Erziehung: Die Sache mit den Spielzeugwaffen

Blog Gastartikel Familianistas

31.Aug 2017
Deutsch

In ihrer heutigen Kolumne widmet sich unsere Gastautorin Nicole vom Schweizer Blog Familianistas dem Thema Spielzeugwaffen. Und warum man Kindern diese (nicht) verbieten sollte. In diesem Sinne: Love, Peace and Waterguns! 

Erziehung: Die Sache mit den Spielzeugwaffen

Foto: Shutterstock 

In unserem Wohnquartier üben grad wieder ein paar Buben den Strassenkampf. Kleine Jungs kriechen durch Büsche, verstecken sich in Hauseingängen und springen urplötzlich aus ihrem Hinterhalt hervor. Stets im Anschlag: Ihre blau-weißen Spielzeugwaffen der Marke „Nerf“. Gefeuert wird mit der „Super-Soaker“, der „N-Strike-Elite“ oder mit der „Strike Stratobow“. Aus den Läufen kommen Schaumstoff-Schüsse, die vorne mit einem Plastik-Kopf verstärkt sind und eine Reichweite bis zu 25 Metern haben können. Wenn dieser lautstarke Jungsmob sich also jeweils durch unsere Quartiersträßchen kämpft, sieht man hie und da Menschen, die mit den Augen rollen. Oder Nachbarn, welche die Vorhänge zuziehen. Anscheinend stört sie das Spiel der Jungs. Obwohl diese mit großem Spaß bei der Sache sind. Oder mehr noch: Sie können es offensichtlich nicht gutheißen.

Einer dieser Buben ist mein Jüngster. Nummer Drei. Er reicht mir gerade Mal bis zur Hüfte. An dieser Stelle sei auch folgendes angemerkt: Ich bin Pazifistin. Mit jeder Pore. Trotzdem lasse ich aber Nummer Drei mit einer Spielzeugwaffe durch die Gegend rennen. Nicht etwa, dass ich mich an das Bild des kleinen, bewaffneten Buben schon gewöhnt hätte. Nein, ich bin immer wieder aufs Neue konsterniert, wenn mein Sohn in die Küche gestürmt kommt und „Peng, Peng!“ schreit“. Und reagiere jeweils ziemlich aus dem Bauch heraus: Manchmal mit blankem Entsetzen und schimpfen, ein anderes Mal mit einem geschickten Ablenkungsmanöver oder manchmal auch nur mit schlichtem Ignorieren.

Ich bin verunsichert. Was sonst? Schließlich kenne ich sie ja alle, die schrecklichen Facebookbilder aus Aleppo, die Zeitungsfotos von Terroranschlägen oder die Reportagen aus Afghanistan. Aber letztlich bin auch ich schon lange genug im Mom-Business um zu wissen, dass Verbote und Tabus in der Regel die Faszination für eine Sache nur verstärken.  Und außerdem sind sie einfach da, die Aggressionen und Ängste, die unsere Kinder beschäftigen und die irgendein Ventil suchen um sich zu entladen. Ich behaupte gar: Hätte Nummer 1 nicht während Jahren wie ein Manischer in Bälle und Schienbeine gekickt, er wäre heute wahrscheinlich ein prügelnder Teenie. Das Sich-Messen-Wollen lag ihm nämlich von Anfang an im Blut. Seit er laufen konnte, wollte er stets wissen, wer der Stärkere ist, wer der Schnellere, wer Gewinner und wer Verlierer. Auch Nummer 2 - das Mädchen im Gespann - wäre nicht halb so entspannt drauf, hätte sie nicht ihre wöchentlichen Breakdance-Battles, in denen sie sich austoben könnte.

Manche mögen sich jetzt wohl fragen: Was zum Geier haben Kriegsspiele mit sportlichen Aktivitäten zu tun? Beim Straßenkampf mit Spielzeugpistolen handelt es sich aber primär eben auch um ein Spiel. Ein Spiel das gewisse Kreativität, Geschicklichkeit und Taktik erfordert. Nicht viel anders als beim Fußball. Wir sollten uns also entspannen. Und wer es aus Gründen der eigenen Psychohygiene nicht auf die Reihe kriegt, seinem Kind auf den kommenden Geburtstag die gewünschte Wasserpistole zu schenken, überlässt diese Anschaffung am besten dem Patenonkel oder der Patentante. 

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