Erste Hilfe bei Babys & Kleinkindern - Teil 1

Jürgen Grassl vom Samariterbund im Interview

05.Sep 2016
Deutsch

Was tun bei Notfällen im Säuglings- und Kleinkindalter

Gerade bei Babys und Kleinkindern sind Notfälle eine besondere Herausforderung. Viele Betroffene fühlen sich überfordert oder haben Angst etwas falsch zu machen, weil das Baby oder Kleinkind noch so zerbrechlich wirkt.

Das wichtigste bei einem Notfall sei Ruhe zu bewahren, erzählt uns Jürgen Grassl, Leiter der Bundesschulung vom Samariterbund Österreich, in einem sehr interessanten Interview. Doch Ruhe zu bewahren scheint gerade in einer Notsituation, noch dazu wenn das eigene Baby betroffen ist, eines der schwierigsten Dinge überhaupt. „Training ist hier das wichtigste“, erklärt uns Grassl weiter. „Wenn man Situationen schon mehrmals geübt hat, sind die entsprechenden Hilfsmaßnaßnahmen schon eingespielt und funktionieren im Ernstfall ganz automatisch.“ Oft sind es auch nur kleine Handgriffe, die man kennen muss. Deswegen rät Grassl nicht nur Eltern, sondern allen, die mit (Klein-)Kindern zu tun haben, dringend einen speziellen Erste-Hilfe-Kurs für Babys zu machen. Auch Großeltern, Tanten oder Babysitter sollten auf solche Fälle vorbereitet sein.

Erste Hilfe bei Babys & Kleinkindern - Teil 1

Jürgen Grassl im Interview mit Little Big Heart

Gleichzeitig beruhigt Grassl aber auch und betont, dass es insgesamt weniger Unfälle mit Kindern gibt, als man annehmen würde. Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt, dass in Österreich nur 5-8 Prozent aller Rettungseinsätze mit Kindern bis zum 14. Lebensjahr sind. Die über drei Jahre durchgeführte Studie an Rettungswägen in Innsbruck zeigt weiters, dass die meisten dieser Unfälle nicht lebensbedrohlich sind. Am häufigsten sind Traumata (30 Prozent), Fieberkrämpfe (28 Prozent) und die Kehlkopferkrankung Pseudokrupp (13 Prozent). Bei fast der Hälfte aller Fälle war eigentlich kein Notarzt nötig, fast 90 Prozent der Kinder waren nicht lebensbedrohlich verletzt.

Wissen was zu tun ist, entspannt schon einmal jede Situation und erspart oftmals einen Rettungseinsatz. Dennoch hebt Grassl ganz entschieden hervor: Im Zweifelsfall sollte man immer die Rettung beziehungsweise einen Krankenwagen rufen. „Lieber ein Mal zu oft als ein Mal zu wenig“.

Erste Hilfe bei Babys & Kleinkindern - Teil 1

Foto: Shutterstock

Hiermit starten wir eine kleine Serie zum Thema „Erste Hilfe bei Säuglingen und Kleinkindern“. Der Leiter der Bundesschulung vom Samariterbund Österreich wird uns in den kommenden Wochen einige Fragen rund ums Thema beantworten und auch die Vorgehensweise in konkreten Fällen erläutern. In den Folgeartikeln erfahrt ihr mehr über Stürze und Verbrennungen von Babys und wie du richtig reagierst, wenn dein Baby etwas verschluckt hat.

Notfallnummern

Österreich: 144

Deutschland: 112

Schweiz: 144 oder 112

 

Samariterbund: Notfälle im Kindesalter

Notfälle im Kindesalter stellen immer eine Herausforderung für die Helfer dar. In kompakten Kursmodulen bietet der Samariterbund Gelegenheit, korrektes Verhalten bei Notfällen und gesundheitlichen Problemen im Kindesalter zu erlernen, in Workshops zu bearbeiten und entsprechende Maßnahmen zu trainieren.

Nähere Informationen über Kurse findest du hier:

Wenn du mehr über Erste-Hilfe-Themen wissen möchtest, findest du hier genauere Hinweise bei Stürzen, Verschlucken, Verbrennungen  und Sonnenstich.

 

 

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