Erste Hilfe bei Babys: Verbrennungen

Interview mit Jürgen Grassl, Samariterbund

16.Sep 2016
Deutsch

Sobald die Babys anfangen mobiler zu werden und schon greifen können, steigt die Wahrscheinlichkeit von Unfällen und du musst noch mehr auf dein Kleines aufpassen. Wie du mit solchen Situationen am besten umgehst und wie du im Notfall reagierst, hat uns Jürgen Grassl vom Samariterbund Österreich in einem Interview erklärt.

Erste Hilfe bei Babys: Verbrennungen

Jürgen Grassl im Interview mit Little Big Heart

Little Big Heart Wodurch entstehen diese Unfälle? Wie kann ich sie vermeiden?

Jürgen Grassl Sobald Kinder greifen können, ziehen sie gerne zum Beispiel an Tischdecken oder greifen nach allem, das in ihrer Greifweite ist. Das kann sehr gefährlich werden, wenn sie dadurch eine Kanne mit heißem Tee oder einen Suppentopf herunterziehen oder umschütten. Am meisten betreffen diese Unfälle daher den Brust- und Schulterbereich der Kinder. Auch hier ist Prävention am wichtigsten. Man sollte die Umgebung so organisieren, dass viele Unfälle von vornherein ausgeschlossen werden können.  Das Kind sollte deshalb keinesfalls unbeaufsichtigt in der Nähe von heißen Flüssigkeiten gelassen werden. Solange die Kinder noch kleiner sind, ist es ratsam, Tischdecken, Kabel und ähnliches außer Reichweite zu halten.

Erste Hilfe bei Babys: Verbrennungen

Foto: Shutterstock

Was sind die ersten Maßnahmen bei Verbrühungen oder Verbrennungen durch heiße Flüssigkeiten?

In den ersten Minuten ist das Kühlen das allerwichtigste. Dafür genügt handwarmes Leitungswasser, das man sofort nach der Verbrühung für 1-2 Minuten, jedenfalls nicht länger als max. 10 Minuten über die Wunde laufen lässt. Dann deckt man die betroffene Körperstelle mit trockenen Wundauflagen aus der Hausapotheke ab und packt das Kind warm ein, sodass es nicht auskühlt. Kinder und gerade Babys kühlen nämlich aufgrund der Körperproportionen viel schneller aus als Erwachsene. Und unterkühlte Kinder lösen mehr Komplikationen im weiteren Verlauf der Behandlung aus. Das lange Kühlen mit Wasser hingegen, so wie früher, wird nicht mehr empfohlen. Auch Eis oder Coolpacks sind in diesem Fall nicht geeignet. Das kommt eher bei einer Schwellung nach einer Sportverletzung zum Einsatz.

Wodurch unterscheiden sich Verbrühungen von Verbrennungen?

Eine Verbrühung wird durch heiße Flüssigkeit wie z.B. Suppe, Tee oder Wasser aus dem Fläschchenwärmer verursacht, wird aber gleichbehandelt wie eine Verbrennung durch Feuer. Die Menge von zum Beispiel kochendem Wasser sowie die Dauer der Einwirkzeit machen aber einen Unterschied auf den Schweregrad der Verletzung aus. Die Einschätzung, wie stark die Verbrennung ist, ist für einen Laien, teilweise sogar für einen Notarzt, aber sehr schwer. Erst einige Stunden später erkennt man oft das tatsächliche Ausmaß dieser Verletzung. Je tiefer und größer die betroffene Stelle verletzt wurde, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines damit einhergehenden Schocks. Sobald mindestens fünf Prozent der gesamten Hautoberfläche, das entspricht bei einem Baby etwa dem Unterarm, betroffen sind, besteht akute Schockgefahr und es muss auf jeden Fall der Rettungsdienst alarmiert werden. Jede Verbrühungs- oder Verbrennungswunde sollte insbesondere bei Babys und Kleinkindern von einem Arzt behandelt werden.

Erste Hilfe bei Babys: Verbrennungen

Foto: Shutterstock

Ich rufe also die Rettung. Und dann?

So gut es geht ruhig bleiben. Dann am besten das Handy auf Lautsprecher schalten, es neben sich legen und genau die Anweisungen der Rettungsleitstelle befolgen. Wenn möglich sollte jemand vor der Tür stehen, der die Rettungskräfte einweisen kann, damit der Rettungsdienst keine wertvolle Zeit damit verliert, das richtige Haus oder die richtige Wohnung zu finden. Sobald die Rettung eintrifft, übernimmt sie die weiteren Maßnahmen. Bis dahin Bewusstsein, Atmung und Kreislauf beobachten und für Wärme sorgen.

Wenn du mehr über Erste-Hilfe-Themen wissen möchtest, findest du hier allgemeine Infos und hier genauere Hinweise bei StürzenVerschlucken und Sonnenstich.

 

 

                Notfallnummer Deutschland: 112

                Notfallnummer Österreich: 144

                Notfallnummern Schweiz: 144 oder 112

 

 
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