Erziehungsfragen: Die hohe Kunst des „Nein“ Sagens

So lernst du Grenzen zu setzen

22.März 2017
Deutsch

Namhafte Experten betonen immer wieder, dass Eltern von heute das „Nein“ sagen lernen müssen. Schon die Kleinsten testen aus, wie weit man bei Mama oder Papa gehen kann. Das gehört zur normalen Entwicklung dazu. Wenn uns süße Kinderaugen anblicken, dann ist „Nein“ Sagen durchaus eine hohe Kunst. Und doch ist es notwendig, den manchmal dickköpfigen Zwergen auch mal einen Wunsch abzuschlagen und Grenzen aufzuzeigen. Handelt es sich nämlich zum Beispiel um das Bedürfnis, auf eine Fahrbahn zu laufen, um das in der Sonne auffällig schillernde Auto freudvoll zu umarmen – darin stimmen wir sicher überein – dann musst du auf irgendeine Weise in der Lage sein, deinen Schatz umzustimmen. Und ausschweifende Erklärungen wie der Hinweis auf die polizeiliche Verkehrsregelung, sind in so einem Moment weder angebracht noch wirkungsvoll.

 

Erziehungsfragen: Die hohe Kunst des „Nein“ SagensFotos: Shutterstock 

Mit Kleinkindern zu argumentieren ist also eine Sache, die eher aussichtslos ist?

Mitbestimmung macht Sinn, wenn es um die Auswahl zwischen zwei Büchern geht. Denn auch Kinder müssen lernen Entscheidungen zu treffen. Für Erwachsene geht es in der Erziehung darum, zu führen und zu lenken. Und auch darum, die eigenen Grenzen zu wahren. Ein klares „Nein“ von Mama oder Papa stärkt die Kinder indem sie daraus lernen, angemessene Regeln zu akzeptieren. Aber auch um Mitgefühl zu entwickeln. Laut Experten erfordert dieses sogenannte „Nein aus Liebe“ Umsicht, Engagement, Ehrlichkeit und Mut. Also eine gehörige Portion an Selbstüberwindung.

Aber wie mach ich´s nun?

1. Ablenken

Auch wenn „Helikopter"-Eltern gerne alles unter Kontrolle haben würden. Mit Kindern kann man brenzlige Situationen nun mal nicht ausschließen und in so einem Fall musst du als Elternteil schnell reagieren. Vor allem wenn du dabei in Stress gerätst und dein Ton sich entsprechend verschärft, kann es gut sein, dass dein Schatz allein wegen deiner Aufregung zu weinen beginnt. Dein spontaner Stimmungswechsel ist für das Kind beängstigend. Nicht zwangsläufig die Tatsache, dass du Nein sagst.

Es lernt allerdings daraus, dass etwas ziemlich schiefgelaufen ist. Wenn du es gleich in den Arm nimmst und tröstest, wird es sich schnell wieder beruhigen. Und die meisten Kinder sind in der Lage, die erklärenden Worte richtig aufzufassen. Sie werden inhaltlich zwar nicht vollkommen verstehen, worum es geht - aber das Kleine wird daraus lernen, dass Gefahr im Verzug ist, wenn es eine bestimmte Grenze überschreitet. Das liebevolle Trösten ist also in diesem Fall eine Ablenkung, die angemessen und notwendig ist. Natürlich ist es besser, wenn du auch in schwierigen Situationen immer die Ruhe bewahrst. Aber wer kann das schon?

Erziehungsfragen: Die hohe Kunst des „Nein“ Sagens

2. Loben

Spätestens wenn dein Kind das Trotzalter erreicht hat, erwacht der Drang nach Unabhängigkeit. Konfliktsituationen sind vollkommen normal und du musst gar nicht alles daran setzen, sie zu vermeiden. Wenn du also mal Nein sagen musst, dann ist es wichtig, dass du kommunizierst, was du nicht willst. Wenn das Nein nämlich von deinem schlechten Gewissen begleitet wird, durchschaut das dein Kind sofort und wird dir immer wieder genau an dieser Stelle auf den Zahn fühlen. Willst du also nicht, dass dein Liebling den zwar bunten, süßen aber super ungesunden Lollipop in den Mund schiebt, dann biete ihm stattdessen etwas Gesundes an. Hier wären wir wieder bei Schritt 1 - also das Ablenken von dem, was es nicht tun soll. Und dann lobe dein Kind. Sag ihm, dass du es toll findest, dass es sich für den viel gesünderen, leckeren Apfel entscheidet. Zeig ihm deine Erleichterung darüber. Je jünger das Kind, desto mehr Überschwang kannst du in das Lob einbauen. Denn je eher du es zum Lachen bringst, desto besser schmeckt ihm der Apfel. Ältere Kinder durchschauen natürlich gespielten Überschwang und brauchen zunehmend akzeptable Argumente. Hier ist natürlich Kreativität gefragt: Dass Lollipops nicht auf Bäumen wachsen und deshalb ungesund sind, kann einem Kind schon zu denken geben.

Lob ist aber nicht nur eine Strategie um Kinder zum „Guten“ zu überreden. Egal wie du es formulierst, es soll durch und durch ehrlich gemeint sein. Merke: Wenn du selbst davon überzeugt bist, wirkt es auch. Von Herz zu Herz.

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