Es geht los: der Milcheinschuss

Was ist das, warum und wie kann ich Beschwerden lindern?

15.Okt 2019
Deutsch

 

 

„Milcheinschuss“ klingt dramatisch – und kann sich durchaus so anfühlen, denn die Milchmenge in der Brust nimmt meist zwischen dem 2. und 6. Tag nach der Geburt mitunter recht plötzlich zu. Die Milch schießt im wahrsten Sinne des Wortes ein. Aber keine Panik, es gibt einige Hilfsmittel und Tricks, um sich das Leben leichter zu machen.

Foto: Shutterstock

 

Zuerst aber einmal: welchen Zweck hat der Milcheinschuss überhaupt?

Die erste Milch, die das Baby bekommt, ist die Vormilch oder auch „Kolostrum“. Mengenmäßig ist das noch nicht so berauschend und sorgt bei manchen Frauen für Panik, dass das Neugeborene nicht ausreichend versorgt werden würde, aber das Kolostrum ist ein wahres Wundermittel der Natur. Es enthält alle nötigen Nährstoffe und bietet auch noch Schutz gegen viele Krankheiten. Mit anderen Worten: die perfekte erste Schluckimpfung mit jeder Menge Powerstoffen!
 

Baby da, aber Milcheinschuss nicht? Wann kommt er?

Wie so oft ist der Zeitpunkt des Milcheinschusses eine sehr individuelle Angelegenheit, die von verschiedenen Faktoren abhängt.

Rein körperliche, „mechanische“: wird das Baby gleich nach der Geburt regelmäßig angelegt und ist immer in der Nähe? Es ist übrigens nicht notwendig, das Neugeborene ständig an der Brust zu haben – das kann die Brustwarzen auch überstrapazieren. Bist du unsicher, sprich am besten mit einer Stillberaterin und/oder Hebamme. Diese hilft auch beim richtigen, Brustwarzen-schonenden Anlegen!

Medizinische Gründe: Medikamente, die während der Geburt verabreicht werden, können einen Einfluss auf die Milchbildung haben. Auch, ob eine spontane Geburt oder ein Kaiserschnitt stattgefunden hat, kann Auswirkungen haben.

Daneben spielen psychische Faktoren eine Rolle: sowohl für die Geburt als auch das Stillen ist es wichtig, dass sich die Mutter wohlfühlt. Angst kann einen ebenso hemmen wie das Zurückhalten großer Gefühle. Ist dir zum Heulen? Lass es raus! Nicht jedes Tränchen ist gleich eine Wochenbettdepression – im Zweifel sprich aber mit jemandem in deiner Umgebung und scheue dich nicht, professionelle Hilfe zu holen. Bist du entspannt, ist das die beste Voraussetzung für eine gute Stillbeziehung!
 

Hilfe, platzt jetzt mein Busen?! Was tun bei Unbehagen?

Hast du das Gefühl, dass du eigentlich Drillinge füttern könntest? Das Spannungsgefühl liegt an der besseren Durchblutung der Brüste und an mehr Lymphflüssigkeit. Es kann sein, dass du beim zweiten Kind gar nichts mehr spürst – auch das ist ganz normal! Was jedenfalls hilft, ist regelmäßiges Stillen. Auch eine warme Dusche vor dem Anlegen empfinden viele Frauen als angenehm. Nach dem Stillen bringen kühle Auflagen Linderung, da sie abschwellend wirken. Wenn die Brust so voll ist, dass das Baby die Warze nicht mehr richtig in den Mund bekommt, kann eine sanfte Massage kombiniert mit vorsichtigem Ausstreichen helfen.

Wichtig: in diesem Fall nicht Abpumpen, denn das fördert die Milchproduktion nur noch mehr!
 

Was ist der Unterschied zwischen dem Milcheinschuss und einem Milchstau?

Es kann passieren, dass sich aus der vollen Brust mit Spannungsgefühl ein Milchstau entwickelt. Dabei handelt es sich – teils auch nur stellenweise – um richtig schmerzhafte Bereiche in den Brüsten. Auch die Temperatur kann leicht erhöht sein. Geh bei jedem Zweifel am besten zum Arzt und/oder kontaktiere eine Hebamme oder eine Stillberatung.

Bei harten Stellen in der Brust kann es helfen, das Baby so anzulegen, dass das Kinn beim Trinken den Bereich massiert. Gleichzeitig kann man vorsichtig versuchen, mit der Hand mittels Ausstreichen nachzuhelfen.

Da übermäßiges Anlegen die Milchmenge nur weiter steigert, lass dein Baby zwischen den Mahlzeiten besser nicht nur zur Beruhigung an der Brust nuckeln, wenn du bereits Probleme hast – hier kann ein Schnuller helfen.

Und wenn das mit dem Milcheinschuss dann erledigt ist:

Wir wünschen euch eine wundervolle, kuschelige Stillzeit!

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