut

Wie auch immer. Als ich - immer noch leicht deprimiert - mit meinem Still-BH und den Schwangerschafts-Jeans nachhause zurückkehrte, machte ich mich an den Kleiderschrank meines Mannes. Und fischte da seine großen T-Shirts, Kapuzen-Pullover, Hemden und Jeans (von da her der Begriff „Boyfriend-Jeans“) raus. Mit Gürteln und Knoten an der richtigen Stelle bastelte ich mir aus seinen Kleidungsstücken solche, in der sich mein veränderter Körper wohl und nicht verkleidet fühlte. Eben nicht wie ein wandelndes Ausrufezeichen, das „Hallo! Ich bin schwanger!“  in die Welt hinausrief.

Die gute Nachricht zum Schluss: Natürlich gibt es auch Labels für Schwangerschaftsmode, die begriffen haben, was schwangere Mamas wollen, beispielsweise
Asos Maternity oder Hatch. Die machen coole Maternity-Mode, die Frauen auch nach der Geburt noch gerne und gut tragen. Was ich in meinen beiden Schwangerschaften zudem tat: Ich schaute mich in den Herrenabteilungen nach großen T-Shirts und Hemden um. Die meisten dieser Teile ziehe ich heute noch, Oversize-Trend sei Dank, gerne an. Und gleich noch ein Tipp: Werdende Mamas sollten sich unbedingt auf den Instagram-Accounts von den Bloggerinnen Veronica Heilbrunner und Leandra Medina Cohen umsehen. Die beiden Fashionistas haben in ihren Schwangerschaften total kreative, schöne und inspirierende Mama-Looks kreiert. Oft mit bestehenden Teilen aus ihrer Garderobe. 

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