Entwicklung spielerisch fördern

So unterstützt du dein Baby mit Spiel und Spaß

27.Feb 2020
Deutsch

In einem Leben mit Baby gibt es zahlreiche schöne Augenblicke mit echten Meilensteinen: das erste Lächeln, das erste Mal vom Bauch auf den Rücken drehen, das erste Robben und natürlich der erste Schritt! Wann diese Entwicklungssprünge passieren, ist individuell ganz verschieden – doch den Weg dorthin kann man spielerisch in jedem Fall gemeinsam lustig gestalten. Anregungen für das liebevolle Begleiten der individuellen Fähigkeiten und der Entwicklung deines Kindes schauen wir uns in diesem Artikel an.


Foto: Shutterstock

Grundsätze des entwicklungsspezifischen Lernens und Spielens

Remo H. Largo, Professor der Kinderheilkunde und Koryphäe auf dem Gebiet der kindlichen Entwicklung, schreibt in seinem Buch „Kinderjahre“ über den Zusammenhang zwischen Spielen und dem altersgemäßen Entwicklungsstand. Demnach gehen die Interessen eines Kindes immer Hand in Hand mit einem „inneren Plan“ und Lernprozesse und können an der Art, wie ein Kind spielt, gut beobachtet werden.

Zwischen 9 und 15 Monate alte Kinder sind zum Beispiel begeisterte „Aus-und-Einräumer“ – oft zum Leidwesen der Eltern, die ihre schöne Ordnung in Bücherregalen und Schubladen zu vermissen beginnen. So nervig das Verhalten für Erwachsene sein kann, so wichtig ist die spielerische Erkenntnis für das Kind: ein Gegenstand kann in einem anderen Gegenstand enthalten sein. Ein- bis Eineinhalb-Jährige finden es dafür zunehmend spannend, Gegenstände aufeinander zu stapeln. Zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr liegt der Fokus dann vermehrt auf dem räumlichen Erleben und Erkunden von Gegenständen, dem Testen der Schwerkraft (auch gerne mit Essen oder Besteck, das vom Tisch geworfen wird) sowie dem horizontalen Bauen (Eisenbahnschienen!). Mit 3 bis 5 Jahren können schließlich alle Dimensionen erfasst und ins Spiel eingebaut werden. Kinder bauen zum Beispiel eine Garage für ein Auto oder einen Unterstand für Tiere, weil sie mittlerweile eine Vorstellung von Objekten und Lebewesen im Raum haben und die Zusammenhänge verstehen.

Jede Art von noch so „belanglosem“ Spiel ist, wie das Beispiel zeigt, eine Art von Entwicklungsförderung oder -unterstützung. Kinder folgen zwar grob ähnlichen, evolutionsbedingten Plänen, dennoch ist der Unterschied zwischen einzelnen Kindern manchmal überraschend groß.

Das Wichtigste und gleichzeitig manchmal Schwierigste bei der spielerischen Förderung ist für Eltern demnach, gelassen zu bleiben, nicht zu vergleichen und zu verstehen, dass die bloße liebevolle Beschäftigung mit dem eigenen Kind an sich schon eine Förderung der Entwicklung darstellt.

 

Spielzeug schon für die Kleinsten

Mit Spielzeug kann Abwechslung hereingebracht werden – und das gibt es auch schon für die Kleinsten. Das erste Spielzeug sollte allerdings einige Voraussetzungen erfüllen, um die Entwicklung im sicheren Rahmen zu fördern. Es sollte zum Beispiel:

  • ergonomisch sein
  • aus unbedenklichen Materialien bestehen
  • keine Kleinteile haben, die sich lösen können
  • keine langen Schnüre haben

Lustig finden es viele Babys, wenn sie mit den Fingern und dem Mund verschiedene Oberflächen oder Strukturen ertasten können. Das macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch die Sinne. Auch starke Farben und geometrische Muster können schon früh (wieder)erkannt werden.

Eine schöne Kombination aus Spielgerät und Entwicklungsförderung sind Lauflernwagen, die zum Beispiel wie Puppenwagen gebaut sind oder andere Elemente zum Beschäftigen haben. Achte dabei darauf, dass der Wagen nicht leicht kippen kann. Es gibt sogar Modelle, deren Räder fester gestellt werden können, so dass sie Laufanfängern nicht so leicht davondüsen.

Ein Klassiker bei den Lernspielen sind Boxen mit Öffnungen in verschiedenen Formen und entsprechenden Klötzen dazu. Auch für das oben schon erwähnte, beliebte Turmbau-Spiel gibt es schöne Schachteln oder Dosen in verschiedenen Größen, die übereinandergestapelt werden können. Das ist ein gutes Training für die Feinmotorik und macht erste Erfahrungen mit physikalischen Gesetzen möglich: wenn man nicht achtgibt (oder absichtlich dagegen schlägt) fällt der Turm dank der Schwerkraft um.

 

PeKiP

Die spielerische Förderung der motorischen, geistigen und emotionalen Entwicklung ist die Grundidee von PeKiP – dem „Prager-Eltern-Kind-Programm“. Dieses pädagogische Konzept wurde in den 1970er Jahren von Dr. Jaroslav Koch entwickelt und wird meistens bei gemeinsamen Treffen in kleinen Eltern-Kind-Gruppen erlernt bzw. angewandt. In einem Alter von ca. 4-6 Wochen ist schon der Start mit PeKiP möglich. Üblicher Weise begleitet PeKiP Kinder bis zum sicheren laufen Lernen (also ca. im ersten Lebensjahr)

Eine zentrale Erkenntnis von Dr. Koch war, dass vor allem Babys nackt viel aktiver und dem Anschein nach auch zufriedener sind. Eine Besonderheit vom PeKiP ist demnach, dass die teilnehmenden Kinder oft nichts anhaben und sich frei am Boden bewegen können.

Die Spiele und Bewegungsanregungen sollen die Entwicklung nicht beschleunigen, sondern lediglich unterstützen. Die Kinder werden nie passiv bewegt – es werden vielmehr Angebote geliefert, die zu Aktivitäten animieren. Zum Beispiel wird ein Ball zum Fuß gehalten, und das Kind kann dagegentreten oder strampeln, wenn es möchte.

Diese Bewegungsanregungen können natürlich auch alleine zu Hause geboten werden. Es gibt allerdings einige Hilfsmittel wie speziell geformte Polster, die für ältere Babys lustig sind, die in Kursen angeboten und dann nicht extra angeschafft werden müssen. Viele Eltern – und auch die Babys – genießen außerdem die Gesellschaft und den Austausch. Das PeKiP ist übrigens auch eine sehr gute Möglichkeit für Väter, die Bindung zum Kind zu stärken.

Die deutsche Pekip Seite bietet weitere Informationen und vor allem auch die Suche nach geeigneten Kursen im Umkreis an. In Österreich können Kurse hier gefunden werden.

Wer sich lieber Anregungen für zu Hause holt, kann sich natürlich auch auf YouTube jede Menge Anregungen holen.

 

Spielerische Entwicklungsförderung im Alltag

Für Babys kann jede Art von Alltags-Beschäftigung zu einem Spiel mit entwicklungsfördernden Elementen „umfunktioniert“ oder „ausgebaut“ werden: Fingerspiele und Singen beim Wickeln stärken das Bindungsverhalten. Für die ganz Kleinen reicht es schon, wenn Mama oder Papa mit dem Gesicht etwas näherkommen und Grimassen schneiden – manche Neugeborene beginnen dann, diese Gesichtsbewegungen nachzumachen.

Auch Alltagsgegenstände können zu interessanten, die Sinne fordernden und somit fördernden Spielsachen werden: eine alte, kleine Plastikgetränkeflasche mit Reiskörnern macht zum Beispiel lustige Geräusche (der Drehverschluss kann zur Sicherheit auch mit Sekundenkleber zusätzlich fixiert werden). Wie sich verschiedenes Material anfühlt und klingt, können ein wenig ältere Kinder mit Holzlöffeln und Metalltöpfen nachempfinden.

Es ist also im Grunde gar nicht schwer, sein Kind zu fördern: Kinder brauchen eigentlich „nur“ genug Zeit und Raum zum Spielen – alles andere findet sich meist ganz von selbst. Doch gerade sich Zeit zu schaffen ist heute für viele problematisch. Wer das Gefühl hat, vom Alltag schon gestresst genug zu sein, muss sich aber nicht auch noch Termine „für das Kind“ in den Kalender packen. Einfach zu Hause Zeit und Raum zum exklusiven Spielen mit den Eltern zu haben, ist für Kinder meist wertvoller als jeder Förderkurs.

 

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Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Prager_Eltern-Kind-Programm
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/spielen/hauptsache-spielen/entwicklungsfoerderung/
Remo H. Largo, Kinderjahre, 27. Auflage Okt. 2014, Piper Verlag, München, S.207 ff.

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